Digital-Reiseland Deutschland: Von Stoffen und Gemischen – gute Verbindungen zwischen Branchenriesen und Start-ups

5HT Digital Hub Chemistry Health
Sopra Steria
durch

In der Chemieindustrie tut sich was. Neben der klassischen Nasschemie gibt es immer mehr clevere digitale Lösungen, die die Industrie umkrempeln. Die Pharmaindustrie ist davon ebenso betroffen – und in ganz starkem Maße auch die Gesundheitsbranche, die durch innovative digitale Möglichkeiten fast schon revolutioniert wird. Im Interview erklären 5-HT Digital Hub Chemistry & Health-Geschäftsführer Frank Funke und Strategy & Ecosystem Development Manager Marco R. Majer, wie hier digitale Transformation mit Leben gefüllt wird.

Ihre beiden Fokusbranchen sind schon in Ihrem Namen zu erkennen, nämlich digitale Chemie und digitale Gesundheit. Welche Ziele haben Sie in Ihrem Hub?

F. Funke: Sie haben Recht, unser Name zeigt, dass wir uns auf die Felder Chemie, Pharma und Gesundheit fokussieren, da diese Bereiche sehr viele Überschneidungen haben. Unser Ziel ist es, ein internationales Ökosystem von Start-ups, Investoren und Unternehmen aufzubauen, um digitale Innovation in den Branchen Chemie und Gesundheit voranzutreiben und so die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und marktreifer Lösungen zu beschleunigen. Wir verstehen uns als zentrale Plattform zum Netzwerken, Kooperieren und Co-Entwickeln. Dazu etablieren wir viele Kontakte zu zahlreichen Playern und vernetzen diese sinnvoll.

M. Majer: Unser Name 5-HT steht für 5-Hydroxytryptamin, der biochemischen Bezeichnung für Serotonin, dem allseits bekannten Neurotransmitter, der genau das tut, was der Digital Hub auch macht: kommunizieren und vernetzen.

Quelle: https://www.5-ht.com/#5-ht

Was passiert in Ihrem Hub konkret?

F. Funke: Wir sind seit rund einem Jahr aktiv und haben in der Zeit bereits erfolgreich einige Formate aufgebaut, die die Zusammenarbeit der Chemie- und Gesundheitsindustrie untereinander sowie mit Gründern befeuern. Im Vergleich zu anderen Industrien steht die Chemie-/Pharmaindustrie – immerhin eine der deutschen Schlüsselindustrien – noch am Anfang, wenn es um die Umsetzung digitaler Lösungen geht.

Dafür wollen wir die aufgebauten Formate weiterentwickeln und ausweiten. Diese sind zum einen multilaterale Co-Development-Projekte. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterschiedlicher Unternehmen arbeiten an definierten digitalen Innovationsthemen und werden dabei aktiv von uns begleitet.

Unser Hauptevent für Start-ups ist unser 5-HT X-linker, ein mehrtägiges Start-up Bootcamp, das wir regelmäßig durchführen, zuletzt im Februar 2020. Innerhalb weniger Tage werden nationale und internationale Start-ups individuell gecoacht, damit sie optimal vorbereitet sind, sich am Finaltag in einzelnen Sessions und im Plenum vor Managern etablierter Unternehmen und vor potenziellen Investoren zu präsentieren.

Quelle: https://youtu.be/KTjTbDAeJb4

M. Majer: Zudem ist uns die Einbindung von Universitäten und Hochschulen wichtig. Dafür gibt es das 5-HT Digital-Qualifier-Programm. Studierende bearbeiten hierbei im Rahmen eines Semesters reale Aufgabenstellungen von gestandenen Industrieunternehmen oder Start-ups und werden dabei von Mentoren aus dem Netzwerk unterstützt. Aktuell arbeiten wir mit dem KIT – Karlsruher Institut für Technologie, der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen und mit der Hochschule Fresenius Idstein zusammen.

Darüber hinaus veranstalten wir mehrere kleinere Formate, die relevante Player aus jungen und etablierten Unternehmen aus der Chemie- und Gesundheitsindustrie zusammenbringen. Im gemeinsamen Programm „Insuring Digital Health“ zwischen 5-HT Digital Hub und EIT Health mit Unterstützung der Universität Heidelberg beispielsweise treffen sich digitale Gesundheits-Start-ups und Krankenkassen, um ganz individuell Kooperationsmöglichkeiten zu besprechen.

Wir helfen beispielweise auch beim „Matchmaking“ durch passgenaues Scouting, so dass sich Partner schneller finden.

Darüber hinaus beraten wir Start-ups in unseren Fokussegmenten auch individuell im Rahmen unseres Start-up Coaching-Programms. Hier erhalten Start-ups in unserem Netzwerk Unterstützung in den Bereichen Geschäftsmodell, Go-to-Market, Pitching & Slide Brush-Up, Funding und Digitalisierung.

Warum ist der 5-HT Digital Hub Chemistry & Health in der Metropolregion Rhein-Neckar angesiedelt?

