E-Government: Technologien, an denen niemand vorbeikommt

E-Government

E-Government ist seit mehr als 15 Jahren zentrale Regierungsaufgabe in Deutschland. Noch ist das digitale Angebot in Behörden lückenhaft. Die CIOs in den Verwaltungen stehen weiterhin unter enormen Druck, zeigt unsere Studie Branchenkompass Public Services 2016. Das Ziel bei Bund, Ländern und Kommunen lautet auch in den kommenden Jahren: mehr Bürgerservice mit weniger Mitteln – und zwar durch Digitalisierung. Gartner hat zehn Punkte ausgemacht, die in keiner E-Government-Strategie fehlen sollten.

1) Digitaler Arbeitsplatz

Wer digitale Leistungen erbringen soll, braucht ein digitales Umfeld zum Arbeiten. Dazu zählt eine moderne IT-Ausstattung und aus dem privaten Umfeld gewohnte Kommunikationswege wie Smartphones und interne soziale Netzwerke. Der Umbau zu einem Digital Workplace fördert das Engagement, das Denken in digitalen Dimensionen sowie die Zusammenarbeit der Verwaltungsmitarbeiter.

2) Omnichannel-Bürgerservice

Was Banken und Versicherungen in puncto Omnikanal-Management umtreibt, gilt auch für die öffentlichen Verwaltungen: Sie benötigen kanalübergreifende Prozesse. Dienstleistungen für die Bürger sollten nicht nur über alle Kommunikationswege zur Verfügung stehen. Darüber hinaus sollen Kunden entscheiden dürfen, den Kanal zu wechseln, ohne dass sie von vorne beginnen müssen.

3) Open Data

Frei zugängliche Daten der öffentlichen Hand sollte der Standard sein – ohne Registrierung oder den Umweg über eine offizielle Anfrage. Eine Klassifizierung ist in der idealen E-Government-Welt die Ausnahme. Im Idealfall lassen sich Open Data über eine API-Schnittstelle auslesen und digital weiterverarbeiten. Bürger und Unternehmen können die Informationen ohne großen Aufwand weiterverarbeiten.

4) eID

Zu einer durchgängig digitalen Dienstleistung gehört, dass sich Bürger digital ausweisen und ihre Unterschrift digital leisten. Nur das flächendeckende Angebot, Transaktionen über die elektronische Ausweisfunktion (eID) durchzuführen, macht E-Government richtig effektiv. Das persönliche Erscheinen in einer Behörde, nur um sich auszuweisen, belastet den Bürger und die Haushalte der Verwaltungen.

5) Analytics und Erfolgskontrolle

Öffentliche Verwaltungen sind genau wie private Unternehmen darauf angewiesen, notwendige Informationen für die Entscheidung aus Daten zu generieren. Die Mehrheit nutzt Business Intelligence, Big Data und vorausschauende Analysen. Zu kurz kommt noch die Erfolgsanalyse im E-Government: Sieben Prozent der Behörden messen, ob sie ihre Ziele zum Thema Digitalisierung hinreichend erreicht haben.

6) Robo-Government

Intelligente Maschinen, gemeint ist der Gesamtmix an digitaler Technologie, nehmen dem Menschen immer mehr Arbeit ab. Industrie 4.0 in der Fertigung, Robo-Advice bei Banken und Medizinroboter im Gesundheitsektor sind aktuelle Beispiele. IT-Führungskräfte der Verwaltungen müssen sich mit intelligenten Maschinen beschäftigen und prüfen, wie digitale Helfer die Verwaltungsarbeit erleichtern oder für neue E-Government-Leistungen eingesetzt werden können.

7) Internet of Things (IoT)

Die Anbindung physischer Gegenstände an das Internet – genannt Internet of Things (IoT) – ist auch für die öffentliche Verwaltung interessant und nützlich. Beispiel Sicherheit: In Gebäuden, Straßen und Brücken installierte Sensoren können drohende und akute Gefahren erkennen und Einsatzkräfte online informieren. Darüber hinaus liefern vernetzte Objekte im öffentlichen Raum eine große Menge Daten und damit Zusammenhänge, die zu genaueren Prognosen und besseren Entscheidungen führen. Fraunhofer hat dazu ein Whitepaper „Public IoT – Das Internet der Dinge im öffentlichen Raum“ erstellt.

8) Digitale Plattformen

Die Basis für besseren Bürger-Service bei geringeren Kosten liefert der Ansatz über digitale Plattformen. Sie enthalten zahlreiche Komponenten und Prozesse für ein funktionierendes E-Government, vom Identitätsmanagement über SMS- und E-Mail-Benachrichtigungen bis zum Bezahlen (Checkout). Der Vorteil: Die Dienste lassen sich mit geringem Aufwand wiederverwenden. Verwaltungen brauchen beim Entwickeln neuer Online-Leistungen nicht bei Null anfangen.

9) Software-defined Architecture

Effektives und effizientes E-Government bedeutet, dass Verwaltungen neue Dienste zuschalten und bestehende anpassen können, ohne den Gesamtbetrieb zu stören und die IT-Architektur in Gänze anzufassen. Software-defined Architecture (SDA) oder Software-defined Network (SDN) sind bewährte Ansätze dafür. Netzwerke werden virtualisiert, so dass die IT-Seite im laufenden Betrieb und damit deutlich schneller Veränderungen vornehmen kann. Laut Gartner haben Verwaltungen bereits begonnen, auf SDA umzustellen. Die Mehrheit arbeitet allerdings noch mit einem klassischen Data Center.

10) Risikobasierte Sicherheitsstrategie

Das Thema IT-Sicherheit drängt in der öffentlichen Verwaltung deutlich in den Fokus, je mehr sich Verwaltungen mit E-Government beschäftigen. Das neue digitale Ökosystem muss vor Cyberkriminalität geschützt werden. Doch auch auf diesem Gebiet gilt das Effizienzgebot. Verwaltungs-CIOs sind besonders gefordert, Schutzmaßnahmen nach dem tatsächlichen Risiko zu dosieren. Derartige risikobasierte Sicherheitsstrategien sind weiter im Kommen.

Foto: Getty Images / volk65

 


Thomas Walsch

Thomas Walsch leitet die Unit Digital Government Solutions bei Sopra Steria Consulting. Er unterstützt Kunden im öffentlichen Sektor bei der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse. Schwerpunktthemen sind die Einführung von Business-Prozess-Management-Systemen wie der elektronischen Akte sowie die übergreifende Planung zukunftsfähiger IT-Landschaften.


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