Process Mining for Future – mit digitaler Prozessanalyse die Energiewende beschleunigen

Process Mining Energiewende

Die Energiewende stockt, dabei ist ein zügiger Umbau unserer Energieversorgung zwingend erforderlich, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Ein zentrales Problem beim Ausbau von Windkraftanlagen sind langwierige Verwaltungsprozesse. Der innovative Ansatz Process Mining könnte hier Abhilfe schaffen.

Es herrscht Flaute beim Ausbau von Windenergie in Deutschland: 2018 wurden laut Bundesverband WindEnergie 113,3 TWh Windenergie in das deutsche Stromnetz eingespeist. Die Bundesregierung plant in ihrem neuen Klimaschutzprogramm einen Ausbau der Windkraft auf 140-145 TWh bis 2030, das entspricht einer Steigerung um 24 bis 28 Prozent. Die Installation neuer Anlagen ist jedoch 2019 beinahe zum Erliegen gekommen, wie die folgende Grafik zeigt:

Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/gipfel-windkraft-101~amp.html

Ein wichtiger Grund für diese Flaute sind Windwirtschafts-Verbänden zufolge die langwierigen Planungs- und Genehmigungsprozesse. Dabei handelt es sich um komplexe Verfahren mit vielen Akteuren, die Regelungen sämtlicher Verwaltungsebenen berücksichtigen müssen – vom Bund bis zur betroffenen Gemeinde. Um einen schnelleren Ausbau von Windkraft an Land zu ermöglichen, hat es sich auch die Bundesregierung kürzlich zum Ziel gesetzt, die  Planungsverfahren zu beschleunigen.

Ineffizienten Prozessen mit digitaler Exzellenz auf die Schliche kommen

Neue digitale Methoden, konkret Process Mining, können helfen, mehr Schwung in den Ausbau von Windenergiekraft zu bringen. Process Mining gilt mittlerweile als Schlüsseltechnologie für die Zukunft der Arbeit. Kürzlich wurde dem Softwarehersteller Celonis der Deutsche Zukunftspreis für sein Process Mining-Tool verliehen. Gartner veröffentlicht einen separaten Market Guide zu Process Mining.

Der innovative Prozessanalyse-Ansatz könnte wichtige Erkenntnisse liefern, um auch die beim Windkraft-Ausbau in der Kritik stehenden Prozesse faktenbasiert und zielgerichtet zu verbessern.

Process Mining – so geht’s!

Im Zentrum von Process-Mining-Tools steht eine simple Aktivitäten-Tabelle, in der anhand einer Fall-ID für jeden einzelnen Vorgang dokumentiert ist, welche Aktivität zu welchem Zeitpunkt stattfand. Aus diesen Prozessdaten können automatisch die tatsächlichen Ist-Prozesse visualisiert werden. Dabei werden alle Vorgänge mit derselben Abfolge von Aktivitäten zu Prozessvarianten zusammengefasst. Aus den drei Prozessdaten Fall-ID, Aktivität und Zeitstempel können für jede einzelne Prozessvariante Kennzahlen wie mittlere Durchlaufzeiten oder Vorgangszahlen ausgewiesen werden. Die folgende Abbildung veranschaulicht diese grundlegende Funktionsweise:

Quelle: Sopra Steria

Als Ergänzung zu den Prozessdaten lassen sich alle relevanten fachlichen Daten in die Analyse einbeziehen. Beim Planungs- und Genehmigungsverfahren von Windkraftanlagen könnten dies beispielsweise Faktoren sein wie

  • das betroffene Bundesland,
  • der Anlagentyp,
  • der geringste Abstand zur nächsten Gemeinde oder
  • das jeweilige Bürgerbeteiligungsmodell.

Kombiniert man die Prozess- mit den Fachdaten können Planer und Behörden mit wenigen Klicks Zusammenhänge zwischen den realen Prozessen und den fachlichen Variablen aufgezeigt bekommen:

Quelle: Sopra Steria

Passender Anwendungsfall?

Die Planungs- und Genehmigungsprozesse von Windkraftanlagen sind zugegebenermaßen ein eher ungewöhnlicher Anwendungsfall für Process Mining. Diese Tools werden häufig zur Analyse von Standardprozessen eingesetzt, die einen hohen Digitalisierungsgrad sowie überschaubare Durchlaufzeiten aufweisen. Typische Use Cases sind Einkaufs-, Recruiting- oder ITSM-Prozesse.

Mit Blick auf die katastrophalen Auswirkungen, die ein ungebremster Klimawandel mit sich bringen könnte, handelt es sich bei den Planungs- und Genehmigungsprozessen von Windkraftanlagen zweifelsfrei dennoch um einen passenden Anwendungsfall. Sie erfüllen die drei wichtigsten Kriterien:

  • Der Prozess ist – in diesem Fall gesellschaftspolitisch – extrem wichtig.
  • Der Prozess muss optimiert werden.
  • Die erforderlichen Daten lassen sich mit einem dem Nutzen angemessenen Aufwand erheben.

Konkreter Nutzen für den Windenergie-Ausbau

Wie bei der Klimakrise im Allgemeinen gilt auch bei der Optimierung der Planungs- und Genehmigungsprozesse, dass wir unsere Entscheidungen auf Grundlage valider und transparenter Daten treffen sollten. Process Mining würde in drei entscheidenden Bereichen einen enormen Unterschied bedeuten:

Quelle: Sopra Steria
  1. Ist-Erhebung und -Analyse: Wer die aktuellen Prozesse beschleunigen möchte, muss diese möglichst gut kennen. 2018 waren in Deutschland 29.213 Windenergieanlagen an Land im Einsatz. Mit Process Mining kann eine umfassende Sicht auf alle bisherigen Planungs- und Genehmigungsverfahren geschaffen werden. Faktenbasiert lassen sich Best Practices und Ineffizienzen entdecken und analysieren.
  2. Optimierung und Monitoring: Auf dieser Grundlage können Maßnahmen für Verbesserungen abgeleitet, umgesetzt und einem Monitoring unterzogen werden. Im Idealfall wandern alle relevanten Informationen in eine zentrale Datenbank. Die Pflege dieser Datenbank wäre vernachlässigbar im Vergleich zum Aufwand, der bei der Planung, Genehmigung und dem Bau einer Windkraftanlage entsteht.
  3. Prognose: Kombiniert man die aktuellen Daten zu laufenden Verfahren mit den Process Mining-Erkenntnissen bezüglich abgeschlossener Verfahren, ließen sich valide Prognosen erstellen, wann wie viele neue Windkraftanlagen ans Netz gehen – extrem wichtige Erkenntnisse für das Management der Energiewende.

Die Energiewende sollte nicht an ineffizienten Verwaltungsprozessen scheitern, packen wir es an.

In eigener Sache: Das Problem mit den ineffizienten Prozessen ist übrigens keines, bei dem die öffentliche Verwaltung das Monopol hat. Wie unsere Experten von Sopra Steria Next beispielsweise einem Hersteller toller Autos weiterhelfen, können sie am besten selbst erzählen. Hier die Kurzfassung:  http://bit.ly/Insight_ProzessMining_Regressvolumen


Patrick Khayat

Patrick Khayat ist Berater im Bereich Public Sector bei Sopra Steria Consulting. Gemeinsam mit seinen Kunden optimiert und digitalisiert er konkrete Geschäftsprozesse. Im Public-Bereich verantwortet er das Thema Process Mining.


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