It’s all Ride! Neue Mobilitätskonzepte auf dem Vormarsch

Ridesharing

Carsharing-Dienste wachsen rasant. Rund 2,5 Millionen Kunden nutzen das Gemeinschaftsauto allein in Deutschland. Und im Rückspiegel der gängigen Carsharing-Angebote taucht bereits die nächste Generation neuer Mobilitätskonzepte auf. Ihre Namen lauten Ridesharing, Ridepooling und Ridehailing. Zeit für einen Überblick der Konzepte, die derzeit Fahrt aufnehmen.

Kostenersparnis, freie Fahrzeugwahl, Umweltschutz – mit diesen Mehrwerten treten die Anbieter von Carsharing an. Somit ist es nicht verwunderlich, dass in diesem Jahr bereits mehr als 20.000 Carsharing-Fahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs sein werden. Besonders die stationsabhängigen Angebote wachsen überdurchschnittlich, allein im vergangenen Jahr um 21,5 Prozent, so die Zahlen des Branchenverbands. Aber auch Free-floating-Autos breiten sich aus. Die steigende Akzeptanz des Gemeinschaftsautos belegt den Wunsch nach flexiblen und modernen Dienstleistungen, um von A nach B zu kommen, ohne teure Anschaffungskosten. Und dieser Wunsch wird erfüllt – viele neue Konzepte drängen in den Mobilitätsmarkt.

Ridehailing – die privaten Chauffeure

Eines davon heißt Ridehailing. Früher wurde das klassische Herbeiwinken eines Taxis so bezeichnet. Durch die Digitalisierung hat sich die Bedeutung jedoch etwas verschoben. Heute bezeichnet Ridehailing einen Fahrdienst, der von Privatpersonen angeboten wird. Das Auto wird statt mit der Hand per App herbeigewinkt. Der renommierteste Anbieter für diese Art des Transports ist das amerikanische Unternehmen Uber. Über die App UberPop bieten Personen ihre Fahrdienstleistung im eigenen Fahrzeug an. Die Kunden bezahlen den Fahrer, Plattformanbieter Uber stellt die Infrastruktur bereit und kassiert dafür eine Gebühr. Das Angebot ist kommerziell ausgerichtet und übersteigt die reinen Kosten für die Instandhaltung des Autos. Ist somit eher als Taxi-Alternative denn als Angriff auf die Autoindustrie gedacht.

Nach diesem Vorbild wollen sich weitere Ridehailing-Dienste auf dem Markt etablieren. So verfolgt der US-Anbieter Lyft ein ähnliches Konzept, das bei Investoren großes Vertrauen genießt. Mit seinem Börsengang im März 2019 legte Lyft einen fulminanten Start hin. Es war der größte Börsenstart eines Tech-Unternehmens in den letzten zwei Jahren – und das, obwohl das Unternehmen noch keinen Dollar verdient hatte. Weitere bekannte Ridehailing-Anbieter sind Via in den USA und Didi in Asien. Besonders der asiatische Markt boomt. Das Umsatz-Ranking in diesem Segment, führt China an mit einem Marktvolumen von rund 32 Milliarden Euro, 62mal so viel wie Deutschland umgesetzt wird.

Der Unterschied liegt vor allem am stark regulierten Beförderungsgewerbe. Viele der genannten Fahrdienstvermittler sind in Deutschland in dieser Form nicht erlaubt. Für entgeltliche Personenbeförderung benötigen Anbieter und Fahrer hierzulande eine Lizenz, wie sie beispielsweise Taxifahrer haben.

Ridesharing & Ridepooling – die Einsammler

Neben Ridehailing gewinnen die Mobilitätskonzepte Ridesharing und Ridepooling Marktanteile. Beim Ridesharing handelt es sich um eine Fahrgemeinschaft oder eine Mitfahrgelegenheit, die mindestens zwei Personen befördert. Der Top-Player ist Blablacar aus Frankreich. Die Plattform ist laut Wikipedia in 22 Ländern aktiv. Ridesharing-Anbieter breiten sich jedoch immer weiter aus. Die 500.000 Kunden des Mitfahr-Pioniers Flinc hatte sich zuletzt Daimler gesichert. Der Automobilhersteller sieht das Start-up als idealen Beschleuniger für Ridesharing-Lösungen.

