Digital-Reiseland Deutschland: Vom Banken-Viertel zur Fintech-Metropole

Digital Hub Fintech
Sopra Steria
durch

Wer Banker treffen will, fährt nach Frankfurt, wer Fintechs-Gründer treffen will, fährt nach Berlin. Heißt es. Doch das stimmt so nicht mehr. Dadurch, dass Banken immer digitaler werden und die Nähe zu Finanz-Start-ups suchen, gewinnt Mainhatten stark an digitalem Flair. Teil 7 unserer Reise durch die Digitalrepublik Deutschland führt uns daher in die Main-Metropole. Im Digital Hub Fintech treffen Traditionsinstitute auf junge Gründer mit disruptiven Ideen.

„Loco celebri qui dicitur Franconofurd“, taufte Karl der Große einst das Stück Land, auf dem in späteren Jahrhunderten eines der größten Finanzzentren Europas entstehen sollte. Frankfurt ist Banken-Metropole, Sitz der ältesten deutschen Börse, Knotenpunkt für internationale Geld- und Warenströme, Heimat hervorragender Hochschulen wie der Goethe-Universität. Das alles waren Argumente, derentwegen sich die Digital Hub Initiative (De:Hub) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie auf der Suche nach einem Fintech-Hub letztlich für Frankfurt aussprach. „Der führende Finanzplatz des Kontinents muss auch in der hochinnovativen Fintech-Branche die Führungsposition übernehmen“, fasste es der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir bei der Eröffnung des TechQuartier 2016 zusammen.

In unmittelbarer Nähe zum Frankfurter Hauptbahnhof trifft seitdem die klassische Banken- und Finanzwelt auf eine junge Fintech-Szene, die mit disruptiven Technologien und neuartigen Geschäftsmodellen Banken und andere Finanzdienstleister herausfordert. Die Zielsetzung des Digital Hub Fintech ist allerdings nicht das Gegen-, sondern das Miteinander dieser beiden Welten.

Eine Region im Start-up-Modus

Die Gründe dafür liegen nicht zuletzt in der Entstehungsgeschichte des Hubs. Lange Zeit sah es so aus, als müsste sich Frankfurt – seiner Historie zum Trotz – beim Fintech-Thema mit einem Platz auf den hinteren Rängen begnügen. Andere Städte wie Berlin, Hamburg und München genossen mehr Start-up-Ruhm.

Dann machte Al-Wazir das Thema zur Chefsache und brachte die verschiedenen Akteure aus der Start-up- und Finanzwelt sowie der Politik an einen Tisch. In der Folge wurde nicht nur das TechQuartier gegründet, sondern der Metropole auch eine Zukunft als Fintech-Hauptstadt verordnet. Bis 2020 soll die Zahl der Fintechs im Rhein-Main-Gebiet auf 1.000 steigen und Frankfurt zum führenden Fintech-Hub in Kontinentaleuropa werden, wie es der Masterplan der Landesregierung vorsieht.

Hinter dem TechQuartier – der organisatorischen Heimat des Digital Hub Fintech Frankfurt – stehen als Gründungspartner die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen, die Goethe-Universität Frankfurt, die Technische Universität Darmstadt sowie die Stadt Frankfurt. Getragen wird es von verschiedensten Partnern der Finanz-, IT- und Beratungsbranche. Die großen Banken sind mit an Bord, ebenso wie Kreditkartenfirmen, Beratungsgesellschaften und internationale Förderer der Gründer- und Start-up-Szene.

Den Weg zum Erfolg ebnen

„Unsere Rolle im Ökosystem besteht sowohl darin, unternehmerische Ambitionen zu wecken als auch den vielversprechendsten Gründern und schlagkräftigsten Unternehmen den Weg zum Erfolg zu ebnen“, definierte der TechQuartier-Geschäftsführer Sebastian Schäfer die Aufgabe des Hubs. Das TechQuartier bietet jungen Firmen Co-Working-Spaces und Büroräume, pflegt aber vor allem auch vielfältige Kontakte.

