App-gesichert: Diese Versicherungen gibt es nur wegen der Digitalisierung

Shitstorm Versicherung Digitalisierung
Marco Lange
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Durch die Digitalisierung entsteht ein neuer Markt für Versicherungsprodukte, die den Kunden im Schadensfall absichern. Reputationsversicherung, Spontanversicherung und Cyber-Crime-Versicherung – all diese Policen werden seit Anbruch des digitalen Zeitalters zunehmend nachgefragt. Für Versicherer ein Markt, der angesichts schrumpfender Ertragsaussichten mit klassischen Policen an Relevanz gewinnt.

Durch den fortschreitenden digitalen Wandel entstehen neue Versicherungsangebote, die im 1.0-Zeitalter noch nicht notwendig waren, es im digitalen Zeitalter jedoch werden. So zum Beispiel die Shitstorm-Versicherung, gefunden auf Welt online. Hierbei handelt es sich um eine Police, die Unternehmen gegen Reputationsschäden absichert. Sie greift, wenn sich imageschädigenden Inhalte auf Social-Media-Plattformen wie Twitter, Facebook und Co. verbreiten. Rufschädigungen gab es zwar schon vor dem Social-Media-Durchbruch. Doch erst durch die Digitalisierung breiten sich Inhalte in Sekundenschnelle aus. Das Schadenrisiko und der Versicherungsbedarf steigen damit signifikant an.

Laut einer Umfrage der Allianz liegt der Reputationsverlust auf Rang 9 der wichtigsten Geschäftsrisiken in Deutschland. Da die Angst vor Fehlern, Missverständnissen und Shitstorms immer größer wird, ist hier ein neuer Markt für Versicherer entstanden. Den Ursprung hatten solche Reputationsversicherungen in den USA. Aufgrund der gesteigerten Nachfrage erobern sie nun auch den europäischen Markt.

Es gibt verschiedene Varianten dieser Renommee-Versicherungen. Dazu zählen beispielsweise eine umfassende Police, die die Kosten für die Krisenkommunikation übernimmt und finanzielle Schäden deckt. Es gibt Angebote, in denen eine solche Versicherung zu einer bereits bestehenden Police hinzugebucht werden kann. Bei anderen Anbietern handelt es sich um einen eigenständigen Versicherungsabschluss. Kritiker bemängeln jedoch, dass Gradmesser fehlen.

Es gibt weitere Versicherungsprodukte, die die Macht der Gemeinschaft nutzen. Bei Insurtechs, wie Haftpflichthelden, steht der Community-Aspekt im Vordergrund – der Preis für Versicherungsleistungen reduziert sich, je mehr Menschen einen so genannten bereitgestellten Sharing-Code verwenden. Das System beruht auf somit auf Weiterempfehlungen. Dieser Gemeinschaftsgedanke funktioniert papierlos, schnell und transparent über das Internet. Das Beispiel zeigt, dass Digitalisierung nicht nur die Versicherungsprodukte, sondern auch den Vertrieb verändert.

Versicherungen gegen Cyber Crime

Auch Versicherungen gegen Cyber Crime sind erst im Zuge des digitalen Wandels richtig in Fahrt gekommen. Die gestiegene Angst vor Internetkriminalität mündet in einer wachsenden Nachfrage nach Versicherungsprodukten. Bereits 2016 gaben elf Prozent der Industrieunternehmen an, eine Versicherung gegen Cyber-Angriffe und ihre Folgeschäden abgeschlossen zu haben.

Bei dieser Art von Schutz ist jedoch nicht immer ein neuer Versicherungsabschluss nötig. Teilweise decken bestehende Policen den Ernstfall bereits ab. So werden einige Schäden, beispielsweise beim Datenverlust mit finanziellen Einbußen, von der Betriebshaftpflichtversicherung übernommen. In anderen Szenarien kann die Sachversicherung oder die Vertrauensschadenversicherung greifen.

Digitalisierung bereitet Weg für Spontanversicherungen

Viele Versicherungsabschlüsse sind heute auch schon per App auf dem Smartphone oder Tablet möglich. Die meisten Anbieter haben eigene Handy-Anwendungen, in denen man seine Policen einsehen und verwalten kann. Dies erleichtert den bürokratischen Aufwand für Verbraucher. Rechnungen abfotografieren, Preise vergleichen und Schäden melden – all das sind Leistungen, die bereits über Apps funktionieren.

Hinzu drängen immer mehr Spontanversicherungen auf den Markt, die erst durch die fortschreitende Digitalisierung entstehen konnten. Diese Mini-Policen können schnell und recht reibungslos über das Smartphone gebucht werden. Anbieter wie Situative mit ihrer Plattform Appsichern sowie das Rostocker Start-up Hepster bieten einen solchen Versicherungsschutz für den Alltag an.

Der Zeitraum des Schutzes und die Anzahl der Personen ist beliebig wählbar und es bedarf keiner Kündigung. Das digital Exzellente daran ist die Tatsache, dass man die Versicherung von überall aus abschließen kann – einzige Voraussetzung ist eine intakte Internetverbindung. So kann beispielsweise eine Pistenversicherung abgeschlossen werden, die Mensch und Material im Skiurlaub versichert. Sie beinhaltet verschiedene Wintersportarten auf freigegebenen Pisten wie rodeln, snowboarden oder Ski fahren. Auch ein Carsharing-Schutz, ein Probefahrtenschutz, ein Drittfahrerschutz oder ein Schülerschutz sind möglich. Die Kurzzeit-Policen eignen sich besonders für Kurzentschlossene, die sich spontan für die Variante „sicher“ entscheiden wollen und im Vorfeld noch keinen Risikoschutz abgeschlossen haben.

Digitale Versicherungsprodukte müssen sich an der Datensicherheit messen lassen

Die Digitalisierung ist somit für Versicherer zentrale Herausforderung mit vielen Veränderungen des bestehenden Geschäfts. Gleichzeitig ist Digitalisierung aber auch ein lukrativer Markt für kreative Produkteentwickler. In die Konzepte gehört in jedem Fall das Thema Datensicherheit und -nutzung. Die Kunden achten sehr stark darauf, dass ihre Daten sicher verwaltet und die Nutzung in einem akzeptablen Verhältnis zu Mehrwert steht. Pay-as you-drive- und Pay-how-you-drive-Tarife in der Kfz-Sparte sowie Pay-as-you-live-Angebote in der Krankenversicherung sind aktuelle Beispiele dafür, dass Anbieter auf das Vertrauen in Datensicherheit angewiesen sind.

Foto: Getty Images / Andreas Coerper Mainz


Marco Lange

Marco Lange ist Berater für Versicherungsprozesse bei Sopra Steria Consulting. Der studierte Volkswirt beschäftigt sich mit der digitalen Transformation von Versicherungen und die Etablierung von kontextbasierten Versicherungsprodukten.


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