Die Blockchain Evolution

Blockchain

Genauso wie das Internet, lässt sich auch Blockchain in Evolutionsstufen untergliedern. Blockchain 1.0 steht dabei für den Zahlungsverkehr durch Kryptowährungen wie Bitcoin. Gesetzlich anerkannt als Währung sind diese in den meisten Staaten jedoch noch nicht. Blockchain 2.0 ermöglicht die Erfassung von Eigentumsverhältnissen sowie die automatische Durchsetzung von Verträgen. Das wird bereits in zahlreichen Pilotprojekten und Startups erprobt – mit vielversprechenden Aussichten. Zunächst vollkommen visionär, bleibt hingegen Blockchain 3.0. Durch die Zusammenwirkung von Blockchain mit Big Data und Predictive Analytics könnten aus der Transaktionshistorie von Blockchain strukturierte, aufbereitete und zukunftsorientierte Informationen zur Unterstützung von Entscheidungen extrahiert werden.

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Zukunftsweisende Blockchain-Initiativen

Aktuell testet der Börsenbetreiber Nasdaq mit seinem System Linq zusammen mit der estländischen Regierung an der fälschungssicheren Stimmabgabe mittels Blockchain für Hauptversammlungen. Dadurch können Aktionäre auch ohne physische Anwesenheit in Echtzeit abstimmen. Nasdaq Linq ermöglichte darüber hinaus die erste Platzierung von Wertpapieren mit Hilfe der Blockchain-Technologie. Dabei werden die Eigentümerverhältnisse erfasst. Dokumentation auf Papier und mehrtägige Wertstellungprozesse entfallen.

Ebenso auf Finanzmarkttransaktionen zielt das aus mehr als 40 weltweit führenden Banken bestehende Startup-Konsortium R3 CEV ab – darunter die deutschen Platzhirsche Deutsche Bank und Commerzbank. Diese Initiative möchte einen gemeinsamen Blockchain-Standard auf Basis von Open Source und in Zusammenhang mit kommerziellen Softwareanbietern wie IBM und Microsoft entwickeln. Die Hoffnung: Weniger Kosten und weniger Fehler durch Vereinfachung der jetzigen Prozesse mit zahlreichen zwischengeschalteten Institutionen wie Clearinghäusern. Es gab bereits mehrere Tests mit verschiedenen Blockchains für den Handel von festverzinslichen Wertpapieren innerhalb des Bankenkonsortiums. Dabei läuft die Blockchain über eine Cloud-Lösung, bereitgestellt durch Amazon, IBM und Microsoft.

Die Diamanten-Datenbank Everledger ist hinsichtlich der Marktfähigkeit bereits einen Schritt weiter: Die Dienste dieses Start-Ups haben bereits mehr als 800.000 Diamanten erfasst. Dieses System identifiziert Diamanten an Hand einer Vielzahl von Qualitätsmerkmalen. Es verknüpft dabei Lagerstelle und Echtheitszertifikate direkt mit den Edelsteinen. In der Datenbank werden sämtliche privaten Informationen verschlüsselt dargestellt. Doch sämtliche Transaktionen sind öffentlich einsehbar. Der Verifizierungsprozess erfolgt, ähnlich wie bei Bitcoin, durch eine Mehrheitsentscheidung eines angeschlossenen Computernetzwerks. Diamantenhändler, Versicherungen und auch Behörden können auf dieses System zugreifen und dadurch wirksam Betrug und Geldwäsche aufspüren. Somit kann Everledger nicht nur das Image von Diamanten wieder aufpolieren, sondern auch wesentlich zur Einhaltung der gesetzlichen Regularien beitragen.

Offene Baustellen

Im aktuellen Stadium ist Blockchain noch längst nicht reif für einen Marktstandard. Sicherheitsrisiken wie Manipulationen durch eine Mehrheit eines Netzwerkes könnten sicher durch zugangsbeschränkte Blockchains minimiert werden. Die kryptographischen Verfahren hinter Blockchain sind essentiell für die Sicherheit. Jedoch geht das auch erheblich zu Lasten der Performance. Während derzeitige Blockchains Transaktionen im Sekundentakt abarbeiten, erfordert der moderne Finanzmarkt längst tausende oder gar Millionen Transaktionen pro Sekunde.

Zudem kommt die kommerzielle Anwendung von Blockchain nicht ohne Rechtsverbindlichkeit aus. Dementsprechend müssten in den gesetzgebenden Gremien entsprechende Regularien geschaffen werden.

In der jetzigen Phase erschwert zuletzt die scheinbar hohe technische Komplexität sowie die bisher fehlende einheitliche Terminologie die Vertrauensbildung in Blockchain.

Keine Universallösung

Bündeln von Know-how durch marktfähige Standards, ein gemeinsames Verständnis sowie Rechtssicherheit können die Weiterentwicklung der Technologie erheblich beschleunigen. Nicht außer Acht sollte dabei bleiben, dass sie keine Universallösung bietet. Genauso ist der richtige Einstieg in diese Technologie zur Erzielung des größtmöglichen Nutzen entscheidend. In einem nächsten Beitrag im Blog geht es deshalb darum, wie Unternehmen mögliche Anwendungsfälle für Blockchain identifizieren und den Weg in diese Technologie finden.


Mustafa Cavus

Mustafa Cavus ist IT-Architekt bei Sopra Steria Consulting. Der studierte Informatiker hat sich auf die Themen Big Data und Blockchain spezialisiert.


Kommentare

  1. […] einem ausgewogenen Urteil, was die Möglichkeiten der Blockchain-Technologie betrifft, gelangt, ist Die Blockchain Evolution von Mustafa […]

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