Bürgernähe durch digitale Knöllchen – bitte mehr Digital Government!

Digital Government

Wer als Kontrolleur auf einem Parkplatz unterwegs ist, gehört zu einer Berufsgruppe mit einem anstrengenden Tagesgeschäft, in jeglicher Hinsicht. Unlängst berichtete das Online-Magazin Cloud Computing Insider von den Erlebnissen der Kontrolleure in Amsterdam, die bei ihren Patrouillen mit aggressiven und manchmal sogar gewalttätigen Autofahrern umgehen müssen. Das Verteilen von Strafzetteln für falsches Parken führte nicht selten zu gesundheitlichen Belastungen und zu hohen Arbeitsausfällen.

Die Stadt Amsterdam besann sich auf die Digitalisierung örtlicher Problemzonen. Ab sofort werden Strafzettel online ausgestellt und Parksünder durch den Einsatz mobiler Auto-, Motorroller- oder Fahrrad-Patrouillen per Kamera entdeckt. Digitale Parkplatzüberwachung erleichtert fortan den Kontrolleuren das Leben, im wahrsten Sinne des Wortes.

Der Generalschlüssel für digitale Bürgerdienste muss kommen

Die Idee der Stadtväter in Amsterdam ist schräg, und es klingt nicht einmal revolutionär. Aber sie ist effizient. „Seit der Einführung des neuen Systems ist die Produktivität gestiegen. Unsere Teams sind hoch motiviert, die Arbeitsausfälle sind stark zurückgegangen.”, zitiert Cloud Computing Insider Steven de Vos, Manager Enforcement von Egis Parking Services.

Mit Blick auf Deutschland erscheint das Thema Digital Government noch als zartes Pflänzchen. Dabei bringt der Entwurf für das neue Onlinezugangsverbesserungsgesetz (OZG) gerade mehr Bewegung in den Prozess. Mit zentralen Login-Daten sollen Bürger einen vollständigen Zugang zu allen online angebotenen Verwaltungsleistungen erhalten. Neben Benutzername und Passwort wird die elektronische Ausweisfunktion (eID) Bestandteil des Zugangs sein.

Fazit: Mit einem individuellen Generalschlüssel steigt die Attraktivität digitaler Bürgerdienste, und zwar mindestens proportional mit der weiteren Verbreitung von Smartphones und Apps. Hier sind ein paar praktische Beispiele, wie Bürger und Behörden durch die Digitalisierung wirksam entlastet, Wege und Wartezeiten deutlich verkürzt und zusätzlich viele Tonnen Papier eingespart werden können:

Apps für Renten, Steuern, BAFöG & Co.

  • Renten-App: Simulation der Alterseinkünfte bei Änderungen der persönlichen Lebens- und Einkommenssituation
  • Steuer-App: Adhoc-Analyse sämtlicher Transaktionen auf steuerliche Relevanz und direkte Rückmeldung vom Finanzamt, ob der Betrag in der Einkommenssteuererklärung geltend gemacht werden kann
  • BAFöG-App: Managen des gesamten BAFöG-Lebenszyklus, von der Empfehlung der passenden Förderungsmöglichkeit zur Beantragung bis zur Rückzahlung

Master-Key für die Privatwirtschaft

Noch besser wäre, die öffentliche Verwaltung verbündet sich in Sachen E-Government mit der Privatwirtschaft und schafft den Generalschlüssel für die gesamt Onlinewelt. Ein Verbund aus deutschen Unternehmen plant genau diesen „Master-Key für Internetnutzer“ und arbeitet dabei eng mit dem Bundeswirtschaftsministerium zusammen. Dieser soll es potenziellen Kunden zukünftig erleichtern, auf ihre Angebote schneller und effizienter zuzugreifen.

Das ist kein Wunder bei dem Handlungsdruck, den die Digitalisierung durch Cloud, Big Data, künstliche Intelligenz & Co. beim Management erzeugt. War die digitale Technik vorrangig bestimmt, die stetig wachsende Datenflut zu bändigen und die Arbeitskosten zu senken, geht es mittlerweile jedem dritten deutschen Unternehmenslenker und Business Developer vielmehr um die Beziehungen zum Kunden – zumindest bei Banken und Versicherungen.

Vielleicht noch eine Idee für diejenigen, die ihren Punktestand beim Kraftfahrt-Bundesamt senken möchten: Eine offizielle „Flensburg-App“ soll ab Jahresmitte dabei helfen den individuellen Wünschen zugeschnittene Angebote für den Punkteabbau zu machen. Für die besonders Fahrtüchtigen könnte anstelle eines Eignungsseminars eine gemeinnützige Aktivität in ihrer Kommune angeboten werden.

Das sind wirklich gute Aussichten für die deutschen Städte und Gemeinden – Digital Government sei Dank!


Torsten Sämann

Torsten Sämann ist seit 2012 bei Sopra Steria Consulting und Experte für IT-Infrastrukturen und IT-Service-Management. Der studierte Wirtschaftsinformatiker hat sich auf das Zusammenspiel von Cloud Computing mit IT-Trendthemen spezialisiert.

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