Digital-Reiseland Deutschland: das Miniatur-Silicon-Valley

Berlin versus Silicon Valley
Sopra Steria
durch

Reisen ist aktuell kein Thema – auch nicht für Manager auf der Suche nach passenden Impulsen für die digitale Strategie. Es lohnt sich aber, sich über Hot-Spots und Kurztrips nach dem Lockdown zu informieren. Hier die finale Station unserer Blogreise durch die Digitalrepublik Deutschland: Es geht abschließend ins Herz der Start-up-Szene: nach Berlin.

Berlin ist unbestritten die Hochburg der deutschen Gründerszene. Namenhafte Start-ups wie N26 und Inkubatoren wie Rocket Internet nennen die Hauptstadt ihr zu Hause. Mit 7,4 Gründungen pro 100.000 Einwohner in der ersten Jahreshälfte 2019 überholt Berlin jedes andere deutsche Bundesland und kann sich mit einer ansehnlichen Gründerkultur rühmen. Im Vergleich: In Hamburg waren es in dieser Zeit 3,3 Gründungen pro 100.000 Einwohner, in Bremen 2,0.

Berlin gilt zudem als „digitaler Melting Pot“ und Hauptstadt des Venture Capitals. Es ist somit keine große Überraschung, dass das Bundeswirtschaftsministerium Berlin als eines der zwölf Digital Hubs ausgewählt hat. Hier vereinen sich sogar gleich zwei digitale Knotenpunkte: IoT und Fintech.

Fintech-Imperium betreibt Start-up-Förderung

Der Hub unterstreiche die Stärke der Hauptstadt als deutsches Zentrum für junge Fintechs, so Ramona Pop, Bürgermeisterin und Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe des Landes Berlin. Die Hauptstadt habe demnach weit mehr Fintech-Start-ups als München und Frankfurt zusammen. Obwohl die Fintech-Szene auch in anderen Regionen immer weiter wächst, hat Berlin in Sachen Finanztechnologie noch die Nase vorn – mit dem größten Fintech-Hub Europas.

Als bedeutendster Fintech-Player der Stadt wurde der Company-Builder Finleap auserwählt, den Hub „H:32“ zu führen. Finleap unterhält unter anderem ein Joint-Venture mit Block.one, dem Entwickler des Blockchain-Protokolls Eos, zur Förderung junger Unternehmen in eben diesem Bereich. Nicht zuletzt dies macht Finleap zu einem wichtigen Akteur der Szene. Das Unternehmen hat in fünf Jahren erfolgreich 17 Fintech-Unternehmen aufgebaut und will nun mit dem Fintech-Hub die Zukunft des Finanzwesens gestalten.

Benannt ist der Hub nach der Hardenbergstraße 32, wo er nun zu Hause ist. Auf 11.000 m2 über acht Etagen arbeiten 1.100 Fintech-Expertinnen und -Experten aus 80 Ländern zusammen, um Start-ups in den Bereichen Banking, Versicherungen und Vermögensverwaltung aufzubauen und zu fördern. Gründer werden dafür mit etablierten Unternehmen und Forschern vernetzt. Gemeinsam arbeiten sie an digitalen Innovationen im Finanzsektor.

Die Träger des Hubs spielen dabei eine zentrale Rolle: Neben Finleap sind auch der Start-up-Campus Factory Berlin und Next Big Thing als Company-Builder Teil des Hubs. Das Leistungszentrum Digitale Vernetzung, eine Kooperation der Berliner Fraunhofer-Institute FOKUS, HHI, IPK und IZM – die allesamt digitale Entwicklungen fördern – bietet praxisnahe Lösungen für die digitale Transformation und die Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie unterstützen im Bereich Vernetzung und Unternehmensentwicklung. Start-up-Förderung, Matchmaking und die Zusammenarbeit mit den Profis der Branche – H:32 eröffnet Möglichkeiten, die Gründeraugen zum Leuchten bringen.

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=zP4_VE62r5I

Von Straßenlaterne bis Nachttischlampe

In den Räumlichkeiten der Factory Berlin befindet sich das zweite Standbein des Hubs, der sich ganz dem Thema IoT, auch Internet of Things, Industrie 4.0 oder Allesnetz widmet. Die Namen sind genauso vielfältig wie der Technologiezweig, den sie beschreiben: Es geht um Innovationen im Bereich der intelligenten Kommunikation zwischen realer und digitaler Welt. Von Straßenlaterne über Smartphone bis hin zur Nachttischlampe: In der Stadt von morgen und der modernen Unternehmensführung sind idealerweise alle Geräte vernetzt und können miteinander kommunizieren. So erleichtern sie nicht nur den Alltag, sondern erhöhen auch die Unternehmenseffizienz.

