Qualifikation 2.0: Warum Mitarbeiter der wichtigste Wettbewerbsvorteil sind

Qualifikation 2.0: Warum Mitarbeiter der  wichtigste Wettbewerbsvorteil sind
Mike Muhl
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Die Beschäftigten sind aus Sicht vieler Entscheider der Wettbewerbsvorteil Nummer 1. Der Grund dafür ist nicht zuletzt in der Everything-as-a-Service-Welt zu suchen. Sie führt dazu, dass Unternehmen die Qualifikation ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter neu denken müssen, wenn sie der Konkurrenz gegenüber im Vorteil sein wollen.

Was ist der größte Wettbewerbsvorteil von deutschen Unternehmen in der Gegenwart? Es sind die Beschäftigten. Was wird der größte Wettbewerbsvorteil in den kommenden Jahren sein? Es sind ebenfalls die Beschäftigten. Bemerkenswert ist an diesem Ergebnis unserer Umfrage unter 1.000 Entscheidern vor allem die Deutlichkeit. Während die Mitarbeiter von 61 Prozent der Befragten beim Blick auf die kommenden drei bis fünf Jahre als Wettbewerbsvorteil genannt werden, sagen dies nur 49 Prozent über die Qualität und Verfügbarkeit von Produkten – dabei ist das schon der zweithäufigste genannte Vorteil auf der Liste von insgesamt 16.

Offene Stellen sind Symptom, nicht die Ursache

Natürlich, es gibt in vielen Branchen einen Fachkräftemangel, der die Fokussierung auf Mitarbeiter ein Stück weit rechtfertigt. Doch das Ergebnis der Umfrage allein mit Zahlen offener Stellen in einzelnen Berufsgruppen erklären zu wollen, greift zu kurz. Zumal offene Stellen immer nur Symptom und nicht Ursache sind. Bei der Mitarbeiterfrage geht es aber grundsätzlich um sehr viel mehr.

Die Digitalisierung schafft derzeit den Einstieg in eine „Everything as a Service“-Business-Welt. Software lässt sich „as a Service“ nutzen, ebenso Infrastruktur und Plattformen. Für viele Unternehmen steckt darin ein gewaltiges Potenzial. Sie können ihre eigenen Produkte „as a Service“ anbieten, so dauerhaften Umsatz generieren und gleichzeitig hochgradig flexibel auf ein sich stetig veränderndes Marktumfeld reagieren, ohne dabei gleichzeitig den Kunden jedes Mal erneut für die Nutzung anwerben zu müssen. Auf der anderen Seite profitieren Unternehmen, die „As a Service“-Leistungen nutzen, in ähnlicher Weise. Sie können Kosten minimieren, indem sie in Pay-per-use-Varianten – wie beispielsweise beim Einsatz vieler Cloud-Dienste – nur zahlen, was sie nutzen und wirklich benötigen.

Den Unterschied machen die Mitarbeiter in der „Everything as a Service“-Welt

Der „Everything as a Service“-Bereich wächst – und zwar rasant. Allein für 2020 geht Gartner von Umsätzen in Höhe von 257 Milliarden US-Dollar aus, 2022 sollen es bereits mehr als 360 Milliarden US-Dollar sein. Doch eine Folge dieser „Everything as a Service“-Welt ist, dass sich auch die Konkurrenz in kürzester Zeit dieselben Leistungsbausteine zusammenbuchen kann, die beispielsweise der Marktführer nutzt. Technologische Wettbewerbsvorteile lassen sich also immer schneller einholen und reichen für sich genommen immer weniger zur Differenzierung. Den Unterschied schaffen die Mitarbeiter – mit Fähigkeiten, über die sie heute vielleicht noch nicht verfügen, mit Ideenreichtum, mit Kreativität, mit sozialer Kompetenz, andere mitzureißen.

Digital Empowerment

Für den kontinuierlichen Erhalt des Wettbewerbsvorteils Mitarbeiter ist es wichtig, Menschen und Technologien enger zusammenzubringen, Berührungsängste und mögliche Know-how Unterschiede zwischen Generationen abzubauen. Die Digital Natives gewinnen zwar zahlenmäßig dazu, doch eine Mehrheit stellen sie noch lange nicht. Und selbst wenn der Tag gekommen ist, an dem die Digital Natives den Ton angeben, bleibt fraglich, ob auch ihre Vertrautheit mit dem Internet allein ausreicht, um beim schnellen Wandel der Technologien mitzuhalten. Für Unternehmen kommt es drauf, in einen Baustein digitaler Exzellenz besonders zu investieren: Digital Empowerment. Sie sollten Strukturen schaffen, um ihre Mitarbeiter in der digitalen Transformation voranzubringen, mit ihnen Kompetenzen für den eigenen Bedarf zu erarbeiten und Freiräume schaffen, damit Kreativität in Verbindung mit technologischen Lösungen den Unterschied machen.

Selbst Entwickler sehen sich mit der Situation konfrontiert, dass Machine Learning und KI immer stärker in ihre Arbeit eingreifen und viele klassische Aufgaben des Programmierens übernehmen. Das schafft Freiräume für Kreativität und neue Ideen – und mit denen lassen sich Vorteile gegenüber der Konkurrenz erarbeiten. Hier sind nicht zuletzt die Personalabteilungen von Unternehmen gefordert, einen holistischen Blick auf die Beschäftigten einzunehmen. „What’s your Edge?“ ist jedenfalls eine Frage, die in jedes Mitarbeitergespräch gehört.

Foto: Getty Images / Deagreez


Mike Muhl

Mike Muhl ist Leiter Human Capital Management bei Sopra Steria. Er befasst sich im Schwerpunkt mit der Unterstützung von Personalabteilungen durch Digitalisierung.


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