Technologieradar – Die richtige digitale Neuheit auf dem Schirm haben

Technologieradar
Sascha Meyke
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Eine digitale Neuheit bedeutet nicht automatisch wirtschaftlicher Erfolg. Viele Innovationen kommen und gehen immer schneller. Einige halten sich und schaffen den Durchbruch, andere verabschieden sich schnell wieder von der digitalen Bühne – weil sie die Erwartungshaltung nicht erfüllten, die Marktreife fehlte, oder weil das passende Zeitfenster verpasst wurde. Entscheidend für Unternehmen ist zu erkennen, wann und auf welchen Innovationszug es sich lohnt, aufzuspringen. Andernfalls wird beispielsweise die digitale Transformation schnell zur Lotterie oder zum Investitionsgrab.

Man erinnere sich nur an Video 2000, das Konkurrenzsystem zum VHS-Format und Vorläufer der DVD, das sich nicht durchsetzen konnte. Gleiches gilt für die weltweit erste Videospielkonsole „Dreamcast“ von Segar mit integriertem Internetzugang, die 1999 unter dem Credo „Always on“ erschien. Das Konzept der Konsole galt seinerzeit als innovativ bis hin zu revolutionär und floppte dennoch.

Das richtige Technologieverständnis und die Veränderung des Marktes

So ein Misserfolg kann mannigfaltige Gründe haben: Die Technologie ist beispielsweise innovativ, aber (noch) nicht marktfähig. Oder: Die Konkurrenz hatte das bessere Timing beim Markteinstieg und agierte womöglich zielführender in Vertrieb und Marketing.

Das Paradebeispiel ist Nokia: Am Anfang des Jahrtausends noch Marktführer, endete das Unternehmen mit dem Verkauf an Microsoft. Ähnlich erging es Kamerahersteller Kodak. Wettbewerber Leica erlebte hingegen einen „Ritt auf der Rasierklinge“: Man erkannte den Digitalisierungstrend sehr spät, investierte dann aber klug und schaffte es, von der Fast-Pleite zum Rekord-Umsatz.

Die Beispiele zeigen, dass es für Unternehmen nicht nur immens wichtig ist, auf dem Laufenden zu sein, welche Technologien gerade und künftig den eigenen Markt verändern können. Es kommt auch darauf an zu wissen, wann der passende Zeitpunkt ist, selbst in Innovationen und neue Technologien zu investieren.

Der technologische Hype-Cycle und die Bewertung der Marktreife

Die Bewertung neuer Technologien und Innovationen ist nicht trivial. Die Krux ist, den Überblick zu behalten, keine disruptive Veränderung zu verpassen und ihre Marktreife richtig einzuschätzen. Das wohl bekannteste Hilfsmittel ist der Hype Cycle for Emerging Technologies vom Marktforschungsunternehmen Gartner. Es zeigt jährlich, welche Technologien in den kommenden Jahren wegweisend sein können, und welche ihre beste Zeit hinter sich haben, um etwas Licht in den Dschungel der Technologielandschaft zu bringen.

Quantencomputer sind demnach noch ein überwiegend theoretisches Konzept. Beim Thema Blockchain wird dagegen viel über die Praxistauglichkeit und erste Prototypen diskutiert. Bereits im Abwärtstendenz befindet sich das selbstfahrende Auto. Da das Thema aber mittlerweile von vielen Autoherstellern ernst genommen wird, kann man erwarten, dass es die Technologie bis zur Massenfertigung schaffen wird. Zu den Technologien, die ihre Marktreife erreicht oder sich gerade am Markt etablieren zählt beispielsweise das Thema virtuelle Realität.

Technologieradar als Deep Hype-Cycle

Das Konzept des Hype-Cycle lässt sich weiter systematisieren, um sich noch tiefer und genauer mit den richtigen Technologien und Innovationen zum richtigen Zeitpunkt zu beschäftigen. So können Unternehmen das Potential der Neuheiten für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Produkte noch stärker ausloten, ebenso wie neue Interaktionsmöglichkeiten mit dem Kunden.

Die 5 Hauptkriterien bei der Bewertung von Digitalisierungstrends sind:

  • der technologische Reifegrad hinsichtlich Anwendbarkeit am Markt
  • der zu erwartende Kundennutzen aus Unternehmens- und Anwendersicht
  • das Potential der entsprechenden Technologien für die Zukunft
  • Vorgaben aus dem Geschäftsmodell oder regulatorische Vorgaben
  • die Erfahrungen und Zieltechnologien aus Digitalisierungsprojekten

Beim Einstufen von Technologien, um deren Marktreifegrad zu bestimmen, kann man sich behelfen, indem man sie einem Reifegradstadium zuordnet. Die Stadien lassen sich unterteilen in Technologien, die potentiell auf der Basis von Grundlagenforschung möglich erscheinen und in solche mit anwendungsorientierter Forschung.

Darüber hinaus können sie in Technologien geclustert werden, für die bereits Prototypen existieren oder möglich sind, bis hin zu Technologien, die es schon in den Markt geschafft oder sich dort etabliert haben.

Sämtliche gesammelte Erkenntnisse lassen sich mit potentiellen und realen Anwendungsgebieten kombinieren und optisch veranschaulichen. Das Ergebnis ist ein so genannter Technologieradar.

Technologieradar

Unternehmen erhalten so ein Früherkennungssystem, mit dem sich nach Bedarf auch branchenbezogene Sichtweisen ableiten können. Zudem ist es möglich, durch regelmäßige Analysen besonders vielversprechende Technologien aufzuspüren und daraus Prototypen für neue digitale Produkte zu entwickeln. Das spart Entwicklungskosten und das Risiko sinkt, aufs falsche Technologiepferd zu setzen.

Wer tiefer in die systematische Früherkennung und Analyse digitaler Trends einsteigen will, spricht uns gerne an.

Foto: Getty Images/Talaj


Sascha Meyke

Sascha Meyke ist Experte für IT-Architekturen und Digitalisierung bei Sopra Steria Consulting. Er ist Consulting Manager in der Unit Digital Banking und verantwortet dort den Auf- und Ausbau des Leistungsangebotes „Technology Consulting“.


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