Digital-Reiseland Deutschland: Mit Dortmunder Start-ins zu mehr Logistics-Innovationen

Digital Hub Logistics Luftbild Start-ins
Sopra Steria
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Eine Reise durch die Digitalrepublik führt Logistikmanager in das zweite Digital-Logistics-Zentrum Deutschlands, nach Dortmund. Statt Start-ups gibt es dort vor allem so genannte Start-ins. Der Digital Hub Logistics unterstützt die Digitaleinheiten großer Unternehmen dabei, neue Geschäftsfelder zu erschließen und digitale Projekte zu entwickeln.

Dortmund steht vielleicht nicht unbedingt auf dem Reiseplan jedes Managers, um sich über digitale Innovationen in diesem Sektor zu informieren und sich zu vernetzen. Das wird sich nach dem Lesen des Beitrags ändern: Denn Dortmund gilt als das Zentrum für technische Logistik, sprich intelligente Regal- und Lagersysteme sowie Supply Chain Management. Hier passiert zum Beispiel viel im Zusammenhang mit der Blockchain-Technologie, damit Transportströme automatisiert abgewickelt und abgerechnet werden können.

Die Verantwortlichen des Digital Hub Logistics verfolgen in dem einzigartigen digitalen Ökosystem der Logistik einen besonderen Innovationsansatz: das „Start-in-Konzept“. Heißt: Eingebettet in eine Muttergesellschaft und auf der Basis des finanziellen und organisationalen Rückhalts eines großen Unternehmens, entwickeln digitale Teams aus dem Mittelstand im und mit dem Hub neue Produkte und Anwendungen und bauen so neue digitale Geschäftsfelder für ihre Mutterschiffe auf. Das Modell unterscheidet sich somit von Start-ups, die sich neu gründen und ihre Idee an große Unternehmen verkaufen, sie gemeinsam mit diesen Unternehmen vermarkten oder sich als Wettbewerber zu ihnen etablieren.

Mehr als eine Spielwiese für Start-ins

Die „Bewohner“ des Hubs bekommen spezielle Räumlichkeiten in einem Coworking Space zur Verfügung gestellt. Zudem steht den Digitalteams ein Innovations-Coach als Sparringspartner zur Seite. Im Rahmen der sogenannten Start-in-Factory steuert ein Coach den Innovationsprozess als neutraler Experte und vernetzt das Start-in mit den wissenschaftlichen Einrichtungen und Initiativen vor Ort. Außerdem wählt er mit den Teams passende Innovationsbausteine aus. Diese Bausteine sind beispielsweise Produktionseinheiten, die die Teams nutzen können, Testumgebungen oder spezielle Workshops. Ziel ist, das Vorhaben des Start-ins voranzutreiben – von der Inspiration über das Prototyping bis zur Marktreife. Aus den Start-ins und ihren Mutterunternehmen sollen Scale-ups entstehen.

Der Hub ist somit mehr als eine Spielwiese für digitalversessene Logistiker, sondern Unternehmen finden hier Möglichkeiten für die systematische Entwicklung von Innovationen. Die Start-ins können zudem die Versuchshallen und Labore verschiedener Einrichtungen nutzen, unter anderem das Anwendungs- und das Forschungszentrum des Innovationslabors Hybride Dienstleistungen in der Logistik. Hier ermöglichen mehr als 30 Demonstratoren einen Blick in die Zukunft von Intralogistik, Produktionslogistik, Instandhaltung, Transport und Weiterbildung.

Das Beiboote-Konzept wirkt

Jedes Start-in hat eigene Schwerpunkte und verfolgt eigene Projekte: Das Start-in META AND YOU ist die Digitaleinheit des Produktionsunternehmens META-Regalbau. Das Team arbeitet an Innovationen, um den klassischen Regal-Aufbau mit digitalen Leistungen und Technologien zu verbessern. Hierfür sucht sich das Team auch Unterstützung aus der Start-up-Szene. Zu den aktuellen Erfolgen gehört die Zusammenarbeit von META AND YOU mit dem Start-up MotionMiners. Die Partner haben eine gemeinsame Pilotstudie erstellt, auf deren Grundlage die Kommissionierung von Artikeln im Lager deutlich beschleunigt werden soll.

Das Start-in BG.evolution der Beumer Group, die intelligente Lagerhallen und Intralogistik-Systeme für den Weltmarkt entwickelt, tüftelt im Digital Hub Logistics an ergänzenden Produkten für den Konzern. Ziel des Start-ins ist vor allem die Realisierung von Minimal Viable Products (MVP), die gemeinsam mit Pilotkunden erprobt werden. Das Team legt damit den Grundstein für die zunehmende Digitalisierung der Muttergesellschaften.

Das Traditionsunternehmen BEULCO hat ebenfalls eine Digitaleinheit, die im Logistics Hub aktiv ist. Das Team stellt sich der Herausforderung, die digitale Transformation in einem analogen Wirtschaftszweig wie der Trinkwasserversorgung voranzubringen und eine neue Marke aufzubauen.

