Next Factory: Digitalisierung in der Industrie als Wachstumsmaschine

Next Factory

Die Digitalisierung in der verarbeitenden Industrie eröffnet Unternehmen die Chance, das eigene Geschäftsmodell neu auszurichten. Dreh- und Angelpunkt kann dabei eine so genannte Next Factory sein. Als Prozess-Effizienz-Maschine nutzt sie Big Data, Künstliche Intelligenz und Cloud Computing, um das Arbeiten, das Entwickeln, Produzieren, das Ein- und Verkaufen, Betreuen, Abwickeln und Entscheiden schneller und besser wird – und dabei beim Wachsen unterstützt.

Die verarbeitende Industrie hat durch die Corona-Pandemie ihren Blick noch einmal stärker auf die Chancen einer umfassenden Digitalisierung gelegt. Der Einsatz moderner Technologien trägt bei der Next Factory zu einer flexibleren und effizienteren Arbeitsweise bei, was sich positiv auf die Kosten-Seite des jeweiligen Unternehmens auswirkt. Aber nicht nur:

Durch Technologien öffnen sich Wege für neue Ertragsmodelle, die gerade in der Krise helfen, den Neustart oder sogar eine Neupositionierung zu erleichtern. Die dahinterliegende Strategie folgt dem Ansatz, neue Umsätze mit Produkten oder Services zu schaffen, die wiederum digitale Mehrwerte für Kunden oder Mitarbeiter erzeugen. Auf diese Weise wirkt die Next Factory nach innen wie auch nach außen und funktioniert als Prozess-Effizienz-Maschine. Automatisierung ist gut für die Profitabilität und fürs Wachstum.

Es gibt drei Bereiche, die sich bei einer Next Factory getrennt betrachten lassen: die Kunden, die Partner sowie die interne Organisation.

  • Auf der Ebene der Kunden geht es darum, diese konsequent in den Mittelpunkt zu stellen. Neue, digitalisierte Vertriebswege helfen dabei, die operative Last beim Auftragseingang zu balancieren. Digitale Services fügen dem einmaligen Verkauf eines Produktes dauerhaft wiederkehrende Umsätze hinzu. Der Aftermarket bietet in diesem Fall enorme Potenziale und wird in seiner Rolle und Relevanz neu definiert. Entscheidend ist dafür, dass die Customer Journey entsprechend ausgestaltet wird. Kunden müssen über einen Easy-to-Consume-Zugang von den jeweiligen Mehrwerten sofort profitieren.

    Wo bislang z.B. Vertriebler möglichen Zusatzbedarf ermittelt haben, übernimmt nun Künstliche Intelligenz diese Analyserolle. Ausgehend von den Möglichkeiten und Kapazitäten der Factory zeigt sie dem Kunden, welches Produkt, welches Leistungsmerkmal und damit welchen Mehrwert für ihn ebenfalls interessant oder notwendig sein könnte.
  • Auf der Ebene der Partner kann die Next Factory beispielsweise Überkapazitäten mit Hilfe smarter Wertschöpfungs- und Produktionsplattformen abgeben bzw. vor- oder nachgelagerte Partnerprozesse digital informieren. Diese Plattformen geben Partnern Zugriff auf die Produktionsstraßen und Ressourcen wie Maschinen, IT-Systeme und Arbeitskräfte. Die Plattformen erlauben eine intelligente Produktionsplanung und -steuerung, bei der KI-gestützte Kapazitäts- und Szenario-Analysen zum Einsatz kommen.

    Das Ergebnis ist eine automatisierte, regelbasierte Produktionssteuerung, die über die entsprechenden Schnittstellen mit Partnersystemen verbunden wird. Denkbar wären hier beispielsweise Feedback-Schleifen zu den Vertriebspartnern, wodurch die Produktion dem Absatz angepasst werden kann. B2B-Kunden könnten auch Fehler und Qualitätspunkte in die Produktion rückkoppeln, wodurch sich ein selbstoptimierender Regelkreis ergibt. Sogenannte Dark Factories können hier als Vorbilder dienen, bei denen eine umfassende Sensorik entlang der gesamten Wertschöpfungskette die optimale Selbstregulierung ermöglicht.
  • Bei der internen Organisation geht es besonders darum, Begleitprozesse zu optimieren. Konkret bedeutet das: Die Effizienz, Qualität und Leistung lassen sich mit Hilfe der Next Factory steigern. Die Operational Technology und IoT halten Einzug. Manuelle Schnittstellen werden reduziert, Automation und Robotik genutzt.

