Bescherung im Live-Stream: Wenn Weihnachten digital stattfindet

Bescherung im Live-Stream: Wenn Weihnachten digital stattfindet

Weihnachten findet in diesem Jahr anders statt. Sehr viel anders. Mit vielerlei Einschränkungen und auf Distanz. Klar ist: Es wird für einige, wenn nicht für viele ein deutlich digitaleres Fest. Denn neue Technologien und engagierte Menschen helfen uns dabei, Nähe zu erfahren – auch aus der Ferne.

Um es vorab zu sagen: Dieser Duft, der Weihnachten so einzigartig macht, von Nelken und Zimt, von gebrannten Mandeln, frisch gebackenen Plätzchen und Tannenzweigen – er lässt sich nicht ersetzen. Ebenso wenig wie die Nähe zu unseren Liebsten.

Doch angesichts der Corona-Pandemie und der Gefahr, die von Familienfeiern in diesem Jahr ausgehen kann, stellt sich für viele von uns doch unweigerlich die Frage: Was, wenn Weihnachten digital stattfinden muss? Als smarter Herd, der bei der Zubereitung des Festtagessens hilft, oder als neuartiges Spielzeug für die Kinder (sowie wahlweise die gesamte begeisterte Verwandtschaft) war innovative Technologie schon in den vergangenen Jahren beim Fest zugegen. Doch in diesem Jahr könnte sie den entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass wir Gemeinschaft mit Abstand und Nähe auf Distanz erleben können.

Digitale Projekte gegen die analoge Einsamkeit – nicht nur an Weihnachten

Streaming- und Video-Dienste wie Zoom, Skype, Whatsapp oder Facetime haben sich in diesem Jahr als großartige Helfer erwiesen, trotz Distanz schöne Momente mit Familie und Freunden zu teilen und sich dabei nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen und Aktion zu erleben. Älteren Menschen fehlt es oft allerdings an Erfahrung beim Umgang mit solchen Online-Tools und Smartphones. Hier setzt der Verein „Wege aus der Einsamkeit“ mit seinem Versilberer-Programm an, das nicht nur Kompetenz vermittelt, sondern auch für neue Bekanntschaften sorgt – so laden sich die Versilberer rund um das Fest auch gegenseitig zu digitalen Feiern ein und verbringen den Nachmittag des ersten Weihnachtsfeiertages in virtueller Geselligkeit.

Damit gemeinnützige Projekte weiter wirken können, bauen viele auf die Chancen, die im Digitalen stecken: Kollaborationstools, Videochat und soziale Medien erhalten den Kontakt zwischen Mitgliedern und Zielgruppen. So auch beim Hamburger Verein HerzCaspar. Die Initiative bringt jungen Patientinnen und Patienten Farbe in den Krankenhausalltag, und das seit März – und sicherlich auch an Weihnachten – digital. Die „Buddies“ stellten ihre Klinikbesuche auf wöchentliche Videochats über die Plattform Zoom um. 

An Heiligabend Menschen nicht allein zu lassen, ist ein Ziel, dem sich auch die Initiative #Keine(r)BleibtAllein verschrieben – und das gerade durch die Corona-Einschränkungen nochmals an Relevanz dazugewonnen hat. Das Team vermittelt Kontakte zwischen Gastgebern und Gästen – wahlweise durch reale Treffen (wobei auf die Corona-Regeln geachtet wird) oder per Video-Call.

Virtuelle Gottesdienste und spannende Tools

Das gemeinsame Essen mag sicherlich eine Herausforderung sein – remote und verteilt auf unterschiedlichste Orte. Mit klassischen Kochboxen von Unternehmen wie HelloFresh (die Weihnachtsbox ist schon ausverkauft, es gibt aber noch Rezepte und Zutaten) und MarleySpoon lässt sich das gleiche Feiertagsgericht deutschlandweit an alle Beteiligten einer Feier liefern – womit der Abwasch 2020 auch ausnahmsweise nicht nur an einer Person oder einem Haushalt hängen bleibt.

Auf den traditionellen Weihnachtsgottesdienst muss dank neuartiger Kommunikationstools ebenfalls niemand verzichten. Etliche Kirchen in Deutschland planen Online-Gottesdienste, die dann zumeist per Zoom übertragen werden – hinzukommen Spaziergänge und Andachten in Kleinstgruppen – in vielen Fälle komplett online organisiert.

Doch nicht nur an Heiligabend selbst, sondern auch rund um das Fest gibt es reichlich digitale Lösungen. Wer auf das Wichteln nicht verzichten möchte, kann auch das virtuell gestalten: beispielsweise mit dem Wichtel-O-Mat. Mit digitalem Schokoladen- oder Wine-Tasting, gemeinsames Weihnachtsfilm-Schauen über Netflix-Party (jeder auf seiner eigenen Couch, natürlich) oder ein remote-Spieleabend mit virtuellem Montagsmaler – Möglichkeiten für weihnachtliche Geselligkeit gibt es somit reichlich. Sogar auf den Weihnachtsmarkt muss dank digitaler Angebote niemand verzichten.

Mehrwert für die Zeit nach Corona

Besonders für ältere Menschen in Senioren- und Pflegeheimen, die keinen Besuch empfangen können oder auch keine Familie mehr haben, sind diese Tage sehr schwer. Um sie dennoch wissen zu lassen, dass jemand an sie denkt, hat die youngcaritas die Aktion „Digitale Brieftaube“ ins Leben gerufen. Junge Briefeschreiber verfassen Texte, malen Bilder oder schaffen andere Kunstwerke – die sich dann ganz einfach per E-Mail oder teilweise auch per Instagram oder Whatsapp an die jeweilige Youngcaritas-Organisation in der Nähe verschicken lassen.

Es sind gerade solche Beispiele, die uns zeigen, dass wir uns manches auch über diese besonders fordernde Zeit hinaus bewahren sollten. Die Kombination von digitalen Lösungen, von Technologie und dem Geist der Weihnacht öffnet eine Tür – und zwar für all jene Menschen, die sich nicht nur zur Corona-Zeit zu oft einsam fühlen müssen. Sie hilft uns vielleicht dabei, wieder zu entdecken, worauf es während der Festtage ankommt – an einander zu denken, aufeinander acht zu geben, füreinander da zu sein; und sei es, wenn es nicht anders geht, nur virtuell. 

Die Redaktion „Digitale Exzellenz“ verabschiedet sich für 2020. Wir bedanken uns, wünschen Ihnen eine schöne Weihnachtszeit und freuen uns auf kommende Blog-Geschichten im Jahr 2021.

Bild: Getty Images / franckreporter


Birgit Eckmüller

Birgit Eckmüller verantwortet seit 2002 die Kommunikation von Sopra Steria. Die studierte Wirtschaftsingenieurin ist Expertin für Technologiethemen.


Kommentare

  1. Kathrin Eyben sagt: Dezember 16, 2020 at 1:09 pm

    Danke für den tollen Artikel und die vielen Links für ein gelungenes, digitales Weihnachten und Beisammensein! Auch, dass an diejenigen gedacht wurde, die eher keinen Zugang zum Internet haben, nämlich unsere Senioren. Die Altenpfleger leisten schon unheimlich viel, damit die Senioren Abwechslung haben und nicht vereinsamen. Aktionen, wie die „Digitale Brieftaube“ der Caritas, sind in meinen Augen dennoch unglaublich wichtig, um nicht den Kontakt „nach außen“ und zu anderen Altersklassen zu verlieren. Und natürlich, dass sie wissen, dass man an sie denkt.

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