Quantencomputer: Wie sich Unternehmen auf die Technologie vorbereiten können

Quantencomputer: Wie sich Unternehmen auf die Technologie vorbereiten können

Der Einsatz von Quantencomputer scheint weit weg. Bis zur Praxistauglichkeit ist noch einiges an Forschung nötig, damit Unternehmen das Potenzial ausschöpfen. Dennoch lohnt es sich für Manager und F&E-Teams, sich mit der Technologie zu beschäftigen. Hier einige Informationen für Unternehmen, die QC-technisch am Ball bleiben wollen.

Leistungsfähige Quantencomputer können in den kommenden Jahren durchaus Realität werden. Es gibt Staaten und Unternehmen, die sich bereits intensiv mit der Materie befassen. Sie wollen wissen, wie die künftigen Rechner „ticken“, und wie sie die Geschäftsmodelle, Organisation und derzeit eingesetzten IT-Systeme beeinflussen. Unternehmen, die sukzessive Kompetenz aufbauen möchten, können sich so am besten vorbereiten:

Check your news feed

Vorreiter-Unternehmen recherchieren und lesen die relevanten Quellen und halten sich so auf dem Laufenden über den Stand der Entwicklung. In letzter Zeit wurden neue Erfolge zu Quantencomputern im Dauertakt vermeldet. Deshalb ist es sinnvoll, die Nachrichtenlage regelmäßig zu checken, verschiedenen Foren zu scannen und sich das Thema im Newsreader zu abonnieren. Es ist ein ziemlich einfacher Tipp, aber wichtig.

Wichtig ist auch, nicht alles für bare Münze zu nehmen. Viele News sind nicht fundiert und verzerren den Erfolg des Rechners. So zum Beispiel die Meldung, dass es Wissenschaftlern gelungen ist, mithilfe von Quantencomputern die Zeit umzukehren, was fachlich gesehen nicht der Fall war.

Quellen, die regelmäßig über Quantencomputer berichten:

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First-Mover investieren vor allem in die Forschung und Entwicklung von Quantencomputern, um Expertise auf dem Gebiet aufzubauen. Für den Aufbau von Know-how ist es dabei unerlässlich, sich nicht nur auf eine Perspektive zu beschränken: Der Quantencomputer basiert auf der Quantenphysik (mit ihren technologischen Ausprägungen), der Mathematik (für das vom Quantencomputer zu lösende Problem) und der Informatik (zur Anwendung der Technologie). Es braucht somit einen Mix aus verschiedenen Experten, um den komplexen Rechner mit all seinen Perspektiven zu verstehen.

Kaum ein Unternehmen wird sämtliche Expertise und Kompetenz inhouse entwickeln, allein schon aus finanziellen und zeitlichen Gründen. Deswegen ist es sinnvoll, sich ein externes Netzwerk rund um die Technologie aufzubauen – mit Universitäten, Think Tanks, Technologieanbietern und anderen Unternehmen, die sich mit dem Thema ebenfalls beschäftigen. Unternehmen sollten zudem Kooperationen für erste kleine, spezialisierte Projekte eingehen, damit sie nicht nur im Elfenbeinturm theoretisch experimentieren.

Liste mit Instituten, die zu Quantencomputern forschen (Auszug):

https://quantumcomputingreport.com/players/universities/

Präsenz zeigen in der Quantencomputerszene ist ebenfalls ein probates Mittel für den Kompetenzaufbau. Mit der Teilnahme an den Konferenzen gewinnt man die passenden Kontakte zu Partnern und potenziellen Mitarbeitern. Zwei Top-Konferenzen zu Quantencomputer-Themen sind die DIGICON sowie das spezialisierte Event Qiskit Camp. Als das größte Netzwerk zählt das IBM Q Network.

„Don’t just learn, experience“

Testen hilft Unternehmen, eine bessere Vorstellung von der Quantencomputerpraxis zu bekommen. Es gibt bereits viele Möglichkeiten, wie Unternehmen das Potenzial der Quantencomputer ausloten können. Zahlreiche Programmiersprachen und Entwicklungsumgebungen werden angeboten, damit Anwendungen für Quantencomputer simuliert werden können. Dazu gehört beispielsweise das Quantum Development Kit von Microsoft und das quelloffene Framework Qiskit von IBM. Gleichzeitig lassen sich Ergebnisse bereits real mit öffentlich verfügbaren Cloud-Quantencomputern testen, etwa mit einer Version von D-Wave Systems.

Rather recycle than rebuild

Unternehmen, die sich frühzeitig an neue Technologien heranwagen, werden mit diesen Instrumenten ein Basisgerüst an Kompetenzen aufbauen und eine gewisse Quantum Computing Readiness erreichen, sobald die ersten Rechner an Marktreife gewonnen haben. Sie werden besser abschätzen können, wie sich die Technologie im eigenen Unternehmen auszahlen kann und welche Szenarien ungeeignet sind.

Immer auf dem neusten Stand zu bleiben, ist essentiell. Das gilt für alle Technologien, die ein Unternehmen als relevant einstuft und auf dem Radar hat. Ein systematisches Vorgehen mit wiederverwendbaren Mechanismen vermeidet angesichts der Fortschrittsgeschwindigkeit Zeitverluste und Fehlinvestitionen. Wer weiß, was nach den Quantencomputern noch alles kommt.

Teil 1 der Blogreihe: Quantencomputer jetzt auf dem Technologieradar haben.
Teil 2 der Blogreihe: Quantencomputer vom physikalischen Traum in die Realität
Teil 3 der Blogreihe: Der Quantencomputer – das nächste Wirtschaftswunder?
Teil 4 der Blogreihe: Bank 5.0 – dank Quantencomputer bald Realität?
Teil 5 der Blogreihe: Quantencomputer: Diese Länder und Firmen ringen um die Vorreiterrolle

Vielen Dank an Marc Sommer, der diese Blogserie als Co-Autor ermöglicht hat.


Matthias Frerichs

Matthias Frerichs ist Leiter der Unit Digital Banking bei Sopra Steria Consulting. Seine Beratungsschwerpunkte sind die Themen Digitalisierung und IT-Architekturen. Der Diplom-Wirtschaftsinformatiker besitzt mehr als 15 Jahre Berufserfahrung im IT- und Finanzumfeld.


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