Digitale Exzellenz
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Mit den richtigen Daten zur Nachhaltigkeit in der Smart City

, vor 4 Tagen

Fotocredit: Getty Images / Andriy Onufriyenko

Lesezeit: 8 Minuten

Mit den richtigen Daten zur Nachhaltigkeit in der Smart City

Um die Klimaziele zu erreichen, braucht es Team-Work. Beim Race to Net Zero (mehr dazu ab Montag hier im Blog) meistern Beschäftigte von Sopra Steria daher gemeinsam den Weg im Elektrofahrzeug von Hamburg nach Paris und tauschen sich mit Partnern zu Emissionen, Technologien und Klimaneutralität aus. Im Vorfeld der Aktion sprachen CEO Christian Wrage und der CDO der Freien und Hansestadt Hamburg, Christian Pfromm, über Daten, Smart Cities und die wirtschaftliche Bedeutung von Nachhaltigkeit.

Der digitale Wandel bietet Europa vielfältige Chancen. Besonders im Bereich der Nachhaltigkeit können innovative Technologien dabei helfen, die Abhängigkeit von fossilen Ressourcen zu verringern, alternative Mobilitätskonzepte zu ermöglichen und Produktionsmethoden effizienter zu gestalten. Mit unseren Partnern treiben wir daher Tag für Tag Lösungen voran, die helfen, den Klimawandel zu stoppen und Europa zu einem Vorreiter in Fragen der Nachhaltigkeit zu machen. Für uns ist klar: Das Ziel von Netto-Null-Emissionen kann ein Unternehmen nur gemeinsam mit Partnern, Kunden und Wettbewerbern erreichen.

Gemeinsame Sache: mit dem Elektroauto von Hamburg nach Paris

Deshalb starten wir am 27. Juni 2022 die Aktion Race-to-Net-Zero. Mit drei Elektrofahrzeugen machen sich vier Kolleginnen und Kollegen auf den Weg von Hamburg nach Paris, um den wichtigen Austausch mit unseren Partnern zu stärken. Zum Start der Reise sprach der CEO von Sopra Steria Deutschland, Christian Wrage, mit Christian Pfromm, dem Chief Digital Officer (CDO) der Freien und Hansestadt Hamburg, über Datenutzung, digitale Ökosysteme und die Frage, wie digitale Technologien einer Metropole auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit helfen.

Christian Wrage: Herr Pfromm, Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind zwei der Megatrends unserer Zeit. Bei Nachhaltigkeit sehen wir eine regelrechte Evolution im Wertesystem, die stark getrieben ist von der nächsten und übernächsten Generation. Das erleben wir übrigens auch in unserem eigenen Haus. Unsere jungen Kolleginnen und Kollegen treiben das Thema intern bei uns stark voran. Gleichzeitig verstehen immer mehr unserer Kunden, dass sich Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg nicht ausschließen. Als Chief Digital Officer sind Sie verantwortlich für die Digitalstrategie der Stadt Hamburg. Welche strategische Rolle spielen Nachhaltigkeit und Digitalisierung aus Ihrer Sicht für die Elbmetropole?

Christian Pfromm: Die beiden Themen sind untrennbar miteinander verbunden. Die Mobilität liefert dafür ein sehr schönes Beispiel. Hamburg verfolgt eine Strategie für intelligente Verkehrssysteme (ITS), die fest in die Digitalisierungsstrategie der Stadt integriert ist. Sprechen wir nämlich über Mobilität und Verkehr in einer Metropole, dann geht es nicht nur um den Bau neuer Radfahrwege.

Christian Pfromm - CDO Hamburg

Bis zum Jahr 2030 möchten wir einen „Hamburg-Takt“ schaffen: Innerhalb von fünf Minuten sollen Menschen in der Stadt dann ein öffentliches Mobilitätsangebot mit optimalem Service bei hoher Qualität erreichen können.

Dazu gehören neben S- und U-Bahn sowie Bussen auch Ride-Pooling-Angebote, Car-, Roller- und Bikesharing-Möglichkeiten. Hinzu kommen verschiedenste On-Demand-Angebote. Das alles auf sinnvolle Weise miteinander zu verknüpfen, ist nur mit einer ganzheitlichen Digitalisierung von Prozessen, der Integration verschiedener Systeme und der smarten Nutzung von Daten möglich. Das sind Herausforderungen, wie sie Sie vermutlich auch bei vielen Ihrer Unternehmenskunden sehen.

Christian Wrage: In der Tat. Heute kann es sich kein Unternehmen mehr erlauben, das Thema Nachhaltigkeit außer Acht zu lassen – und die intelligente Nutzung der Daten ist dafür zweifelsohne das Mittel der Wahl. Dabei spielt Nachhaltigkeit in eine ganze Reihe von Dimensionen eines Unternehmens mit hinein. Das beginnt im gesellschaftlichen Bereich und reicht bis zum Identifizieren künftiger Risiken, die sich durch den Klimawandel oder im Zuge der Transition von einer fossilen zu einer fossilfreien Welt ergeben.

Christian Wrage - Sopra SteriaWir haben die Dimension der Nachhaltigkeit daher inzwischen in unsere Angebote integriert und in unserer Managementberatung einen „Do“-Tank eingerichtet.

Im Gegensatz zu einem Think-Tank geht es uns darum, nicht nur Ideen zu entwickeln, sondern Trends wie die Nachhaltigkeit in konkrete Use Cases zu übersetzen – immer gestützt auf die Möglichkeiten, die die Digitalisierung uns bietet. In Hamburg gibt es bestimmt eine ganze Reihe solcher Use Cases. Lassen sich bestimmte Projekte beispielsweise im Mobilitätsbereich besonders hervorheben?

