Digital-Reiseland Deutschland: K wie Karlsruhe, K wie Künstliche Intelligenz

Digital-Reiseland Deutschland: K wie Karlsruhe, K wie Künstliche Intelligenz
Gastautor
durch

Künstliche Intelligenz ist eine DER Schlüsseltechnologien der Zukunft.  Das Digital Hub Applied AI gilt als Top-Adresse für angewandte Künstliche Intelligenz in Deutschland. Projektmanagerin Christin Eckerle zeigt im Interview, warum für Digital-Pilgerer kein Weg am deutschen KI-Mekka in Karlsruhe vorbeiführt.

Frau Eckerle, was macht Karlsruhe so attraktiv als KI-Standort?

Karlsruhe ist deutschlandweit einer der bedeutendsten Standorte für die Entwicklung und Anwendung Künstlicher Intelligenz. Und das nicht erst seit gestern: Der de:hub Karlsruhe baut auf den gewachsenen Kompetenzen der Region in der Softwaretechnik auf und setzt heute auf gemeinsame Forschungsaktivitäten etablierter Akteure und ambitionierter Gründerinnen und Gründer. In einem Umkreis von gerade einmal 400 Metern ballen sich exzellente Forschungseinrichtungen wie das Karlsruher Institut für Technologie, das FZI Forschungszentrum Informatik, das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung sowie das Unternehmernetzwerk CyberForum.

Mit mehr als 4.400 Digitalfirmen, zehn Hochschul-/Forschungseinrichtungen und mehr als 25 Gründerzentren ist zudem Karlsruhe ein wichtiger Digitalhotspot in Deutschland. Hier treibt der Digital Hub die Forschung, Anwendung und Gründungen voran. In Karlsruhe gab es somit schon KI-Anwendungen, bevor es zu diesem sprichwörtlichen Hype kam. Dadurch ist es natürlich, dass auch Start-ups oder (angehende) hochqualifizierte Fachkräfte den Standort Karlsruhe so schätzen, nicht nur, wenn es um Künstliche Intelligenz geht.

Was passiert in dem Hub konkret?

Der Digital Hub Karlsruhe baut auf den einzigartigen Kompetenzen der Region im Bereich der angewandten KI auf und fördert die Einführung von KI in der Wirtschaft. Wir konzentrieren uns auf vier Hauptthemen:

  1. Die Sichtbarkeit und Zusammenarbeit von KI-Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft steigern
  2. Ein hervorragendes Ökosystem für KI-Start-ups bereitstellen
  3. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen in die Lage versetzen, KI-Lösungen in ihre Geschäftsmodelle aufzunehmen
  4. Praktische Lernmittel und Demonstratoren für angewandte KI ermöglichen

Hier werden z.B. regelmäßig Roundtables oder Meetups mit Experten aus dem Netzwerk veranstaltet, erst kürzlich etwa mit PyData Südwest, einer Community für Data-Analytics-Entwickler. Es gibt zudem Hub-intern eine KI-Expertenrunde, die sich regelmäßig zu aktuellen Trends und Technologien austauscht.

Seit Juli 2019 wird der digitale Hub auch vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnen Baden-Württemberg gefördert. In dem Rahmen konnten wir auch die erste deutsch-französische Konferenz AIxIA – Artificial Intelligence meets Intelligence Artificielle auf die Beine stellen, bei der sich an zwei Tagen über 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit den neusten Entwicklungen rund um die Anwendung von KI beschäftigt haben. Die Kooperation und viele weitere etwa mit Israel oder Kanada werden intensiviert und ausgebaut.

Quelle: Digital Hub Applied AI

Was zeichnet den Digital Hub Applied AI besonders aus?

Wie schon angedeutet: die unglaubliche Vielzahl an Organisationen, die am Standort Karlsruhe fast schon in Laufnähe verortet sind und ein unglaublich starkes Netzwerk bilden in dem gemeinsam die neusten Innovationen erdacht und realisiert werden, welches aber immer auch Raum für Neues lässt, das macht den Digital Hub für angewandte KI so spannend und attraktiv. Das spiegelt sich auch in der gemeinsamen Koordination des Hubs durch das CyberForum e.V., dem größten Hightech- Unternehmernetzwerk in Europa, dem FZI Forschungszentrum Informatik und der gemeinsamen Tochter, dem DIZ | Digitales Innovationszentrum wider. Dadurch werden bereits im Hub-Management die Fäden aus Wirtschaft, Technologietransfer und Gründungs-Unterstützung gebündelt, unter Einbindung der Vielzahl an weiteren Partnern aus der Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand.

Wer arbeitet hier mit wem an welchen Projekten zusammen?

Wie sich Partnerschaften oder Projekte entwickeln konnten, ist wirklich eine erstaunliche Sache; insbesondere die Entwicklung bei KI-Gründungen: Fast 50 Prozent der in dem CyberForum-Accelerator „CyberLab“ aufgenommenen Start-ups arbeiten an Einsatzszenarien der KI-Technologien in verschiedenen Domänen. Dazu zählen beispielsweise der Schutz vor Malware und Cyberattacken, die Automatisierung des Kassenvorgangs in Restaurants sowie Rettung von Bienen mithilfe von KI.

