Digitalisierung und IT-Architektur: ein Haus, das nie fertig wird

Digitalisierung und IT-Architektur: ein Haus, das nie fertig wird

Wer digitale Transformation ernst nimmt, fängt nicht bei den Apps an und lässt das IT-Fundament darunter wie es ist. IT-Architekten, die digitale Exzellenz anstreben, schaffen eine Infrastruktur mit eingebauter Zukunft. Flexibel, anpassbar und integriert soll es zugehen im Zeitalter der Digitalisierung.

Im idealen IT-Bebauungsplan wollen Kunden und Partner schnell und einfach mit ihrem Dienstleister und Koproduzenten interagieren. Über die Art und Weise entscheiden die Beteiligten immer wieder neu. Unternehmen brauchen also eine modular verstellbare IT-Architektur, bei der man ohne großen Aufwand neue Bauteile anschrauben und wieder entfernen kann. Es ist wie ein Haus, das nie fertig ist – nicht fertig sein darf, weil das Geschäft vielleicht morgen neue Türen, sprich Schnittstellen, erfordert.

Die Unternehmen wissen, dass digitale Exzellenz vorne beim Kunden nur über eine Anpassung der Systeme dahinter führt. Für 98 Prozent der für unsere Studie befragten Entscheider ist die Transformation der IT-Architektur relevant. Für rund jeden Zweiten hat sie Priorität.

IT Architecture Transformation
Quelle: Sopra Steria Consulting

Die erkannte Relevanz gilt es nun, in praktische Digitalisierungsstrategien zu verwandeln. Laut BITKOM hapert es da in vielen Unternehmen in Deutschland noch (Stand Dezember 2015). Aber nicht bei allen. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft hat beispielsweise 2015 auf 57 Seiten Strategiepapier die Digitalisierung in der Energiewirtschaft eingeläutet. Eine der Handlungsempfehlungen daraus lautet: „Gebraucht werden Ziel-Architekturen die entweder konsequent auf eine Digitalisierung ausgerichtet sind oder so modular konzipiert und gesteuert sind, dass sie einzelne Projekte unterstützen und die notwendige Infrastruktur bereitstellen.“ Letzteres klingt bekannt: Es geht um die Einführung serviceorientierter Architekturen (SOA). Sie sind die Basis für neue Technologien wie Cloud Computing, Industrie 4.0, Big Data und Mobile Computing.

Aus SOA werden Microservices

SOA ist seit Jahren ein Dauerthema in den Unternehmen. Und obwohl fast jedes Zweite bereits substanzielle Veränderungen an der IT-Architektur vorgenommen hat, bleiben Veränderungen in puncto Flexibilität und zentraler Datenhaltung auf der Projektagenda. Die Strategien unterscheiden sich: Viele Versicherer setzen auf die umfassende Erneuerung und investieren erhebliche Summen in die Entsorgung ihrer IT-Altlasten. Aus der Logistikbranche gibt es Beispiele für eine konsequente SOA-Umsetzung, zeigt die Befragung zu unserer Studie. Das klassische SOA-Prinzip ist dabei für viele Anwendungen nicht mehr zeitgemäß. Der Nachfolge-Ansatz, die so genannten Microservices, erlauben noch feinkörnigere Sourcing-Strategien und damit mehr Flexibilität.

Backend unterstützt Frontend

Die Entwicklungen im Bereich Digital Enterprise Transformation zeigen: Die IT-Architektur an die Anforderungen der Digitalisierung anzupassen, bleibt auf der Tagesordnung – idealerweise ziemlich weit oben. Einzelne Prozesse zu digitalisieren reicht dabei aber nicht, wie es Mario Zillmann von Lünendonk bei Banken beobachtet. Um digitale Exzellenz zu erreichen, müssen veraltete IT-Architekturen grundlegend erneuert werden. Die Hauptaufgabe wird sein, die Backendsysteme stabil und sicher zu halten, aber gleichzeitig so zu optimieren, dass sich Frontend-Anwendungen und damit das Geschäft weiterentwickeln lassen.


Urs M. Krämer

Urs M. Krämer ist seit Anfang 2013 bei Sopra Steria Consulting und übernahm im April 2014 die Rolle des Chief Executive Officers. Der Stratege und Managementberater legt sein Hauptaugenmerk auf Performance und Change Management.


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