Digitalisierung als Klimaretter

Digitalisierung als Klimaretter

Das Ergebnis des Klimagipfels in Paris im Dezember 2015 hat allerorts für Euphorie gesorgt. Für Bundesumweltministerin Barbara Hendricks wurde „Geschichte geschrieben. Das ist das erste Klimaabkommen, bei dem sich alle Staaten das gemeinsame Ziel setzen, den Klimawandel auf weniger als zwei Grad zu begrenzen.“ Nun gilt es, den Wandel in den Unternehmen zu gestalten. Die Digitalisierung wird dabei eine wichtige Rolle spielen.

Digitale Exzellenz ist der Hebel für ökologische Exzellenz

Die in Paris beschlossenen Klimaziele bedeuten, dass Nachhaltigkeit in den Unternehmen vom Randthema ins Zentrum der Geschäftsstrategie rückt. Wer ökonomisch vorne dabei sein möchte, muss künftig auch ökologisch fit sein. Und der Weg dahin führt über die Digitalisierung der Wirtschaft. Digitale Exzellenz wird einen entscheidenden Beitrag leisten, die Transaktionskosten für das Aufhalten des Klimawandels zu reduzieren. Dadurch ist es beispielsweise möglich, die gesamte Energienutzung so intelligent zu steuern, dass wir weniger Energie verbrauchen. Ein weiteres Beispiel ist die minimierte Bewegung von Gütern. Ausgeklügelte, IT-gestützte Produktions- und Logistikkonzepte und Bauteile aus dem 3D-Drucker sorgen für weniger Lieferverkehr.

Neue ökologische Mobilität

Eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung der Klimaziele hat die Automobilbranche. Durch die Abmachungen von Paris und ein Umdenken bei den Verbrauchern ist es unumgänglich, Mobilität als Kernversprechen der Automobilindustrie neu zu denken. Der Spaß an der Bewegung wird noch stärker mit dem sinnvollen Einsatz von Mobilität und Transport gekoppelt. Datengetriebene Geschäftsmodelle, agile Strukturen und die intensive Einbindung der Informationsdaten aus der Umwelt führen zu orts- und zeitpunkteffizienten sowie langfristig nachhaltigen Entscheidungen im Sinne einen „Eco-Eco-Systems“.

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Quelle: EDAG – Machbarkeitsstudie: Fahrzeugbauteile aus dem 3D-Drucker – Zukunftsoption für ressourcenschonende Fahrzeugkonstruktion.

Neue Rahmenbedingungen für die Automobilbranche

Im Automobilbau wird damit digitaler Wandel zur federführenden Disziplin, um die staatliche geforderte Öko-Exzellenz zu erreichen. (Open)-Big Data, Data Science, Connectivity und Antriebsstrang-Messdatenkontrolle zur Steuerung der weltweiten Fahrzeugpopulation werden deutlich an Relevanz gewinnen.

Das hat Gründe: Staaten in der gesamten Welt werden Wege finden, die Ecological Compliance umzusetzen, zu der sie sich in Paris verpflichtet haben. Schließlich wollen sie in fünf Jahren Erfolge berichten. Zudem werden Investoren genau hinschauen, welche Auswirkungen nationale Gesetzesänderungen auf den Automobilsektor haben. Sie werden ihre Finanzierungsentscheidung stärker an die Umsetzung von Klimazielen koppeln.

Der Staat wird zudem Verfahren und Kennzahlen entwickeln, klimakonformes Verhalten zu messen und zu sanktionieren. Auch dabei wird Digitalisierung eine zentrale Rolle spielen. Staaten werden zur Durchsetzung von Gesetzen Realtime-Daten über Fahrzeuge, Emissionsentwicklungen verlangen und auf finanzpolitischer Seite steuerliche Instrumente weiter forcieren. In Hessen denken heute schon Städte darüber nach, den Zugang für Dieselfahrzeuge zu verbieten.

Heute sichtbare Umweltsanktionen, morgen digital exzellente Unternehmensführung

Die Verantwortung der Automotive-Industrie ist zusammen mit den Energieversorgern ein zentraler Hebel im Kampf gegen den Klimawandel. Es wird allerdings nicht mehr reichen, sich auf komfortable Positionen zurückzuziehen, zum Beispiel für die Nutzung der Produkte nicht verantwortlich zu sein. Sobald eine Kopplung aus internationalen Vereinbarungen und lokaler Gesetzgebung entsteht, muss jeder Hersteller nachweisen, dass beides, der energieminimale Prozess der Herstellung als auch die versprochenen Eigenschaften des Produktes in seiner Nutzung zwingend eingehalten werden. Diese energiebilanziellen Anforderungen erfüllen digital exzellente Unternehmen, die bereits heute beginnen, den Grundstein für morgen zu legen.

Digitale Transformation ermöglicht erst ökonomische und ökologische Transformation

Die Transformation der Automobilindustrie ist damit die Grundlage dafür, sich Optionen zu schaffen, im heute digitalen Geschäftsumfeld Gewinne zu erzeugen und um zukünftig zu bestehen. Rechtzeitige Investitionen in Innovation und digitale Exzellenz heute, sorgen für ökonomische- und ökologische Exzellenz in der Zukunft – und damit im Ergebnis für einen globalen Wettbewerbsvorteil.


Bildquelle: iStockPhoto


Axel Fräßdorf

Axel Fräßdorf ist Experte im Bereich Automotive bei Sopra Steria Consulting. Er ist Brancheninsider, eines seiner Schwerpunktthemen ist die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle im Automobilsektor.


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