Christian Pfromm: Im Rahmen der ITS zählen wir von insgesamt 173 Projekten 42 zu den sogenannten Ankerprojekten. Dazu gehört das vollautomatisierte Fahren der U-Bahn auf bestimmten Teilstrecken.

Noch bis September setzen wir in Hamburg die zweite Phase des Projekts Medifly um. Drohnen transportieren dabei medizinische Güter im innerstädtischen Bereich.

Die Einführung der App „hvv switch“ verbindet die Angebote des klassischen öffentlichen Personennahverkehrs mit anderen Sharing-Angeboten der Stadt. In einem Reallabor erforschen wir dabei die Zukunft des Parkens. Ein spannendes Projekt ist auch der digitale Zwilling des „Großdemonstrators Köhlbrandbrücke“. Dieser Digital Twin führt eine Vielzahl von Datenströmen zusammen und unterstützt damit die Instandhaltung des Bauwerks. Ein weiteres Beispiel sind die Dauerzählstellen, mit denen wir in Hamburg die Radfahrenden erfassen. Wir nutzen dabei Wärmebildkameras.

Christian Wrage: Mithilfe der Daten können Sie dann den Ausbau des Radwegenetzes vorantreiben?

Christian Pfromm: Das ist ein Teilaspekt. Die Daten schaffen dafür die Grundlage. Sie helfen uns aber auch zu verstehen, wie wir die Verkehrsräume in der Stadt in Zukunft aufteilen müssen. Wie viel Raum wollen und sollten wir also beispielsweise Radfahrern geben? Wie viel Raum sollen Autos erhalten? Die Daten sind aber auch in anderer Hinsicht von Interesse. Die Stadt stellt sie nämlich über die „Urban Data Platform Hamburg“ öffentlich zur Verfügung. Unternehmen können mithilfe dieser Daten innovative Angebote entwickeln. Da sich Fahrräder inzwischen – genauso wie Automobile – in rollende Smartphones verwandeln, bietet das weitere spannende Potenziale.

Christian Wrage: Die Stadt versteht sich also als ein Enabler der Digitalwirtschaft?

Christian Pfromm: Selbstverständlich.

Die Daten einer Stadt bieten unglaubliches Potenzial für die Entwicklung neuartiger Lösungen.

Etablierte Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen können mithilfe dieser Daten völlig neue Wege beschreiten. Daten sind ein Innovationsfaktor. Daher ist es wichtig, dass die interne Organisation einer Stadt die Bereitstellung von Daten stets mitdenkt. Die Frage, in welcher Qualität und Menge eine Stadt ihre Daten bereitstellen kann, dürfte sich in Zukunft zu einem echten Standortfaktor entwickeln. In dem Zusammenhang wäre es für mich interessant zu erfahren, ob sich das Ihrer Wahrnehmung nach mit der Erwartung der Unternehmen deckt.

Christian Wrage: Das deckt sich absolut mit dem, was uns unsere Kunden spiegeln. Die Unternehmen drücken bei der digitalen Transformation aufs Tempo – und erwarten völlig zu Recht, dass die öffentliche Hand die passenden Rahmenbedingungen schafft. Da geht es nicht nur um die Bundespolitik, sondern auch um die Frage, wie sich Städte und Gemeinde aufstellen. Generell müssen wir in Deutschland bei der digitalen Transformation sehr viel schneller vorankommen.

Doch das kann nur gelingen, wenn Privatwirtschaft und öffentlicher Sektor an einem Strang ziehen. Es mag uns nicht gelingen, in Europa einen eigenen Hyperscaler aufzubauen. Doch wir können und müssen lernen, von digitalen Ökosystemen zu partizipieren und datengetriebene Geschäftsmodelle voranzubringen. Mobilitätsdaten und andere Daten des öffentlichen Sektors sind dafür essenziell. Daher nimmt Hamburg in dem Zusammenhang eine wichtige Vorbildfunktion ein. Die Hansestadt gilt als die am weitesten digitalisierte Stadt Deutschlands. 2021 hat die Metropole zum dritten Mal in Folge den ersten Platz im Smart-City-Index belegt. Was ist aus Ihrer Sicht, Herr Pfromm, die wichtigste Zutat für diesen Erfolg?

Christian Pfromm: Das ist die Kultur – und das gleich in mehrerlei Hinsicht. Es beginnt bei der Führungsebene. In Hamburg ist die Digitalisierung Chefsache. Das Amt für IT und Digitalisierung ist in der Senatskanzlei angesiedelt. Das ist mehr als nur eine Frage der räumlichen Nähe von CDO und Erstem Bürgermeister, sondern Ausdruck eines klaren Commitments. Wichtig ist zudem, welche Perspektive die Verwaltung auf das Thema Digitalisierung einnimmt. Zu oft geht es bei digitalen Prozessen um die Frage, wie sich die Arbeit der Behörden erleichtern lässt. Das ist sicherlich wichtig. Doch zunächst einmal sollten die Bürgerinnen und Bürger im Fokus stehen – und bei der Entwicklung von Lösungen mit einbezogen werden. In Hamburg haben wir beispielsweise junge Eltern befragt, als es darum ging, die Beantragung des Kindergeldes zu digitalisieren.

Christian Wrage: Herr Pfromm, das waren spannende Einblicke. Ich danke Ihnen für dieses Gespräch.


Race to Net Zero verfolgen

Erste Station für das Race-to-Net-Zero-Team ist die BLG Autoterminal auf der Kattwyk-Halbinsel in Hamburg. Die neuesten Informationen zur Aktion gibt es ab 27. Juni im Blog (gerne abonnieren) und auf unserem LinkedIn-Kanal. Mehr zu den ehrgeizigen Nachhaltigkeitszielen von Sopra Steria gibt es hier zum Nachlesen.