    Die Offenheit der eigenen IT-Architektur ist dafür die Voraussetzung. Sie ermöglicht nicht nur Kunden und Partnern den Zugriff, sondern erlaubt beispielsweise auch das Einbinden von Dienstleistern für die interne Organisation. Schließlich werden dabei auch Anforderungen und Skillsets bei der Belegschaft identifiziert, die eine Next Factory kurz-, mittel- und langfristig benötigt.

Die Next Factory ist immer auch ein Plädoyer für mehr Partnerschaft, mehr Kooperation und mehr Coopetition. Gerade die vergangenen Monate und die Engpässe beispielsweise im Bereich der Halbleiter sowie auch anderen Komponenten und Rohstoffe machen die Vorzüge deutlich. Eine Next Factory würde in solchen Fällen verschiedenste Abstimmungen erleichtern und die Produktion insgesamt flexibler, agiler und damit am Ende resilienter aufstellen.


Link-Empfehlung: Das Thema MES und Industrie 4.0 von Niklas Schwermann passt gut zu diesem Beitrag.


Foto: Getty Images / Prapass Pulsub


Kristijan Steinberg

Kristijan (Kris) Steinberg ist Head of Strategy Consulting bei Sopra Steria Next für das Marktsegment Industries. Er verantwortet strategische Digitalisierungsmandate und berät Unternehmensführer in der DACH-Region.


Kommentare

  1. Peter Alexander sagt: Dezember 1, 2021 at 9:53 am

    Wieder mal alle Buzz words zusammen gekratzt.

    BS vom Feinsten !

  2. Peter Alexander sagt: Dezember 1, 2021 at 10:04 am

    Warum ich dies als BS Bingo bezeichne:

    Prozess-Schleifen, vor allem aber die Schnittstellen zwischen den Programmen, also deren Zusammenarbeit, erfordern einen hohen personellen Aufwand, also IT-Manpower.

    Gerade weil Programme immer schneller überarbeitet werden, kann jedes einzelne Update auch bedeuten, dass die geliebten Schnittstellen wieder nachgepflegt werden müssen.

    Der damit verbundene Aufwand in der IT wird aber meist systematisch unterschätzt bis ignoriert. Ohne eine Bereitschaft, ganz erheblich in die IT-Mannschaft zu investieren, bleibt die schönste Digitalstategie eine simple Wortwolke.

    Investitionen müssen sich lohnen: Der erhöhte Aufwand in der IT muss von den zusätzlich generierten Deckungsbeiträgen / Gewinnen überkompensiert werden. Sonst sollte man es besser lassen.

    • Kristijan Steinberg Kristijan Steinberg sagt: Dezember 14, 2021 at 11:37 am

      Besten Dank für das Feedback, Herr Alexander,

      ich unterstütze Ihre Sicht, dass derartige, digitalisierte Strukturen nicht den Aufwand auf Null fallen lassen, sondern neue Aufgaben verursachen – wie z.B. die nachhaltige Wartung und Pflege von programmierten Prozessautomatisierungen – und oftmals neue Skills erfordern.

      Was wir im Austausch mit Kunden im Zuge von Digitalisierungsvorhaben im Grunde jede Mal zu hören bekommen, ist, dass die Digitalisierung bei ihnen neue, „interessantere“ Arbeiten und Arbeitsweisen hervorbringen sollen. Sprich, im Fokus steht nicht nur die Entlastung des Personals von repetitiven, nicht-kreativen Tätigkeiten und das Freilegen von entsprechenden Kapazitäten. Es geht auch um die gleichzeitige Entwicklung neuer Fähigkeiten und Kompetenzen, um dem Personal entsprechende Entwicklungsmöglichkeiten zu geben sowie die eigene Attraktivität im Personalmarkt zu steigern.

      Digitalisierung und der singuläre Einsatz neuer Technologien oder Strukturen bringt per se nicht viel. Digitale Transformationen scheitert in der Regel immer an der Organisation und den darin und drumherum handelnden Personen selbst. Daher ist Akzeptanz und ein klares Bild über die „New Ways of Working“ wichtig, damit Unternehmen gerade bei Effizienzerwartungen keine Milchmädchenrechnungen aufmachen.“

      Beste Grüße
      Kris Steinberg

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