Die modernen Sharing-Dienste funktionieren via App. Der gewünscht Start- und Zielpunkt wird eingegeben, Passagier-und Abholzeit festgelegt. MOIA arbeitet beispielsweise mit virtuellen Haltestellen, die sich im Umkreis von 250 Metern befinden. Unterwegs steigen Fahrgäste hinzu, die zu einem ähnlichen Ziel unterwegs sind. Bislang gibt es den Ridesharing-Dienst der VW-Tochter nur in Hamburg und Hannover. Ähnliche Konzepte verfolgen Clevershuttle sowie Berlkönig der Berliner Verkehrsbetriebe. Während ersterer in vielen deutschen Großstädte fährt, beschränkt sich Berlkönig auf die Hauptstadt. Iokishuttle der Deutschen Bahn verfolgt ebenfalls ein Mobility-as-a-Service-Konzept, als Ergänzung zum bestehenden ÖPNV. Tesla kündigte unlängst an, auch in das Ridesharing Business einzusteigen – mit autonom fahrenden Robo-Taxis.

Viele der neuen Anbieter sind streng genommen Ridepooling-Konzepte. Der Unterschied zwischen Ridesharing und Ridepooling liegt im Algorithmus. Dieser berechnet die Strecken und bündelt Fahrgästen mit ähnlichem Ziel effizient und automatisch. Somit ist jeder Ridepooling-Anbieter gleichzeitig ein Ridesharing-Anbieter, aber nicht jeder Ridesharing-Anbieter auch ein Pooling-Anbieter.

What’s next? Ride-Country-Angebote und Flugtaxis

Ridehailing, Ridesharing und Ridepooling-Dienste haben genauso wie Carsharing-Anbieter das Potenzial, sich als Ergänzung oder sogar als Ersatz für das eigene Fahrzeug durchzusetzen. Im besten Fall reduziert sich durch die neuen Angebote die Verkehrslast auf deutschen Straßen, was nicht nur weniger Verkehr, sondern auch weniger Emission bedeuten würde.

Damit können die modernen Mobilitätsdienste zur Nachhaltigkeit beitragen. Zudem sparen sie den Nutzern Zeit und Geld im Vergleich zum eigenen Auto. Parkplatzsuche und Anschaffung sowie Unterhalt fallen weg.

Die nächste Etappe im Rennen der neuen Mobilitätskonzepte ist die Erschließung der ländlichen Gebiete und des Luftraums. Ansätze, die den ÖPNV ergänzen, gibt es: Der Landkreis Hof wird bald mit einem Ridepooling-Konzept starten. 200 virtuelle Haltstellen sind über einem Gebiet von 120 km verteilt und ermöglichen auch in ländlich geprägten Regionen innovative Mobilität. Die Software kommt vom Anbieter door2door, einem Mobility-Start-up aus Berlin, das mit seinem eigenen Allygator-Shuttle bereits einen eigenen Ridesharing-Dienst am Start habt.

Der Einstieg von Daimler bei Volocopter zeigt, wo die Mobilitätsdienste-Reise in Zukunft gehen könnte: in die Luft. Das Münchener Unternehmen Lilium plant bereits einen On-Demand-Flugtaxi-Service. Der Jungfernflug verlief erfolgreich. 2025 soll der Dienst starten.

Wie beim Car- und beim Ridesharing werden die großen Automobilkonzerne zunächst die neuen Geschäftsmodelle der Start-ups im Detail verfolgen und bei entsprechendem Erfolg in ihre Strategien integrieren. Neue Mobilitätskonzepte gelten nicht umsonst bei zwei Dritteln der Automobilunternehmen in Deutschland als Top-Wachstumstreiber der Zukunft, zeigt unser Branchenkompass Automotive 2019.

Foto: Getty Images / Tero Vesalainen


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