Digitale Exzellenz
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Nachhaltigkeit braucht Nachweise

, vor 2 Wochen

Fotocredit: Getty Images / Witthaya Prasongsin

Lesezeit: 6 Minuten

Nachhaltigkeit braucht Nachweise

Das Streben nach Nachhaltigkeit ist zu einer festen Größe für nahezu jedes Unternehmen und jede Behörde geworden. Das hat nicht nur mit dem drohenden Klimawandel zu tun, dem es gegenzusteuern gilt. Die insgesamt 17 Nachhaltigkeitsziele der UNO umfassen tatsächlich sehr viel mehr. Organisationen müssen Nachhaltigkeit daher in ihrer Strategie und ihrer täglichen Arbeit verankern – und zwar in all ihren Ausprägungen –, und sie müssen ihr nachhaltiges Handeln nachweisen können.

Es ist für Wirtschaft und öffentliche Verwaltungen mit Fokus auf ihre Kundinnen und Kunden unerlässlich, sich umfassende Nachhaltigkeitsziele zu setzen und ihre Umsetzung zu messen, wollen sie sich nicht dem schnell erhobenen und oft zutreffenden Vorwurf des Green Washing aussetzen.

Enormer Aufwand für einen kompletten Umbau

Das Streben nach Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette ist eine enorme Aufgabe für Organisationen. „Wenn wir die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens erreichen wollen“, sagt etwa Christian Klein, Professor für Sustainable Finance an der Universität Kassel im Interview für den Managementkompass Nachhaltigkeit durch Digitalisierung von Sopra Steria, „dann müssen wir unsere Wirtschaft komplett umbauen.“


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Aber es gibt zwei gute Nachrichten: Erstens sind die Mitarbeitenden in Unternehmen und Verwaltungen bereit dazu. Einer Forsa-Umfrage aus 2021 zufolge wünscht sich eine Mehrheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, „dass das Thema Nachhaltigkeit in ihrem Arbeitsalltag eine noch größere Rolle spielt“. Und knapp die Hälfte der Beschäftigten in mittelständischen Unternehmen erhofft sich ein stärkeres Engagement ihres Arbeitgebers für den Umwelt- und Klimaschutz. Damit sind die wichtigsten Stakeholder schon im Unternehmen zu finden. Nachhaltigkeitsstrategien sorgen übrigens auch für mehr Attraktivität bei der Suche nach Fachkräften, die sich dieses Engagement ebenfalls wünschen, wenn sie es nicht sogar von ihrem potenziellen Arbeitgeber erwarten.

Zweitens: Moderne ITK-Infrastrukturen unterstützen die Strategien für mehr Nachhaltigkeit. Zwar gilt die IT nach wie vor nicht nur als Nutzen-, sondern auch als erheblicher Kostentreiber: Sie verbraucht viel Energie und ist daher, so gesehen, immer auch Teil des Problems. Aber sie hilft entscheidend dabei mit, die Umsetzung ambitionierter Nachhaltigkeitsziele messbar zu machen – dem Ökonomen Peter Drucker zufolge das zentrale Moment bei der Verwirklichung dieser Ziele: „Was du nicht messen kannst, kannst du nicht lenken“, soll er gesagt haben.


Gifmethenews: Nachhaltigkeit ist mehr als Klimaschutz
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Dabei ist das nur die halbe Wahrheit. Denn ausgerechnet die IT entzieht sich diesem Postulat weitgehend, wie das Gespräch mit dem Würzburger Informatiker André Bauer im Managementkompass zeigt. Dabei wäre es gerade für die IT enorm wichtig, den eigenen Energieverbrauch zu erheben, um gezielt Einsparpotenziale zu identifizieren. Aber bis auf Schätzungen weiß man wenig Genaues dazu: Der komplexe Wirkzusammenhang zwischen unendlich vielen Kombinationen von Hard- und Software sowie der Bedienung beider macht das Messen des tatsächlichen Energieverbrauchs der IT schwer bis unmöglich. Der Hightech-Branchenverband Bitkom und Informatiker Bauer verlassen sich daher mangels harter Fakten auf Schätzungen und heuristische Näherungen, die im Grunde dasselbe sind. Der Bitkom etwa schätzt, dass sich durch den Einsatz von digitalen Technologien bis 2030 rund 61 Megatonnen CO2-Äquivalenten einsparen lassen.

