Digitale Exzellenz: Nicht die Basics vergessen

Digitale Exzellenz - Nicht die Basics vergessen

Wer sich als Unternehmen das Prädikat Digitale Exzellenz verdienen möchte, muss in unterschiedlichen Disziplinen glänzen. Wie beim Abitur, kommt es dabei nicht nur auf die digitalen Leistungsfächer wie Social Collaboration an. Klassische IT-Basics wie Prozessoptimierung und Automatisierung tragen zur Gesamtnote entscheidend bei.

Ohne Prozessoptimierung keine Digitalisierung

Egal, ob man sich Industrie 4.0, Cloud Computing und Big Data anschaut. Alle digitalen Felder kommen nicht ohne Digitalisierung der jeweils betroffenen Geschäftsprozesse aus. Bei den Interviews zu unserer Studie „Digitale Exzellenz“ kam heraus, dass es noch Unternehmen gibt, in denen weite Teile der Prozesse nicht digitalisiert sind. Das Gesundheitswesen hinkt beispielsweise stark hinterher, ebenso die öffentliche Verwaltung. Medienbrüche verhindern ein Fortschreiten bei der Automatisierung der Prozesse. Die Ergebnisse decken sich mit einer Befragung von IDC: Eine dazu veröffentlichte Infografik, gefunden bei Wiwo-Redakteur Michael Kroker, zeigt als exemplarische Baustelle das papierlose Büro.

In anderen Branchen lassen sich bereits Fortschritte in diesen Disziplinen erkennen. Insbesondere in der Industrie gehört die fortlaufende Analyse und Optimierung von Abläufen zur Geschäfts-DNA und wird häufig gut beherrscht. Auch bei Banken und Versicherungen werden komplett digitalisierte Prozesse, eine digitalisierte Supply Chain und eine konsolidierte Prozesslandschaft angestrebt. Scan-Straßen bringen dort verstärkt analoge Daten in ein digitales Format, damit diese automatisiert verarbeitet werden können. Mehr Self-Service-Angebote auf der Website sorgen zudem dafür, dass Kunden bevorzugt digital Kontakt aufnehmen. Versicherer achten außerdem inzwischen genau darauf, dass sie neu entwickelte Produkte auch digitalisieren, bevor Vertrags-und Bedingungstexte geschrieben werden.

Ohne Digitalkompetenzen keine Prozessoptimierung

Insbesondere den Standardisierungs- und Automatisierungsvorreitern aus der Industrie sollte allerdings klar sein: Nur im Kernfach Prozessoptimierung zu glänzen, reicht nicht, um Digitale Exzellenz zu erreichen. Der Weg zu vernetzten und automatisierten Prozessen führt in großen Teilen über andere Disziplinen. Zum (Re-)Design von Prozessen müssen beispielsweise Mitarbeiter so befähigt werden, dass sie in der Lage sind, die verfügbaren digitalen Möglichkeiten abteilungsübergreifend zu denken. Und wer verstärkt Sensorik einsetzen möchte, um eine über die Grenze hinausgehende Kommunikation mit Partnern und Kunden zu ermöglichen, benötigt dazu eine Integration in die IT-Architektur.

In digitaler Exzellenz steckt also eine gehörige Portion Prozessoptimierung sowie Automatisierung. Um die zu erreichen, müssen Unternehmen umgekehrt weitere digitale Kompetenzen aufbauen. Die Befragungen zu unserer Studie zeigen zudem, dass Process Digitisation and Automation kein spezielles Phänomen der aktuellen Digitalisierungsdebatte ist, sondern ein Dauerbrenner für die IT. Prozessautomatisierung mit digitalen Mitteln und insbesondere die Steigerung der eigenen Effizienz waren und werden immer wichtig sein, sich Kostenvorteile zu verschaffen. Beides ist vielmehr Grundaufgabe, bei der stets darauf zu achten ist, nicht den Anschluss zu verlieren.


Urs M. Krämer

Urs M. Krämer ist seit Anfang 2013 bei Sopra Steria Consulting und übernahm im April 2014 die Rolle des Chief Executive Officers. Der Stratege und Managementberater legt sein Hauptaugenmerk auf Performance und Change Management.


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