Die Zusammenarbeit zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen läuft hervorragend. Konkret wurden bereits einige Pilotprojekte initiiert, z.B. ein KI-basierter digitaler Assistent für eine Versicherung. Innerhalb kürzester Zeit konnten wir die Sichtbarkeit für den Digital Hub deutlich erhöhen. Mehrfach kamen Auslandsdelegationen, um sich an unserem Beispiel zu orientieren, sich über die KI-Möglichkeiten zu informieren und die richtigen Experten und Partner zu finden – angewandte KI eben.

Welche tollen Anwendungen hat das Hub bereits hervorgebracht?

Aktuell eines der bekanntesten Ausgründungen und CyberLab-Alumni ist sicherlich das Startup Apic.ai, das erst kürzlich sogar von Google entdeckt wurde. Apic hat sich zum Ziel gesetzt, mit Künstlicher Intelligenz Bienen zu retten, indem Daten und Algorithmen Rückschlüsse auf den Zustand zulassen und so nötige Maßnahmen eingeleitet werden können. Ein absolut relevantes und zukunftsfähiges Unterfangen also.

Ein weiteres spannendes Start-up aus unserem Netzwerk ist HelioPas AI, das erst kürzlich den CyberChampion Award 2019 gewonnen hat. HelioPas AI unterstützt Landwirte beim Einsatz von Düngung und Spritzmitteln oder der exakten Bewässerung, um effizienter und sparsamer zu sein, indem es auf Basis von KI einfache und akkurate Empfehlungen bereitstellt.

Ein drittes hochinteressantes Start-up ist HQS Quantum Simulations, das im Bereich Quantencomputer tätig ist – einer weiteren, äußerst zukunftsfähigen Technologie. Heisenberg Quantum Simulations entwickelt Algorithmen zur Vorhersage von Molekül- und Materialeigenschaften für die Chemie-, Pharma- und Technologie-Industrie. Die Heisenberg-Algorithmen sind sowohl auf herkömmlichen als auch auf neuen Quantencomputern verwendbar und eröffnen den Kunden ein tieferes Verständnis der Materialien und damit schnellere Entwicklungszyklen.

Wie unterscheiden sich die deutschen Digitalzentren vom Silicon Valley?

Das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und damit auch der Digital Hubs bildet der Mittelstand. Wir haben nicht die Global Player wie Facebook oder Alibaba, aber wir haben viele kleine starke Akteure, die mit ihrem Nischenprodukt oftmals Weltmarktführer sind. Und wir wissen voneinander. Wir wissen, welches KMU oder Start-up zu genau dem einen Forschungsprojekt passen könnte; wir wissen, welche Transfereinrichtung aktuell an etwas forscht, was dieses eine spezielle Unternehmen brauchen kann; wir wissen, wo der nächste Business Angel in der Region sitzt, der diese eine Idee mit seiner Unterstützung zum Fliegen bringt.

Das macht diese regionalen Digitalzentren meiner Meinung nach aus. Ich weiß natürlich auch, was Alphabet alles kann – aber um eine bezahlbare, nachhaltige Innovation zu entwickeln, von der beide Seiten am Ende etwas haben, dafür bin ich Teil des Karlsruher KI-Ökosystems.  

Christin Eckerle ist seit 2018 beim CyberForum e.V. und seit Juli 2019 im DIZ |Digitales Innovationszentrum als Projektmanagerin verantwortlich für die Koordination des de:hub Karlsruhe. Davor war sie vor allem in der Durchführung von EU-Förderprojekten des CyberForums tätig. Christin Eckerle hält ihren Master in Politik- und Verwaltungswissenschaft der Universität Konstanz.

Über die Blogreihe

Die USA haben mit dem Silicon Valley ein großes digitales Zentrum, das alle anderen überstrahlt. Deutschland setzt auf mehre starke Cluster der digitalen Exzellenz, wie die Initiative Digital Hubs Germany vom Digitalverband Bitkom und dem Bundeswirtschaftsministerium zeigt. Wir stellen sie der Reihe nach im Blog Digitale Exzellenz vor.

Teil 1: New Work auf knarrenden Speicherböden (Logistics-Hub in Hamburg)

Teil 2: Gesunde Start-up-Luft schnuppern (Digital-Health-Hub in Nürnberg/Erlangen)

Teil 3: Vom Großatelier-Filmstudio zum globalen MediaTech-Standort (Mediatech-Hub in Potsdam)

Teil 4: K wie Karlsruhe, K wie Künstliche Intelligenz (AI-Hub in Karlsruhe)

Teil 5: Zu Besuch in Europas größtem IoT-Hub (Smart Systems Hub Dresden)

Teil 6: Digital-Reiseland Deutschland: Mit Start-ins zu mehr Innovationen (Digital Hub Logistic Dortmund)

Teil 7: Vom Banken-Viertel zur Fintech-Metropole (Fintech Hub Frankfurt)

Teil 8: Früher Knödel-Labor, heute Insurtech-Brutkasten (Insurtech Hub München und Köln)

Teil 9: Sectechs aus der Wissenschaftsstadt (Cybersecurity Hub Darmstadt)

Teil 10: Vom historischen Buchhandelszentrum zur Smart City (Smart Infrastructure Hub Leipzig)


Gastautor

Schreiben Sie einen Gastbeitrag für den Blog Digitale Exzellenz. Wir freuen uns auf Ihren spannenden Themenvorschlag.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.