Der Wissenschaftler André Bauer empfiehlt trotz fehlender Zahlen aber, dennoch mit dem Sparen zu beginnen, denn das ist auch unter widrigen Bedingungen sinnvoll. Er hält zum Beispiel die Cloud für energiesparender als das eigene Rechenzentrum – und das nicht nur, weil das Problem ausgelagert wird, sondern weil sich zentrale Rechenzentren in der Regel energieeffizienter betreiben lassen als die firmeneigene Infrastruktur. Microservices statt monolithischer Suiten – auch das ist seiner Überzeugung nach sparsamer, genauso wie der Verzicht auf schwerfällige und damit oft energiehungrige Legacy-Software. Man lerne daraus: Energiesparen geht auch ohne Kennzahlen.

Fehlende Nachhaltigkeit kann die finanzielle Performance gefährden

Aber das ist keine Gegenrede, sondern nur ein Hinweis darauf, dass fehlende Kennzahlen nicht als Ausrede gelten sollten. Wichtig sind die KPIs dennoch, wie unser Vorstand Frédéric Munch in seinem Grußwort zum Managementkompass unmissverständlich klarstellt: „Ausbleibende Nachhaltigkeitsmaßnahmen können die finanzielle Performance gefährden“, schreibt er und: „Unternehmen brauchen daher konkrete KPIs, die die Auswirkungen von nachhaltiger Wertschöpfung auf Gewinn und Verlust darstellen. Die Digitalisierung und die Fähigkeit, Daten zu erheben, zu verknüpfen und zu analysieren, spielen dabei eine zentrale Rolle.“

Besonders der letzte Satz dieses Zitats ist enorm wichtig für den Erfolg von Nachhaltigkeitsstrategien: Die Digitalisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette erzeugt einen Großteil der Daten, die für das Messen von Nachhaltigkeit notwendig sind. Und Ansätze wie Process Mining helfen mit den Mitteln der IT, diese Daten zu finden, für Messungen aufzubereiten und so das Potenzial für Verbesserungen zu identifizieren. Grundlage dieser Methode sind unter anderem die vielen Protokoll- und Verlaufsdateien, die die IT-Aktivitäten einer Organisation im Betrieb erzeugen – die Server tun das, jeder Desktop-Computer, jeder Browser und auch jedes mit dem Internet der Dinge verbundene Gerät.

Es gibt keine allgemeingültigen Kennzahlen

Doch welche Kennzahlen sind wichtig für Nachhaltigkeit im Sinne der ESG-Ziele? Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort, denn das hängt von den strategischen Zielen ab, die sich eine Organisation setzt. Wichtig im Sinne umfassender Nachhaltigkeit ist es, seine Ziele über die ganze Breite zu streuen, also nicht nur ökologische Ziele zu setzen, sondern auch Ziele zum sozialen Verhalten und zur unternehmerischen Nachhaltigkeit.

Um die KPIs zu diesen Zielen zu finden, steht das Instrument der sogenannten Wesentlichkeitsanalyse zur Verfügung. Darüber lassen sich die Themen identifizieren und in den Mittelpunkt rücken, die wesentlich zu Nachhaltigkeit entlang der Wertschöpfung beitragen. Im Durchschnitt, schreibt die Finanzwirtin Sylvia Meier in einem Beitrag, würden Unternehmen 14 Themen dafür identifizieren, möglich seien aber bis zu 35.

Wichtiger als die bloße Zahl ist beim Umgang mit KPIs für Nachhaltigkeit ein anderer Faktor, die Transparenz. Organisationen müssten glaubhaft belegen, dass sie nachhaltig sind oder nachhaltiger werden, so der bereits zitierte Christian Klein. Das Zauberwort dafür ist für ihn Transparenz — und zwar auf allen Ebenen. „Die stellen Unternehmen mit Nachhaltigkeitsberichten her“, in denen die Kennzahlen sichtbar und nachvollziehbar sind. „Das ist wahnsinnig aufwendig“, ergänzt Klein. Eine Alternative – zumindest keine inhaltliche – gibt es aber für die Organisationen nicht, die ihre eigene Glaubwürdigkeit und damit auch die eigene Wettbewerbsfähigkeit stärken und nachhaltig die eigene Klima-, Sozial- und Governance-Bilanz aufbessern möchten. Sie können allerdings an der Methodik, der Aufbereitung, der Kommunikation und den Prozessen arbeiten.

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Den kompletten Managementkompass „Nachhaltigkeit durch Digitalisierung“ von Sopra Steria kann hier kostenfrei heruntergeladen werden.