Wie User Story Mapping beim morgendlichen Aufstehen hilft

User Story Mapping
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Das Geheimnis digital exzellenter Produkte ist nicht die Funktionsvielfalt, sondern dass der Nutzer mit dem Produkt seine Ziel mit weniger Aufwand erreicht als ohne. Agile Entwickler erstellen hierfür eine User Story – eine Produktvision. Sie erzählt die Geschichte, wie das Produkt den Nutzer beim Erreichen seiner Ziele unterstützt. Ein User Story Mapping veranschaulicht diese Produktvision. Die Entwickler verzetteln sich damit nicht im Projekt-Kleinklein. Dieser Beitrag zeigt vereinfacht, wie User Story Mapping funktioniert.

User Story Mapping am Beispiel „Morgendliches Aufstehen und Fertigmachen für die Arbeit“

Das Grundgerüst einer User Story Map bildet das sogenannte Backbone. Es umfasst alle Aktivitäten, Aufgaben und Stationen (Epics), die ein Nutzer eines Produkts durchführt, erledigt und durchläuft. Einfachheit ist dabei Trumpf. Als Richtgröße gilt: In einem Elevator Pitch von 30 Sekunden sollten die definierten Epics ausreichen, um seine Produktvision zu verkaufen.

Das Konzept lässt sich anhand der Alltagssituation „Morgendliches Aufstehen und Fertigmachen für die Arbeit“ verdeutlichen. Nach dem Aufstehen und dem Verlassen des Schlafzimmers folgt der Gang ins Badezimmer. Danach folgt das Frühstück in der Küche und der Gang in den Flur zum Verlassen der Wohnung.

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Das Backbone bildet das Grundgerüst der User Story Map und wird chronologisch sortiert.

Nach dem Festlegen der Epics erfolgt die Zuordnung konkreter Aufgaben (User Stories). Hier wird die Reise, die ein Kunde mit einem Produkt unternimmt (User Journey) im Detail beschrieben. Je nach Nutzer kann die Reise unterschiedlich verlaufen. Die Definition von Nutzergruppen hilft, alle elementaren Aktivitäten zu erfassen. Im Idealfall wurden bereits Personas in Workshops erarbeitet, die nun stellvertretend eingesetzt werden können.

Anhand des Beispiels könnten folgende Aufgaben für einen Singlehaushalt definiert werden:

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User Stories konkretisieren die User Journey und runden die definierten Epics ab.

Sobald alle wichtigen User Stories identifiziert wurden, werden die daraus resultierenden Anforderungen priorisiert und auf mehrere Releases verteilt. Hier stellt sich zusätzlich die Frage, wie der erste Prototyp, das Minimum Viable Product (MVP), aussehen soll. Das Team definiert die absoluten Basisanforderungen an das Produkt, damit es sich nutzen lässt.

Dem Beispiel folgend, kann das MVP durch eine einfache Fragestellung abgeleitet werden:

“Ich habe verschlafen und nur noch zehn Minuten bis der Bus abfährt. Was sind die wichtigsten Aktivitäten, die ich bis zum Verlassen der Wohnung erledigen muss, um rechtzeitig den Bus zu erreichen?”

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Die im MVP gelisteten User Stories ermöglichen die reibungslose Nutzung des Produkts zur Zielerreichung „Aufstehen und Fertigmachen für die Arbeit“. Diese Phase lässt sich ebenfalls dazu nutzen, alternative Aufgaben zu identifizieren, die mit weniger Umsetzungsaufwand trotzdem zur Zielerreichung beitragen – beispielsweise Zähneputzen vs. Zahnpflege Kaugummi kauen.

In späteren Releases werden sequenziell Funktionalitäten ergänzt, die den Umgang komfortabler gestalten. Im Idealfall ergeben sich aus dem frühzeitigen Einsatz des Produkts Erkenntnisse, die geplante Anforderungen überflüssig machen. Damit sparen Entwicklungsteams im Idealfall wertvolle Zeit und halten die Funktionsvielfalt in einem optimalen Gleichgewicht. Das führt zu niedrigeren Wartungsaufwänden und steigert die Nutzerzufriedenheit durch geringere Komplexität.

Big Picture im Auge behalten

Die Vorteile einer User Story Map sind, dass das Projektteam die grundlegende Produktidee, die weitere Planung und das daraus resultierende „Big Picture“ stets im Auge behalten. Sie laufen nicht Gefahr, wichtige Anforderungen über eine lange Projektlaufzeit zu vergessen. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag für Agilität und Kundenorientierung. Neue Mitarbeiter können zum Beispiel effektiver in das Projektteam integriert werden. Sie entwickeln so schneller ein gemeinsames Verständnis für das Produkt und das, was der Kunde – ob externer oder interner, mit dem Produkt erreichen möchte.

User Story Mapping ist damit ein exzellentes Werkzeug für agile Teams. Die Technik gewährleistet, dass alle Projektbeteiligten ihre Kunden verstehen. Sie können die Lösung klar umreißen und sich trotzdem aufs Entwickeln konzentrieren.

Foto: Getty Images /mirquurius


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