Blockchain – Wer hat’s erfunden…?

Blockchain

Bitcoin, Blockchain, Smart Contracts – drei Begriffe, die neuerdings in den Medien immer häufiger aufgegriffen werden. Laut Süddeutscher Zeitung ist ein regelrechtes „Fieber“ um die angeblich neue Blockchain-Technologie ausgebrochen. Doch so neu ist das Konzept gar nicht.

Ein Jahrhunderte bestehendes Prinzip

Das dahinter stehende Prinzip gibt es schon seit einigen hundert Jahren. Auf der mikronesischen Insel Yap entstand Rai, eine Währung auf Basis von Steinen. Die wurden mit großem Aufwand auf der benachbarten Insel Palau gefördert und nach Yap verschifft. Dadurch ließen sie sich nicht beliebig vervielfältigen und garantierte so ihre Werthaltigkeit. Einziges Manko: Die Steine wogen mehrere Tonnen. Das erwies es sich als sehr unpraktisch, die Steine zum Bezahlen einer Ware oder Dienstleistung von einem zum anderen Eigentümer zu tragen. Die Lösung: Es wurden lediglich die Transaktionen dieses Steingeldes mündlich überliefert und im Gedächtnis eines jeden abgelegt. Somit konnte jeder Einwohner nachvollziehen, wer der Eigentümer eines jeweiligen Steines war. Auch heute gilt Rai noch als offizielles Zahlungsmittel, wenn auch nur noch mit symbolischen Charakter. Auch auf Yap setzt man inzwischen überwiegend Papiergeld im Geschäftsverkehr ein.

Blockchain und Distributed Ledger Technology

Dieses durchaus geniale System erinnert stark an die Kryptowährung Bitcoin. Wie beim steinigen Zahlungsmittel Rai, wechseln auch hier keine Münzen oder Geldscheine physisch den Besitzer. Vielmehr werden die Transaktionen dauerhaft und unveränderbar erfasst. Dank heutiger Technik ist selbst ein gutes Gedächtnis ist nicht mehr gefordert. Jeder Marktteilnehmer hat eine digitale Kopie aller bisherigen Zahlungsvorgänge, die sich ständig aktualisiert.

Genau diese Kette aller bisherigen Zahlungsvorgänge kennzeichnet das Blockchain-Prinzip. Aus der gesamten Kette ergeben sich, wie bei einem Kontenbuch, einerseits die aktuellen Salden aller Marktteilnehmer. Zusätzlich wird der Ursprung der Bitcoins festgehalten. Die hinter den Transaktionen stehenden Klarnamen sind geheim.

Bei der Datenhaltung kommt die Distributed Ledger Technology (DLT) zum Einsatz. Somit wird die Bitcoin-Blockchain nicht von einer zentralen Instanz gespeichert, sondern verteilt bei jedem Marktteilnehmer. Bitcoin ist also eine Kombination aus Blockchain und DLT.

Was ist Blockchain

Erster Höhepunkt erreicht

Der erste Hype um Kryptowährungen auf Basis dieser beiden Technologien ist bereits verflogen. Der fulminante Aufstieg von Bitcoin erzeugte eine Spekulationsblase, die 2014 platzte. Verschärft wurde dieser Niedergang durch Mt. Gox, einer der bedeutenden Bitcoin-Handelsplattformen. Somit verwundert es nicht, dass die Innovationsstudie von Gartner zuletzt Börsen für Kryptowährungen bereits im Tal der Enttäuschung angekommen sieht.

Der Hype um verteilt gespeicherte Kryptowährungen konnte sich sowohl 2014 als auch 2015 halten. Die Blockchain-Technologie entwickelte sich weg vom reinen Zahlungsverkehr (Blockchain 1.0) hin zu Smart Contracts (Blockchain 2.0). Somit wurden 650 weitere Transaktionseinheiten ins Leben gerufen, allen voran Ether und Ripple. Auch hier scheint nun der erste Hype durchschritten, der Kampf um wenige Standards auf dem Markt hat bereits begonnen.

Blockchain-Chancen der nächsten zehn Jahre früh nutzen

Insgesamt lässt sich also folgern, dass sich DLT und Blockchain nach dem Durchschreiten ihres ersten Hypes noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befinden. Innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre sollten sich Standards in diesem Segment etablieren. Durch eine Weiterentwicklung der Gesetzgebung wird Rechtssicherheit für DLT und Blockchain geschaffen.

Die Nutzung der Technologie erfordert zudem weitere darauf aufbauende Dienste und Schnittstellen zu anderen Technologien. Daher empfiehlt es sich, trotz des frühen Innovationsstadiums keineswegs bis zur Marktreife zu warten. Besser ist, die Chancen der jetzigen Entwicklung beim Abflauen des Hypes antizyklisch zu nutzen, um sich früh mit einer starken Marktposition behaupten zu können. Durch die Entwicklung von Standards und Diensten kann man die Eintrittsbarrieren gegenüber neuen Marktankömmlingen erhöhen und Kunden frühzeitig an sich binden.

Demnächst steigen wir im Blog Digitale Exzellenz ein wenig tiefer in die technischen Hintergründe zu Blockchain und DLT ein und berichten über die Weiterentwicklung der Blockchain-Technologie.

Foto: istockphoto.com/cruphoto


Mustafa Cavus

Mustafa Cavus ist IT-Architekt bei Sopra Steria Consulting. Der studierte Informatiker hat sich auf die Themen Big Data und Blockchain spezialisiert.


Kommentare

  1. Bitcoin oder Blockchain hört sich gut an aber: Habe ich meine Bitcoins auf dem PC, und er ist aus irgendeinem Grund defekt, Blitzschlag, Überspannung, Festplatte defekt usw. ist das Geld bzw sind die Bitcoins weg. Deshalb werden hier auch wieder einmal Hosting-Banken angeboten. Ist mein geld aber auf einem anderen Server ist es wieder einmal Kontrolierbar. Interesant bei den Bitcoints war doch das die Leute, die von anfang an da waren, erst einmal Bitcoints finden mussten. Daher war zu anfang die Rede von Goldrausch. einer meiner Freund hatte sogar 2 Grafikkarten im wert von 1500€ eingebaut, nur weil er damit die Bitcoints schneller ausfindig machen konnte. Ende vom Lied: als es dann Mainstream wurde hat er alle Bitcoints verkauft und damit aufgehört. Fazit: Wer am Anfang dabi war hat gutes Geld verdient.

    • Mustafa Cavus Mustafa Cavus sagt: Oktober 14, 2016 at 2:47 pm

      Hallo Herr Aktan,

      Sie dürfen Blockchain nicht mit Bitcoins verwechseln. Kryptowährungen bilden nur einen Teil der Blockchain-Technologie ab. Die Idee bei Blockchain ist allgemeiner. Es geht bei Blockchain um den Transfer von Assets. Das können materielle (Auto, Kunstwerke, Diamanten, etc.) sowie immaterielle Güter (Patente, Musik, Geld, etc.) sein. Es gibt bei Blockchain unterschiedliche Topologie-Modelle, so dass sie die Schlüssel nicht immer lokal speichern müssen und entsprechend nicht verlieren können. D.h., die Verifikation ihrer Identität und die Validierung von Transaktionen geschieht durch definierte Server-Knoten. Dies reduziert zum einen, dass die vollständige Blockchain immer lokal repliziert werden muss. Zum anderen haben Sie eine höhere Sicherheit vor dem Verlust ihres Assets. Welche Topologie am besten für eine Blockchain geeignet ist, muss abhängig von Einsatzzweck beurteilt werden.

      Beste Grüße
      Mustafa Cavus

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