F. Funke: Initialzündung für unsere Gründung war der Digitalgipfel der Bundesregierung in Saarbrücken, in dessen Rahmen die Digital Hub Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ins Leben gerufen wurde. Dadurch reifte in der Metropolregion Rhein-Neckar der Entschluss, sich aufgrund der großen Zahl an etablierten Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus der Chemie, dem Gesundheitsbereich und der Digitalwirtschaft, um einen Digitalen Hub für Chemie & Gesundheit zu bewerben. Das hier gebündelte Know-how spricht dafür, die Digitalisierung von Chemie und Gesundheit von diesem Standort aus für ganz Deutschland und darüber hinaus voranzutreiben.

BASF und SAP als Branchengiganten in den Bereichen Chemie und Digitalisierung/Software sind unsere Gründungsmitglieder und Gesellschafter ebenso wie Hidden Champion Pepperl+Fuchs. Unterstützt werden wir zudem von unseren Sponsoren Merck, Roche, Phoenix Pharma und Schrödinger, die ebenfalls in unserer Region ansässig sind.

Was zeichnet den 5-HT Digital Hub Chemistry & Health besonders aus?

M. Majer: Der Wettlauf um die Vorherrschaft im digitalen Zeitalter wird nicht zwischen Regionen innerhalb Deutschlands entschieden, sondern auf globaler Ebene. Wir sind der festen Überzeugung, dass es einzelne Player im Markt langfristig nicht schaffen. Die Zusammenarbeit der Unternehmen der chemischen Industrie untereinander muss weitergehen. Mittlerweile tun sich einstige Wettbewerber zusammen und kollaborieren in Teilbereichen, um sich langfristig die Marktstellung zu sichern. Wer hätte das vor einigen Jahren noch für möglich gehalten?

Plattformen und Initiativen sind nur dann erfolgreich, wenn man es schafft, verschiedene und passende Akteure zusammenzubringen. Daher ist das Ziel des Digital Hubs, die deutsche Chemie- und Gesundheitsindustrie gegenüber der globalen Start-up-Welt zu repräsentieren.

F. Funke: Eine unserer Stärken ist es, dass wir sowohl die Welt der Industrie als auch die der Start-ups kennen. Das ermöglicht es uns die Bedarfe beider Seiten zu verstehen und passende Partner für mögliche Zusammenarbeit zusammenzubringen. Durch unser starkes Industrienetzwerk erhöht sich natürlich auch die Attraktivität für Start-ups. Der Digital Hub ist somit der exzellente Nährboden für digitale Innovationen in der chemischen Industrie: einerseits durch die Unterstützung der Bundesregierung und andererseits durch die enge Verzahnung mit führenden Chemieunternehmen.

Bei allen unseren Formaten und Tätigkeiten ist es uns wichtig, dass im Ergebnis praktische Kooperationen zwischen Start-ups und etablierten Playern herauskommen, die inhaltlich zielgerichtet und auf eine längerfristige Zusammenarbeit ausgelegt sind.

Was haben Sie bereits erreicht?

F. Funke: Wir sind sehr stolz darauf, dass wir es in relativ kurzer Zeit geschafft haben, eine stetig steigende Zahl an Start-ups in unserem Netzwerk aufzunehmen – aktuell sind dies über 80 Start-ups – wovon wir schon etliche erfolgreich an andere Unternehmen vermittelt haben. Bislang haben wir bereits mehr als 20 Verknüpfungen initiiert, die zum Teil schon in konkrete Projekte und Aufträge gemündet sind. Dies soll selbstverständlich verstärkt weitergeführt werden. Auch wollen wir neue Formate auflegen und etablieren.

Über die Blogreihe

Die USA haben mit dem Silicon Valley ein großes digitales Zentrum, das alle anderen überstrahlt. Deutschland setzt auf mehre starke Cluster der digitalen Exzellenz, wie die Initiative Digital Hubs Germany vom Digitalverband Bitkom und dem Bundeswirtschaftsministerium zeigt. Wir stellen sie der Reihe nach im Blog Digitale Exzellenz vor.

Teil 1: New Work auf knarrenden Speicherböden (Logistics-Hub in Hamburg)

Teil 2: Gesunde Start-up-Luft schnuppern (Digital-Health-Hub in Nürnberg/Erlangen)

Teil 3: Vom Großatelier-Filmstudio zum globalen MediaTech-Standort (Mediatech-Hub in Potsdam)

Teil 4: K wie Karlsruhe, K wie Künstliche Intelligenz (AI-Hub in Karlsruhe)

Teil 5: Zu Besuch in Europas größtem IoT-Hub (Smart Systems Hub Dresden)

Teil 6: Digital-Reiseland Deutschland: Mit Start-ins zu mehr Innovationen (Digital Hub Logistic Dortmund)

Teil 7: Vom Banken-Viertel zur Fintech-Metropole (Fintech Hub Frankfurt)

Teil 8: früher Knödel-Labor, heute Insurtech-Brutkasten (Insurtech Hub München und Köln)

Teil 9: Sectechs aus der Wissenschaftsstadt (Cybersecurity Hub Darmstadt)

Teil 10: Vom historischen Buchhandelszentrum zur Smart City (Smart Infrastructure Hub Leipzig)

Teil 11: Gute Verbindungen zwischen Branchenriesen und Start-ups (Digital Hub Chemistry & Health)


Sopra Steria

Unsere Redaktion betreut den Blog inhaltlich und technisch


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