Verschiedenartige Kooperationen und Förderungen

Mit der Deutschen Bundesbank kooperiert das TechQuartier inzwischen ebenso wie mit Fraunhofer Venture, dem Hightech-Company-Builder der größten Forschungsorganisation für angewandte Wissenschaften in Europa. Gemeinsam mit dem weltweit größten Start-up-Accelerator Plug & Play hat das TechQuartier zudem das Programm Fintech Europe auf den Weg gebracht. Es holt Start-ups aus der ganzen Welt nach Frankfurt, um sie dort mit etablierten Partnern aus der Finanzbranche zusammenzubringen.

Zur deutschen Hauptstadt der Fintech-Industrie hat es Frankfurt bislang gemessen an der Zahl der Gründungen noch nicht geschafft. Hier gibt weiterhin Berlin den Ton an. Die Stadt an der Spree ist ebenso wie Frankfurt ein Kompetenzstandort der De:Hub-Initiative im Fintech-Bereich. Darüber hinaus meldet Hamburg mit Events wie der Fintech-Week Ambitionen an. Ein Fintech-Städteranking der Comdirect-Bank sieht zudem München weit vorn.

Zudem fällt auf, dass Frankfurt im Vergleich weniger Leuchtturm-Gründungen vorzuweisen hat. Doch die gibt es durchaus: Als erstes Frankfurter Start-up aus dem Finanzbereich schaffte beispielsweise Creditshelf 2018 den Sprung an die Börse. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Vermittlung von Mittelstandsfinanzierungen. Catana Capital wiederum ist ein Vermögensverwalter, der Künstliche Intelligenz zur Steuerung seiner Fonds nutzt. Die zwei Beispiele zeigen. Frankfurts Fintechs fokussieren sich ein wenig auf anspruchsvolle Geschäftsmodelle und weniger auf Bezahl- oder Finanzplanungs-App für Retail-Kunden. Frankfurt zeigt außerdem, dass es beim Fintech-Thema um mehr geht als das reine Zählen von Start-ups – nämlich darum, eine traditionelle Branche in Zeiten digitaler Transformation neu auszurichten. Mit Erfolg. Die Deutsche Börse hat schon früh einen eigenen Fintech Hub an der Main-Metropole ins Leben gerufen, die Deutsche Bank ihre Digital Factory in Frankfurt angesiedelt, die Commerzbank den Main-Inkubator auf den Weg gebracht. Mit „The Spot“ wurde im Fahrwasser des TechQuartiers ein komplettes Fintech-Zentrum eröffnet, in dem Gründer, Investoren und Inkubatoren gleichermaßen ansässig sind. Die Kompetenz von Frankfurt ist unbestritten, der Weg zur Fintech-Metropole längst eingeschlagen.

Über die Blogreihe

Die USA haben mit dem Silicon Valley ein großes digitales Zentrum, das alle anderen überstrahlt. Deutschland setzt auf mehre starke Cluster der digitalen Exzellenz, wie die Initiative Digital Hubs Germany vom Digitalverband Bitkom und dem Bundeswirtschaftsministerium zeigt. Wir stellen sie der Reihe nach im Blog Digitale Exzellenz vor.

Teil 1: New Work auf knarrenden Speicherböden (Logistics-Hub in Hamburg)

Teil 2: Gesunde Start-up-Luft schnuppern (Digital-Health-Hub in Nürnberg/Erlangen)

Teil 3: Vom Großatelier-Filmstudio zum globalen MediaTech-Standort (Mediatech-Hub in Potsdam)

Teil 4: K wie Karlsruhe, K wie Künstliche Intelligenz (AI-Hub in Karlsruhe)

Teil 5: Zu Besuch in Europas größtem IoT-Hub (Smart Systems Hub Dresden)

Teil 6: Digital-Reiseland Deutschland: Mit Start-ins zu mehr Innovationen (Digital Hub Logistic Dortmund)

Teil 7: Vom Banken-Viertel zur Fintech-Metropole (Fintech Hub Frankfurt)

Teil 8: Früher Knödel-Labor, heute Insurtech-Brutkasten (Insurtech Hub München und Köln)

Teil 9: Sectechs aus der Wissenschaftsstadt (Cybersecurity Hub Darmstadt)

Teil 10: Vom historischen Buchhandelszentrum zur Smart City (Smart Infrastructure Hub Leipzig)

Foto: Getty Images/Jorg Greuel


Sopra Steria

Unsere Redaktion betreut den Blog inhaltlich und technisch


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.