Resilienz dank Kosteneffizienz

Resilienz dank Kosteneffizienz

In der Corona-Krise steigen die Schulden und sinken die Eigenkapitalquoten vieler Unternehmen. Kosteneffizienz ist daher gefragt und spielt als Wettbewerbsvorteil in Zukunft eine noch größere Rolle. Die Digitalisierung liefert die dafür notwendigen Instrumente.   

Durch die Corona-Pandemie gerät die deutsche Wirtschaft gerade in extrem schwieriges Fahrwasser. Medien  sprechen von der schwersten Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik. Mit Milliarden-Ausgaben kämpfen Regierung und Unternehmen dagegen an, der Schuldenberg wächst – auch global. 272 Billionen Dollar wird er Ende des Jahres nach Berechnung des Institute of International Finance (IIF) betragen. Das IIF stützt sich bei seinen Analysen auf die Daten von mehr als 300 Banken, die ihm angehören. Allein bei den Unternehmen dürfte die Verschuldung in diesem Jahr um zwölf Prozent zulegen. Auch hierzulande wird die finanzielle Decke dünner. Durch den Einbruch beim Wirtschaftswachstum hat sich obendrein die wichtige Kennziffer der Schulden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung verschlechtert.

Daher rückt das Thema der effizienten Kostenstrukturen bei vielen Unternehmen in den kommenden Monaten verstärkt in den Vordergrund. Das zeigt auch unsere Befragung „What’s your Edge? Wettbewerbsvorteile im Entscheider-Check“. Erkennt derzeit nicht einmal jeder fünfte Entscheider in der effizienten Kostenstruktur einen Wettbewerbsvorteil, sieht es beim Blick auf die kommenden drei bis fünf Jahre doch schon anders aus. Für die Zukunft verortet nämlich schon mehr als jeder Vierte darin einen Wettbewerbsvorteil. Und meine Prognose lautet: Der Anteil wird sich in den kommenden Wochen noch deutlich erhöhen. Auch schon vor der Krise wuchsen die Schulden der Unternehmen. Doch da legten die Firmen auch noch beim Eigenkapital zu. Bereits im Sommer dieses Jahres gingen in einer Umfrage der KfW jedoch 29 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen von einer sinkenden Eigenkapitalquote infolge der Pandemie aus.

Digitale Instrumente für mehr Transparenz, Effizienz, Resilienz

Investitionen in die Digitalisierung sind in einer solchen Situation kein Widerspruch, sondern ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu mehr Resilienz – und der führt über die beiden Zwischenstufen Transparenz und Effizienz. Mit z.B. Process Mining lassen sich Datenspuren verfolgen und potenzielle Ineffizienzen aufspüren (Transparenz). Eine Kombination mit RPA-Lösungen ermöglicht die Automatisierung von Prozessen (Effizienz). Künstliche Intelligenz bzw. Machine Learning ermöglichen ein permanentes Monitoring des laufenden Geschäfts, und Prozesse lassen sich dynamisch an die jeweiligen Gegebenheiten anpassen. Damit verstetigen Unternehmen ihren Optimierungsprozess und sind bei künftigen Krisen widerstandsfähiger (Resilienz).

Cloud Computing hilft wiederum dabei, die Betriebskosten der IT-Infrastruktur generell zu senken, zumal die bedarfsgerechte Skalierbarkeit von Cloud-Lösungen in beide Richtungen funktioniert – nach oben wie auch nach unten. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten bekommen Unternehmen so einen mächtigen Hebel an die Hand, um die Betriebskosten auch kurzfristig den aktuellen Umsätzen entsprechend anzupassen.

Digitalisierung hält somit allerhand Werkzeuge bereit, die Kostenstrukturen eines Unternehmens zu verbessern. Obendrein schafft sie neue margenstarke Umsatzmöglichkeiten, beispielsweise über digitale Services, die sich dann positiv auf die andere Seite der GuV auswirken.

Mit zusätzlicher Beinfreiheit in die Zukunft

Manch einer könnte sich noch fragen, wieso Prozesse auf Effizienz trimmen und nicht einfach das Ende der Krise abwarten. Die Antwort: Als weiteren Wettbewerbsvorteil der Zukunft haben die Unternehmensentscheider die Innovationsfähigkeit ausgemacht. Doch innovativ und innovativer als der Wettbewerb sind die Unternehmen mit entsprechender finanzieller Beinfreiheit. Effizienz ist die Voraussetzung für Innovationen und nicht ihr Antagonist. Effizienz bedeutet, dass ich meine bestehenden Ressourcen optimal einsetze. Alles andere ist Verschwendung.

Foto: Getty Images / IvelinRadkov


Kristijan Steinberg

Kristijan (Kris) Steinberg ist Head of Strategy Consulting bei Sopra Steria Next für das Marktsegment Industries. Er verantwortet strategische Digitalisierungsmandate und berät Unternehmensführer in der DACH-Region.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.