Mit mehr als 380 IoT-Unternehmen in Berlin-Brandenburg bietet Berlin, neben Dresden, das optimale Netzwerk für den IoT-Hub. Ziel ist es, dieses Netzwerk zu nutzen und innovative Ideen und Geschäftsmodelle zu entwickeln. Mit mehr als 800 Events jedes Jahr, Start-up-Programmen, Austausch mit Experten und Hackathons werden hier innovative Technologien vorangetrieben und Gründer unterstützt. Start-ups wie metr und zkSystems profitierten bereits von dem umfangreichen Angebot.

Digital Cluster à la Silicon Valley

Die Kompetenzzentren gehen allerdings über IoT und Fintech hinaus: Berlin besitzt ein umfangreiches digitales Cluster und wird vielerorts schon in kreativer Abwandlung als Silicon Allee bezeichnet. Die Anspielung auf das große Vorbild bei San Francisco scheint zu weit hergeholt: Das Silicon Valley erstreckt sich auf einer Fläche von rund 5.000 km2 . Mehr als 7.000 Software- und Elektronikfirmen  verteilen sich auf etwa 30 Städte. In Deutschland geht es deutlich komprimierter zu. Berlin beherbergt große Fintechs, pfiffige IoT-Gründungen und Investoren auf rund einem Fünftel der Fläche.

Vielleicht aber auch ein Vorteil: Die Wege sind kürzer, und das Großstadt-Flair schafft eine eigene Anziehungskraft für Gründer und Kreative. Egal, ob Smart City, E-Health, E-Government oder Virtual Reality – die Stadt hat für jeden Bereich ein Zuhause und unterstützt mit seinen unterschiedlichsten Förderprogrammen erfolgreich eine Vielzahl junger Unternehmen.


Quelle: https://www.startupvalley.news/de/

In der Hauptstadt endet nun auch unsere Reise durch die digitalen Hot-Spots Deutschlands. Wir haben einer ganzen Reihe Technologiezentren virtuelle Besuche abgestattet: vom Hamburger Logistikhub über den Brennpunkt Künstlicher Intelligenz in Karlsruhe bis zum Berliner Knotenpunkt für IoT und FinTech.

Es bleibt spannend, was die Zukunft bringt. Einer Sache kann man sich aber sicher sein: Die Digital-Hub-Initiative hat einen großen Schritt in Richtung digitale Zukunft gemacht und wird sicher noch spannende Entwicklungen und bedeutende Start-ups hervorbringen. Wie die Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries bereits sagte: „In Deutschland gibt es vielleicht kein Silicon Valley, dafür aber viele exzellente Valleys mit eigenen Stärken.“

Über die Blogreihe

Die USA haben mit dem Silicon Valley ein großes digitales Zentrum, das alle anderen überstrahlt. Deutschland setzt auf mehre starke Cluster der digitalen Exzellenz, wie die Initiative Digital Hubs Germany vom Digitalverband Bitkom und dem Bundeswirtschaftsministerium zeigt. Wir stellen sie der Reihe nach im Blog Digitale Exzellenz vor.

Teil 1: New Work auf knarrenden Speicherböden (Logistics-Hub in Hamburg)

Teil 2: Gesunde Start-up-Luft schnuppern (Digital-Health-Hub in Nürnberg/Erlangen)

Teil 3: Vom Großatelier-Filmstudio zum globalen MediaTech-Standort (Mediatech-Hub in Potsdam)

Teil 4: K wie Karlsruhe, K wie Künstliche Intelligenz (AI-Hub in Karlsruhe)

Teil 5: Zu Besuch in Europas größtem IoT-Hub (Smart Systems Hub Dresden)

Teil 6: Digital-Reiseland Deutschland: Mit Start-ins zu mehr Innovationen (Digital Hub Logistic Dortmund)

Teil 7: Vom Banken-Viertel zur Fintech-Metropole (Fintech Hub Frankfurt)

Teil 8: früher Knödel-Labor, heute Insurtech-Brutkasten (Insurtech Hub München und Köln)

Teil 9: Sectechs aus der Wissenschaftsstadt (Cybersecurity Hub Darmstadt)

Teil 10: Vom historischen Buchhandelszentrum zur Smart City (Smart Infrastructure Hub Leipzig)

Teil 11: Gute Verbindungen zwischen Branchenriesen und Start-ups (Digital Hub Chemistry & Health)

Teil 12: Das Miniatur-Silicon-Valley (Digital Hub Berlin)

Foto: Getty Images / Evgeny Gromov


Sopra Steria

Unsere Redaktion betreut den Blog inhaltlich und technisch


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