„Grüne“ Blockchains braucht die Energiewende

Blockchain als Retter der Energiewende

Die Blockchain-Technologie leidet unter dem schlechtem Image als Energiefresser – ausgelöst durch die äußerst energiehungrige Kryptowährung Bitcoin. Derzeit etablieren sich ökologisch verträglichere, grünere Lösungen. Blockchains können sogar helfen, die Energiewende voranzubringen.

Kurs rauf, Kurs runter: Wenn sich Tesla-Chef Elon Musk zum Bitcoin äußert, geraten die Krypto-Börsen in heftige Turbulenzen. Besonders eine seiner Aussagen hat in den vergangenen Wochen den Kurs in den Keller rauschen lassen: Musk hatte mitgeteilt, Tesla werde die Bezahlungen seiner Fahrzeuge per Bitcoin nicht mehr länger zulassen. Grund sei der hohe Verbrauch von Energie – genauer gesagt: von fossiler Energie.

Das energieintensive Mining der Kryptowährungen löst immer wieder Diskussionen aus und bringt so die gesamte Technologie dahinter in Verruf. Beim Mining wird die Rechenleistung eines Computers genutzt, um in einem speziellen Verfahren neue Blöcke zu erzeugen, die der Blockchain hinzugefügt werden – und mit denen sich im Falle der Währungen neue Coins ausgeben lassen.  Forscher der University of Cambridge haben den Cambridge Bitcoin Electriciy Consumption Index dafür entwickelt, der den geschätzten Stromverbrauch der berühmtesten Kryptowährung der Welt aufzeigt. Er soll bei etwa 116 Terawattstunden im Jahr liegen und wäre damit höher als zum Beispiel der Gesamtstromverbrauch der Niederlande.

Quelle: https://cbeci.org

Energiehungriger Konsensmechanismus

Der Energiebedarf ist bei transaktionsintensiven Kryptowährungen besonders groß. Doch Energie ist auch für die Blockchain-Technologie insgesamt ein relevantes Thema. Dafür sorgt ein fest integrierter Bestandteil vieler Blockchain-Varianten, der bei vielen Anwendungsfällen abseits der Kryptowährungen zum Tragen kommt. Gemeint ist Proof of Work (PoW) – ein Konsensmechanismus, der in der dezentral organisierten Datenwelt der Blockchain eine Vertrauensinstanz schafft.

Diese Konsensmechanismen kommen beispielsweise bei der Ausführung von Smart Contracts zum Tragen. Kritikpunkt an Proof of Work ist der hohe Energieverbrauch, der sich mit der steigenden Anzahl Miner und hochperformanten und energiehungrigen Computer immer weiter erhöht.

Zur Bewertung von Blockchain gehört allerdings auch, dass der Energieverbrauch bei vielen Business-Blockchain-Anwendungen, sofern sie nicht auf energieintensive Konsensmechanismen wie z.B. PoW basieren, der Energieverbrauch gar nicht ins Gewicht fällt. Ein mögliches Beispiel für ein Konsensmechanismus ist hier PBFT, das vom bekannten Hyperledger Fabric-Framework verwendet wird. Bei den Kryptowährungen will Etherum auf den Proof-of-Stake-Algorithmus wechseln. Viele Unternehmen begrenzen den Use Case auf einen engen und autorisierten Nutzerkreis (Consortium Blockchain). Ein reduzierter Nutzerkreis, in der die Parteien nicht anonym unterwegs sind und ein geeigneter Konsensmechanismus sorgen dafür, dass das Thema „Energie“ beim Einsatz der Blockchain-Technologie nicht mehr ins Gewicht fällt. Bei Nutzung solcher Business-Blockchains müssen sich Unternehmen somit kaum Sorgen machen, dass sie ihre CSR-Ziele nicht erreichen oder von „Fridays for Future“ gerügt werden.

Die Blockchain befördert die Energiewende

Dennoch lohnt es sich, sich mit Alternativen zu befassen. Die gibt es, und sie bekommen Oberwasser, seitdem der Druck der Öffentlichkeit steigt, beim Geschäfte machen auch Umwelt und Ressourcen zu schonen. Bei der gesamten Energiedebatte rund um die Blockchain darf zudem nicht vergessen werden, dass die Technologie nicht nur Strom frisst, sondern auch den Weg ebnet, Energie einzusparen und auf fossilen Energien zu verzichten.

In Australien hat das Unternehmen Power Ledger beispielsweise eine Lösung entwickelt, durch die Hausbewohner in der Lage sind, überflüssig produzierten Strom der eigenen Photovoltaikanlagen untereinander zu handeln. Erstmals in der australischen Kleinstadt Busselton erprobt, kommt die Technologie auf Basis einer Blockchain inzwischen in mehreren Ländern zum Einsatz. Das System ermöglicht den direkten Handel ohne „men in the middle“, also die Stromanbieter. Auch die Zertifizierung von Ökostrom lässt sich über die Blockchain leichter gestalten, daher arbeitet beispielsweise die Organisation SunSpec an einer entsprechenden Standardisierung von Protokollen im Photovoltaikmarkt, um den Austausch von Anlagen, Speichern und Netzen zu verbessern.

Derartige Anwendungen werden auch in Deutschland seit Jahren gedacht und erprobt – siehe unsere Blogparade Blockchain von 2016. Blockchain-Lösungen können Unternehmen und Gesellschaft zudem beim wichtigen Thema Lieferketten-Compliance gute Dienste leisten und beim Erreichen von Klimazielen helfen. Axel Fräßdorf hat das für die Industrie schon einmal vorgedacht.

Nachhaltigkeit ist der neue Maßstab für digitale Exzellenz

In jede Blockchain-Ökobilanz sollte somit auch der positive Beitrag zum Erreichen von mehr Nachhaltigkeit hineingerechnet werden. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Blockchain-Anwendungen perspektivisch mehr zur Lösung der weltweiten Energieprobleme beitragen, als dass sie selbst ein Teil des Problems sind.

Voraussetzung ist, dass sich Anwender-Unternehmen vom negativen Ökoimage der Blockchain-Technologie nicht entmutigen lassen. Wenn sie weiter an den Nutzen glauben und investieren, werden auch „grüne“ Blockchains entwickelt. Zudem ist die Blockchain-Community gefordert, Umweltfaktoren bei der Weiterentwicklung künftig noch stärker zu berücksichtigen. Mein persönliches Learning, die für alle digitale Technologien künftig gilt: Digitale exzellente Lösungen müssen sich nicht nur an der Nutzerfreundlichkeit und Sicherheit messen lassen, sondern ab jetzt zusätzlich an der Nachhaltigkeit.


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Bild: Getty Images / baranozdemir


Mustafa Cavus

Mustafa Cavus ist IT-Architekt bei Sopra Steria. Der studierte Informatiker hat sich auf die Themen Big Data und Blockchain spezialisiert.


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