Business Model Innovation: Ab heute sind wir disruptiv

Business Model Innovation: Ab heute sind wir disruptiv

Gäbe es einen Studiengang „Digitale Exzellenz“ wären die Vorlesungen und Seminare für die Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle maßlos überfüllt. 93 Prozent der Unternehmen wollen in der Disziplin gut bis sehr gut abschneiden, zeigt unsere Bestandsaufnahme zur Digitalisierung deutscher Unternehmen und Behörden. Es scheint, als wolle jeder den nächsten disruptiven Knaller landen.

Bei aller Goldgräberstimmung: Nüchtern betrachtet ist Business Model Innovation ein laufender Managementprozess. Aber einer, der es in sich hat. Es geht darum, bestehende Geschäftsmodelle fortlaufend auf Digitalisierungspotenziale und -notwendigkeiten hin abzuklopfen und neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Ein Paradebeispiel ist Paypal. Das Unternehmen begann vor 15 Jahren mit Zahlungsdienstleistungen im Onlinehandel. Davon ist heute nicht mehr viel übrig. Das Geschäftsmodell hat den klassischen Interneteinkauf längst hinter sich gelassen und erstreckt sich prinzipiell auf jede Alltagszahlung. Das klassische Gegenbeispiel ist die Musikindustrie. Die Branche hat es versäumt, mit der Digitalisierung der Musik durch die CD auch passende Geschäftsmodelle zu entwickeln. Man hat damit unbewusst die Axt an das eigene Fundament gelegt.

Relevanz Business Model Innovation

Vier Knackpunkte für Business Model Innovation

Wer im Fach Business Model Innovation exzellent sein möchte, muss bereits Fortschritte in anderen Disziplinen vorweisen können, beispielsweise Digital Empowerment und Customer & Partner Engagement. Vier weitere Faktoren spielen ebenfalls eine wesentliche Rolle.

1. In Geschäftsmodellen denken

Die Entwicklung und Anpassung von Geschäftsmodellen ist eine interdisziplinäre Aufgabe. Unternehmen sollten möglichst vielen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vermitteln, in Geschäftsmodellen zu denken. Es kommt zum Beispiel darauf an mitzudenken, welche Kunden eine neue Dienstleistung kaufen sollen und welches aktuelle Problem durch eine Idee dadurch behoben wird.

2. Kreativitätsfördernde Umgebungen schaffen und Innovationsmethoden etablieren

Neue Geschäftsmodelle bringen Veränderung, sie erfordern aber auch einen Wandel in der Organisation. Innovationen entstehen nur, wenn man an den Rahmenbedingungen rüttelt. Die Voraussetzungen müssen stimmen, sonst macht jeder weiter wie bisher. Viele Unternehmen richten hierfür inzwischen Innovationslabore ein, schreiben Ideenwettbewerbe aus und probieren den Schwenk zu neuen Projektmanagementmethoden wie Design Thinking.

3. Technologisch am Ball bleiben

Besonders im konsumentenorientierten Markt müssen Unternehmen technologisch stets die Augen offen halten. Ständig kommen neue Versionen digitaler Endgeräte hinzu, Internetplattformen kommen und gehen. Hier heißt es, am Ball zu bleiben. Die Technik-Errungenschaften müssen allerdings für das eigene Geschäft relevant sein. Unternehmen sollen also nicht auf jeden Zug aufspringen.

4. Einen lange Atem haben

Andererseits zeigt sich der Mehrwert vielfach erst, indem man probiert und investiert. Twitter sucht bis heute nach der richtigen Cash Cow. Kostenpflichtige Tools und Werbung entwickeln sich jetzt erst zu tragfähigen Standbeinen. Das Geschäftsmodell wäre bei anderen Unternehmen durch das klassische Entscheidungsraster gefallen. Innovationsprojekte sollten daher in eigenen Entscheidungsstrukturen beurteilt werden. Der messbare Nutzen innovativer Technologien und Plattformen wird häufig erst nach Jahren deutlich.


Urs M. Krämer

Urs M. Krämer ist seit Anfang 2013 bei Sopra Steria Consulting und übernahm im April 2014 die Rolle des Chief Executive Officers. Der Stratege und Managementberater legt sein Hauptaugenmerk auf Performance und Change Management.


Kommentare

  1. Ein sehr schöner Beitrag, der mir aus der Seele Spricht 🙂 Ich bin gespannt, wie sich die Hochschulen tatsächlich dem Thema annehmen. In den USA sind es laut Business Model Report im Jahr 2015 etwa 250… Hier in Deutschland fängt derzeit eine an, zu dem Thema zu forschen, bei einer 2. versuchen wir grad dieses Thema in den Management Studiengängen zu verankern. Oberflächlich wird viel darüber geredet, in der Praxis sind die Expertisen mit den Tools und Methoden doch eher sehr dürftig (bis auf wenige Ausnahmen). Knackpunkt ist hier wirklich dabeizubleiben, was sehr einfach ist aber in der Unternehmenskultur verankert werden muss. Und es braucht einen Mentor in der Führungsebene…

    • Urs M. Krämer Urs M. Krämer sagt: März 7, 2016 at 7:59 am

      „Besten Dank Herr Rochel, für Ihren Kommentar und dass Sie uns bei der Relevanz des Themas beipflichten.“

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