Studie: Unternehmen stehen bei Digitalisierung noch am Anfang

Studie: Unternehmen stehen bei Digitalisierung noch am Anfang

Wie digital sind Unternehmen und Behörden in Deutschland? Diese Frage war 2014 der Auftakt für eine groß angelegte, multimethodische Untersuchung, die wir gemeinsam mit der Universität Hamburg durchgeführt haben. Ein Jahr lang haben wir mithilfe von Workshops und Interviews mit Experten sowie quantitativen Datenerhebungen den aktuellen Stand und die Strategien der Digitalisierung ermittelt.

Wie die Studie zeigt, ist der Digitalisierungsdruck groß – und zwar unabhängig von Größe und Branche der Unternehmen. Bedingt wird dies vor allem durch Anforderungen von Kunden und Geschäftspartnern. Denn für sie gehört die Digitalisierung längst zum Alltag. Sie erwarten deshalb auch im Kontakt mit Unternehmen ein hohes Maß an digitalen Leistungen und Services. Diese allgemeine, gesellschaftlich verankerte Erwartungshaltung ist im Übrigen auch der Grund, warum der Digitalisierungsdruck im B2B-Umfeld ähnlich hoch ist wie im Endkundengeschäft.

Auf Unternehmensseite gibt es jedoch noch erheblichen Nachholbedarf. Nur jeder zweite der befragten Fach- und Führungskräfte stellt dem eigenen Unternehmen bei der Digitalisierung ein gutes Zeugnis aus. Vor allem bei der Integration der Kanäle, der Entwicklung digitaler Angebote und der Frage nach der Führungsverantwortung hapert es noch.

Digitale Leuchtturmprojekte reichen nicht aus

Ein häufiges Problem: Viele Unternehmen versuchen mit einzelnen Leuchtturmprojekten, eine Antwort auf die Herausforderungen der Digitalisierung zu finden. Dies können zum Beispiel Flagship-Stores sein, in denen neue Technologien eingesetzt und (medienwirksam) vermarktet werden.

Mit solchen Projekten kann die interne und externe Wahrnehmung des eigenen Unternehmens positiv beeinflusst werden. Sie dürfen jedoch nicht mit digitaler Exzellenz verwechselt werden. Denn dafür ist eine Transformation des gesamten Unternehmens erforderlich. In unserer Studie haben wir zehn Disziplinen der digitalen Exzellenz ermittelt, die zusammen die Breite der notwendigen Transformation abbilden.

Zehn Disziplinen der digitalen Exzellenz

1) Digitale Führung
Die digitale Transformation muss von der Unternehmensspitze priorisiert und vorangetrieben werden.

2) Digitale Qualifizierung der Mitarbeiter
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen abteilungsübergreifend und unternehmensweit für die digitale Transformation qualifiziert werden.

3) Einbeziehung der Kunden und Geschäftspartner
Kunden und Partner sind die treibenden Kräfte der digitalen Transformation. Deren Erwartungen und Anforderungen müssen verstanden und schnell erfüllt werden.

4) Weiterentwicklung des Geschäftsmodells
Digitale Exzellenz erfordert, dass bestehende Geschäftsmodelle fortlaufend auf Digitalisierungspotenziale und -notwendigkeiten hin überprüft und neue digitale Geschäftsmodelle entwickelt werden.

5) Digitales Plattformmanagement
Im digitalen Raum haben verschiedene Plattformen eine zentrale Rolle übernommen. Unternehmen müssen auf diesen Plattformen präsent sein, Einfluss auf sie nehmen oder sogar selbst eine Plattform entwickeln und betreiben.

6) Weiterentwicklung der IT-Architektur
Veraltete IT-Architekturen müssen komplett überarbeitet und erneuert werden. Die auf Stabilität und Sicherheit ausgelegten Backend-Systeme sind dahingehend zu optimieren, dass Frontend-Systeme in ihrer schnellen Weiterentwicklung unterstützt werden.

7) Prozessdigitalisierung & -automatisierung
Digitale Exzellenz erfordert permanentes Engagement hinsichtlich der Optimierung und Effizienzsteigerung der IT-Prozesse.

8) Datengesteuerte Agilität
Digitale Exzellenz erfordert, dass entstehende Daten permanent ausgewertet werden, in die steuernden Prozesse zurückgeführt werden und unmittelbar für die Weiterentwicklung und Gestaltung des digitalen Angebotes genutzt werden.

9) und 10) Digitale Sicherheit & Compliance
Digitale Exzellenz ist nur zu erreichen, wenn Systeme und Prozesse kontinuierlich auf Sicherheit und Compliance hin überprüft und weiterentwickelt werden.

Unsere Studie zeigt, dass die Unternehmen in den meisten Disziplinen noch viel vor sich haben, erst wenige sehen sich gut aufgestellt. Zudem wird deutlich, dass keines der in Tiefeninterviews befragten Unternehmen ein klares Set an Kriterien hat, nach denen es den eigenen Transformationsfortschritt bewerten kann. Bis zur digitalen Exzellenz ist also noch einiges zu tun.


Birgit Eckmüller

Birgit Eckmüller verantwortet seit 2002 die Kommunikation von Sopra Steria Consulting. Die studierte Wirtschaftsingenieurin ist Expertin für Technologiethemen.

Kommentare

  1. Hallo,

    interessante Studie. Gibt es diese auch in Gänze nachzulesen?

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