Digital Skills Gap überbrücken

Digital Skills Gap

In den Unternehmen in Deutschland klafft eine riesige Lücke digitalen Denkens. In unserer Studie Digitale Exzellenz äußerten gerade einmal sieben Prozent der Firmen, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind gut auf die Digitalisierung vorbereitet. Um diese Lücke in puncto digitaler Kompetenz (englisch: Digital Skills Gap) zu schließen, gibt es zwei Wege:

  1. Mitarbeiter befähigen und Rahmenbedingungen verbessern
  2. Mitarbeiter mit Digital-DNA einstellen

Bei beiden Ansätzen tun sich die Unternehmen hierzulande noch schwer, zeigt die folgende Infografik. Ein knappes Drittel der Firmen hat Maßnahmen als Arbeitgeber ergriffen, damit Digital Natives bei ihnen anheuern. Der Anteil derer, die ihre Belegschaft systematisch weiterqualifiziert, ist sogar noch geringer (19 Prozent).

Digital Skills Gap, Digitalisierung

Digitalisierung ist keine Frage der Technik

Die Ergebnisse deuten auf eine ganz natürliche Entwicklung hin: Man geht erst einmal die Themen an, bei denen man schneller und einfacher Erfolge erzielen kann. Für Unternehmen mit dem Ziel digitale Exzellenz ist es deutlich einfacher, technologisch aufzurüsten und Geschäftsabläufe durch IT-Anwendungen effizienter und flexibler zu gestalten. Deshalb liegt hier häufig der Schwerpunkt. Die Themen, die einen längeren Atem erfordern, stellt man lieber zurück.

Die Krux an der Sache: Der bloße Einsatz innovativer IT für einen schlanken Workflow mit stringenteren Prozessen ist noch lange keine Garantie für das Erreichen digitaler Exzellenz. Dafür muss man Disziplinen beherrschen, bei denen der Mensch im Fokus steht. Die Verankerung des digitalen Wandels auf der obersten Führungsebene (Digital Leadership) ist unverzichtbar. Nur die Unternehmenslenker können Entscheidungen in der erforderlichen Größenordnung herbeiführen, um die nötigen organisatorischen und kulturellen Veränderungen im Unternehmen anzustoßen. Dazu gehört auch die zweite Kerndisziplin, die digitale Befähigung der Mitarbeiter (Digital Empowerment).

Diese beiden Schritte dauern allerdings seine Zeit. Zeit, die nicht alle Unternehmen im harten Wettbewerb um digitale Strategien haben. Deshalb kommt man nicht darum herum, zweigleisig zu fahren und sich von außen gute Leute in Haus zu holen. Dafür braucht es allerdings ein Umfeld, bei dem digitale Talente sagen: „Ja, da möchte ich arbeiten.“ Konkrete Ansatzpunkte sind beispielsweise ein unkomplizierteres, transparentes Bewerbungsverfahren, eine offene Kommunikation, flexible Arbeitszeitmodelle und mehr Offenheit gegenüber modernen Formen der Zusammenarbeit wie Social Collaboration.

Bei Qualifizierung an einem Strang ziehen

Eine dritte Komponente, um das Digital Skills Gap zu schließen, darf nicht unter den Tisch fallen: Digitale Exzellenz sollte als gesamtgesellschaftliche Anstrengung begriffen werden. Schulen und Hochschulen benötigen mehr Mittel, um ihre Angebote zu erweitern. Im Bereich der dualen Ausbildung müssen neue Wege gefunden werden, insbesondere was den IT-Anteil der Bildung in kaufmännischen Berufen anbelangt. Nur wenn das Thema in allen Stufen der Ausbildung und der Personalentwicklung mit Nachdruck vorangetrieben wird, kann digitale Exzellenz erreicht werden.

Wie das gehen kann, zeigt ein Beispiel aus Großbritannien. Dort hat sich die Organisation Go on UK gegründet. Ziel ist, die Lücke digitaler Fähigkeiten bei Menschen und Firmen auf breiter Ebene zu verringern. Es wird viel in Aufklärung investiert. Eine Heatmap zeigt unter anderem sehr deutlich, wo auf der Insel Digital Skills Gaps besonders gravierend sind. Zwölf Millionen Menschen und rund eine Million kleiner Unternehmen sind laut Go on UK nicht richtig auf das Digitalzeitalter vorbereitet.

Foto: istockphoto/Igor Sinkov


Michael Donat

Michael Donat ist bei Sopra Steria Consulting für die Personalarbeit verantwortlich. Davor war der Diplom-Psychologe in Personalleitungsfunktionen für die englische Private-Equity-Firma 3i, den deutschen Versicherungsmakler MLP sowie das Beratungsunternehmen BearingPoint tätig.


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