Symbiose aus bodenständigem Weltmarktführer und quirligem Garagengeist

„Wir sind davon überzeugt, dass das Start-in-Konzept in besonderer Weise dazu geeignet ist, die digitale Transformation von gewachsenen mittelständischen Unternehmen zu beschleunigen. Wir bringen so zwei Welten zusammen: den Mittelstand und das Start-up. Wir fördern eine neue Innovationskultur: das „Einfach mal machen“. Start-ins arbeiten mit einem Start-up-ähnlichen Mindset und wenden typische Vorgehensweisen und Methoden von Start-ups an“, erklärt Maria Beck, Managerin des Digital Logistics Hub in Dortmund.

„Damit dieser Spirit im Hub auch erlebbar wird, arbeiten bei uns aber nicht nur Start-ins, sondern eben auch Start-ups. Aus der räumlichen Nähe haben sich in der Vergangenheit bereits erfolgreiche Kooperationen zwischen Mittelständlern und Start-ups ergeben. Durch den Digital Logistics Award, den wir 2017 erstmals ausgelobt haben, bekommen wir Jahr für Jahr Zulauf von neuen Start-ups aus Logistik und Produktion – und damit neue Ideen und Impulse“, so Maria Beck weiter.

Foto: Thomas Willemsen, Fraunhofer

Logistik-Ökosystem Dortmund

Dortmund ist neben Hamburg der zweite wichtige Standort für Digitale Logistik in Deutschland: Die Stadt ist seit Jahrzehnten einer der wichtigsten Knotenpunkte der Logistikforschung im europäischen Raum. Durch die Vernetzung der Einrichtungen vor Ort und durch neue Formen der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft hat die Forschung am Standort Dortmund in den vergangenen Jahren weiter an Schubkraft gewonnen.

Der Digital Hub Logistics versteht sich als Kern dieses Ökosystems, zu dem unter anderem renommierte Einrichtungen und Initiativen gehören, beispielsweise die Fraunhofer-Institute für Materialfluss und Logistik IML und für Software- und Systemtechnik ISST, die TU Dortmund, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Großforschungsprojekt „Innovationslabor Hybride Dienstleistungen in der Logistik“, das vom Wissenschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen geförderte „Leistungszentrum Logistik und IT“, die Graduate School of Logistics oder „Digital in NRW – Kompetenz für den Mittelstand“ als Informationsstelle für kleine und mittlere Unternehmen. Jede der Initiativen verfolgt einen eigenen thematischen Ansatz, der sich in das Ökosystem einfügt. Der Hub selbst wurde Ende vergangenen Jahres von der Europäischen Kommission als bester Digital Innovation Hub in Europa ausgezeichnet.

Zudem ist Dortmund Teil einer Region, die schon unter Beweis gestellt hat, dass sie Strukturwandel kann. Vor diesem Hintergrund begleitet und berät der Hub Unternehmen bei der digitalen Transformation und beim Aufbau von digitalem Business mit einer ausgeprägten Hands-on- und Machermentalität. Der Erfolg hat sich inzwischen auch über die Logistikbranche hinaus herumgesprochen: Immer mehr Unternehmen aus anderen Wirtschaftszweigen – ob Metallverarbeitende Industrie, Maschinen- und Anlagenbau oder Konsumgüter – informieren sich über die Möglichkeiten im Hub.

Dabei steht der Hub auch in regelmäßigem Austausch mit dem Digital Logistics Hub in Hamburg. Während der Dortmunder Hub jedoch seinen Schwerpunkt auf die Unterstützung von Start-ins legt, setzt der Nord-Hub verstärkt auf Logistik-Start-ups, also Neugründungen mit eigenem Business-Plan und ohne Mutterschiff.

Über die Blogreihe

Die USA haben mit dem Silicon Valley ein großes digitales Zentrum, das alle anderen überstrahlt. Deutschland setzt auf mehre starke Cluster der digitalen Exzellenz, wie die Initiative Digital Hubs Germany vom Digitalverband Bitkom und dem Bundeswirtschaftsministerium zeigt. Wir stellen sie der Reihe nach im Blog Digitale Exzellenz vor.

Teil 1: New Work auf knarrenden Speicherböden (Logistics-Hub in Hamburg)

Teil 2: Gesunde Start-up-Luft schnuppern (Digital-Health-Hub in Nürnberg/Erlangen)

Teil 3: Vom Großatelier-Filmstudio zum globalen MediaTech-Standort (Mediatech-Hub in Potsdam)

Teil 4: K wie Karlsruhe, K wie Künstliche Intelligenz (AI-Hub in Karlsruhe)

Teil 5: Zu Besuch in Europas größtem IoT-Hub (Smart Systems Hub Dresden)

Teil 6: Digital-Reiseland Deutschland: Mit Start-ins zu mehr Innovationen (Digital Hub Logistic Dortmund)

Teil 7: Vom Banken-Viertel zur Fintech-Metropole (Fintech Hub Frankfurt)

Teil 8: Früher Knödel-Labor, heute Insurtech-Brutkasten (Insurtech Hub München und Köln)

Teil 9: Sectechs aus der Wissenschaftsstadt (Cybersecurity Hub Darmstadt)

Teil 10: Vom historischen Buchhandelszentrum zur Smart City (Smart Infrastructure Hub Leipzig)

Quelle Beitragsbild: Peter Sondermann TU Dortmund


Sopra Steria

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