Banken und FinTechs – Miteinander oder Gegeneinander?

FinTech und Bank
Markus Malz
durch

FinTechs bedrohen und inspirieren Banken gleichermaßen. Die klassischen Spielregeln im Markt sind inzwischen aufgehoben. Obwohl die Angriffsfläche groß ist, gibt es als Reaktion nicht nur das Szenario Bank gegen FinTech, sondern auch Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Denn beide Parteien haben ihre Stärken.

Optionen der Zusammenarbeit

Banken, die sich einen Überblick im FinTech-Dickicht verschafft und Strategien ausgelotet haben, können daraus konkrete Stoßrichtungen für sich ableiten. Grundsätzlich bieten sich den Banken mehrere Optionen zum Umgang mit FinTechs.

FinTechs und Banken -  Miteinander oder Gegeneinander

Abwarten ist jedoch keine akzeptable Option, wenn man berücksichtigt, dass FinTechs in nahezu allen Bereichen Banken Ertragsanteile streitig machen können und das auch umsetzen. Rund 30 Prozent der Erträge bei deutschen Banken sind gefährdet.

Eigenentwicklung: Es werden eigene Ideen entwickelt oder sogar auf Basis von FinTech-Innovationen weiterentwickelt. Dies kann sowohl komplett intern oder mittels eines eigenen Innovation Lab (Synonyme: DigiLab, Digital Unit) erfolgen. Erfolgversprechender ist allerdings Eigenständigkeit innerhalb des Unternehmens, inklusive des Loslösens von bestehenden Prozessen, Strukturen, Verhaltens- und Denkweise sowie vom Standort. Diese Einheiten können sowohl eigenständig als auch mit einem externen Partner betrieben werden. Beispiele hierfür sind die Digitalfabrik der Deutschen Bank und die W&W Digital GmbH von Wüstenrot & Württembergische.

Inkubation: Der Begriff Inkubator kommt eigentlich aus der Medizin und bezeichnet eine Art Brutkasten für Frühgeborene. Übertragen auf den Bereich der FinTechs bedeutet dies eine Begleitung und Unterstützung von Startups in der Gründungsphase durch Schaffung einer optimalen Umgebung. Dies kann durch Einbringen von Know-how, durch Beratung und Coaching sowie Bereitstellung von Ressourcen wie Räumlichkeiten und Infrastruktur erfolgen.

Kooperation: Für diese Option haben sich viele Banken in der jüngeren Vergangenheit entschieden. Sie haben erkannt, dass einige FinTechs interessante Lösungen entwickelten, die gut in die bestehenden Prozesse integriert werden konnten. Ein Beispiel sind die diversen Lösungen von Anbietern der Video-Legitimation, um die Kontoeröffnung und Kreditanträge komplett digital zu ermöglichen. Die Kooperation von Banken und FinTechs ist geprägt von einem gemeinsamen Ziel und Vorteilen für beide Partner.

Venturing: Beim Venturing beteiligt sich die Bank an einem für das Institut interessanten FinTech. Das Ziel besteht darin, das Produkt oder die FinTech-Lösung in das eigene Angebot zu integrieren und weitere Abnehmer zu finden. Der Idee wird Potenzial zugeschrieben, ohne jedoch eine ausschließliche Integration im eigenen Unternehmen zu präferieren. Das bedeutet, es wird kein Alleinstellungsmerkmal erwartet, welches zu einem enormen Wettbewerbsvorteil in der Branche führen kann.

Akquisition: Im Gegensatz zum Venturing zielt der klassische Kauf von FinTechs auf die ausschließliche Integration in das eigene Angebot mit dem Ziel, sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Bei dieser Option verhalten sich deutsche Banken noch zurückhaltend. Andere europäische Banken wie die spanische Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) sind deutlich offensiver.

Vielleicht geht es auch „ohne“

Zusätzlich zur Kooperationsoption sollten sich Banken immer auch die Frage stellen, ob die Idee eines FinTechs eine der genannten Optionen überhaupt notwendig macht oder ob die Bank diese Idee nicht selbst umsetzen kann. Einige Banken verstehen es inzwischen ganz gut, durch Innovations- und Marktscreening von den FinTechs dazuzulernen.

Die pauschal beste Option gibt es nicht

Miteinander oder Gegeneinander? Egal wie die Beantwortung der Frage ausgeht, alle Unternehmen müssen sich im aktuellen Marktumfeld auf Innovationen einlassen. Die beste Option kann an dieser Stelle nicht pauschal für alle Marktteilnehmer getroffen werden. Alle Optionen – bis auf die des Abwartens – sind individuell für jede Bank und für jeden Geschäftsbereich zu analysieren und zu bewerten. Angefangen von einer Kooperation mit einem FinTech bis hin zum Aufbau einer eigenen Digital Unit sind viele Optionen möglich und auch richtig.

Foto: Getty Images / TakakoWatanabe


Markus Malz

Markus Malz ist Experte im Bereich Digitalisierung von Kundenschnittstellen. Der diplomierte Bankbetriebswirt und MBA besitzt mehr als 17 Jahre Erfahrung im Kunden-, Produkt-, Website- und Vertriebsmanagement von Banken, Bausparkassen und Versicherungen.


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