So steht es um die digitalen Kompetenzen eines Mediziners im 21. Jahrhundert

Digitale Kompetenzen Mediziner
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Das Thema Digitalisierung ist seit fast einem Jahrzehnt ein wesentlicher Bestandteil in allen Lebensbereichen des Menschen – so auch in der Medizin. Digitale Patientenakten, Health-Apps und digitale Gesundheitsanwendungen sind nur einige Beispiele für zahlreichen Digitalisierungsansätze. Das Ziel dabei ist es, die Versorgung der Patientinnen und Patienten zu vereinfachen und effektiver zu gestalten. Trotz des stetigen Wandels und vieler Fortschritte, sind weiterhin große Lücken in der Zusammenarbeit der beiden Disziplinen Digitalisierung und Medizin zu finden.

Um diese Lücken zu schließen, sollte bereits während der Ausbildung von Medizinern zumindest ein Teilfokus auf das Themengebiet digitale Medizin gelegt werden. Im Folgenden wird der aktuelle Stand der Digitalisierung in der Medizin dargestellt. Basis ist eine Befragung unter Professoren, Ärzten und Studierenden der Humanmedizin.

Warum sich digitale Innovationen in der Medizin lohnen

Wie bereits erwähnt, können digitale Ansätze in der Medizin dazu beitragen, die Versorgung der Patientinnen und Patienten zu vereinfachen und effektiver zu gestalten. Dafür müssen Synergien zwischen der klassischen Medizin und den Informationstechnologien geschaffen werden. Die Vorteile wären dann folgende:

  • Neue und wirksame Geschäftsprozesse: Mit Hilfe von digitalen Technologien können Behandlungen unbürokratischer, schneller und zuverlässiger durchgehführt werden.
  • Neue und leistungsfähige Arbeitswelt: Technologien zur Datenauswertung können Fachkräften bei Diagnosen helfen.
  • Entlastung im Beruf: Wenn analoge Vorgänge zukünftig digital gestaltet werden, bleibt Fachkräften mehr Zeit für die Patientenversorgung und Fürsorge.
  • Digitale Plattformen: Durch einen unabhängigen Zugang zu medizinischer Beratung können stationäre Praxen entlastet werden.

Durch digitale Hilfsmittel rücken somit Patienten wieder in den Vordergrund. Carolina Becker-Lopez – Studentin der Humanmedizin an der Uni Mainz – sieht insbesondere die Vereinfachung administrativer Abläufe als großen Gewinn der Digitalisierung. Sie sagt:

„Durch digitale Prozesse können Abläufe im Krankenhaus und Praxen automatisiert werden. Ein großer Zeitfresser ist beispielsweise die wiederkehrende Suche nach Patientenakten. Wären sie digitalisiert, könnten Ärzte die Zeit für den Patienten verwenden, statt für die Suche nach Akten. Das ist generell ein großes Potential: Die Digitalisierung könnte bürokratische Aufwände minimieren und mehr Zeit für das Wesentliche freischaufeln. Das wäre nicht nur für Ärzte ein Vorteil, sondern für das gesamte Krankenhaus- oder Praxispersonal.”

So stehen Ärzte und Patienten zur Digitalisierung in der Medizin

Seitens der Patienten existiert die Nachfrage nach einer digitalisierten medizinischen Versorgung. Ganze 60 Prozent können sich vorstellen, digital mit ihrem Arzt zu kommunizieren (Anm. der Red.: siehe auch: Mehr E-Health in Deutschland: Die Patienten wären soweit). Auch gegenüber Künstlicher Intelligenz, wozu zum Beispiel die Versorgung durch Roboter gehört, sind 40 Prozent der Deutschen nicht abgeneigt. Dadurch könnten Angehörige entlastet sowie die Lebenssituation der Betroffenen verbessert werden.

Seitens der Ärzte ist die Überzeugung in Bezug auf die Einführung digitaler Technologien wenig stark ausgeprägt oder nicht vorhanden. Ein Blick auf den Einsatz digitaler Technologien durch medizinisches Fachpersonal und Ärzte in Deutschland zeigt, dass dieser nur bedingt zum Einsatz kommt. Lediglich die elektronische Gesundheitskarte und der digitale Dienstplan wurden 2020 von mehr als der Hälfte der befragten Ärzte genutzt.

Der Grund dafür ist unter anderem, dass es noch einige Wissenslücken gibt und gesetzliche Grundlagen unklar sind. Wer ist verantwortlich, wo soll angefangen werden, was geht über die Kompetenzen eines Mediziners hinaus und was ist selbstverständlich?

Welche Kompetenzen benötigen Ärzte in Hinblick auf die digitale Zukunft?

Im besten Fall verfügt ein Arzt nach seiner Ausbildung über organisatorische, fachliche, kommunikative und soziale Kompetenzen. Seit dem Ausbruch von Corona haben 41 Prozent der Ärzte in der Primärversorgung mit digitalen Ansätzen gearbeitet. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass zu den schon vorhandenen Kompetenzen die digitale Kompetenz hinzukommen muss. Dadurch können Ärzte neue Innovationen besser verstehen und sie anschließend in der Praxis umsetzen.

Dr. rer. nat. Sven Meister, Lehrstuhlinhaber der Gesundheitsinformatik an der Universität Witten/Herdecke, erläutert, wozu digitale Kompetenzlücken bei Ärzten führen können:

„Fehlende digitale Kompetenz wird vorerst dazu führen, dass Digitalisierung freiwillig nicht stattfindet. Andererseits ist jeder Mediziner spätestens bei Übernahme oder Aufbau einer Praxis gezwungen, sich mit Fragen der Telematikinfrastruktur (Konnektor, SMCB, eGK-Leser) auseinanderzusetzen. Spätestens wenn Patienten vermehrt Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGa) oder die Einstellung von Daten in die elektronische Patientenakte (ePA) einfordern, tangiert fehlende Kompetenz die Kontinuität der Versorgung.”

Der Lösungsansatz für die Zukunft

Im Grunde klingt die Lösung sehr simpel: die digitalen sowie technologischen Veränderungen müssen bereits in der Aus-, Weiter-, und Fortbildung gelehrt werden. Einen ersten Ansatz bietet das Curriculum 4.0 „Medizin im digitalen Zeitalter”. Zu den Modulen gehören unter anderem: Digitale Arzt-Patienten-Kommunikation, Smart Devices und medizinische Apps, Telemedizin oder Künstliche Intelligenz. Für die Umsetzung erfordert es jedoch ein hohes Maß an Umdenken seitens aller involvierten Akteure.

Hintergrundinformationen

Alle Zahlen und recherchierten Inhalte für die Studie „Der Digitale Arzt – welche Rolle spielt Digitalisierung in der medizinischen Ausbildung?“

Über den Autor:

Christian Margol arbeitet als Project Manager für die Online-Arztpraxis ZAVA (bisher DrEd). ZAVA ist mit über 1 Million Beratungen und Behandlungen führender Anbieter telemedizinischer Leistungen in Deutschland. Europaweit wurden seit 2011 über 5 Millionen Konsultationen für Patientinnen und Patienten aus Deutschland, Großbritannien, Irland und Frankreich durchgeführt.


Foto: https://pixabay.com/vectors/doctor-hospital-bless-you-medical-5187733/


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