Schluss mit den Mythen: DevOps ist kein „Team der Anderen“

DevOps -Lego

DevOps (von DEVelopment und OPerationS) gilt als Wunderwerkzeug für digitale Exzellenz und datengetriebene Agilität. Doch von einer Union der Willigen zwischen Spezialisten für Softwareentwicklung und Experten für den IT-Regelbetrieb kann nur selten die Rede sein. Ein Szenario nach einer wahren Begebenheit zeigt, dass sich Unternehmen viel Zeit für die DevOps-Integration nehmen sollten.

„Ich soll jetzt Betrieb machen“, warf mir Peter, ein Programmierer, in einem Gespräch neulich über den Tisch. Kaum eine Woche im Dienst, und schon will der neue IT-Leiter gleich die erste Sau durch das Dorf der Entwicklergemeinde treiben, meint er. Nein, dazu hat er nun wirklich keine Lust. „Ich möchte entwickeln. Für den Betrieb ist ja wohl IT Operations zuständig. Und die sollen gefälligst da bleiben wo sie sind. Und du machst den Quatsch auch noch mit?“

„Nun mal langsam“, halte ich dagegen. „Also ich finde DevOps gut, und ich habe mich freiwillig als „Change Agent“ gemeldet. „Wo drückt denn der Schuh? Was soll sich denn konkret ändern?“ frage ich. Bei Peter herrscht Stille. Doch dann fällt bei ihm der Groschen:„DevOps“ nennt der Neue das. Irgendein Hype, ein Firlefanz. Jetzt muss ich doch eingreifen, also hole ich weit aus.

DevOps ist eine Philosophie, und nicht wirklich etwas Neues. Es ist kein methodischer Firlefanz. DevOps ist die radikale Veränderung des Zusammenwirkens von Teams mit unterschiedlichen Aufgaben, sprich: die Konvergenz des scheinbar Unvereinbaren. Im Grunde nichts Schlimmes, nur krasser. DevOps ist auch keine neue Organisation oder ein „Team der Anderen“. Und übrigens: Ein “DevOps Team” oder den “DevOps Guy” sucht man vergebens. DevOps lebt die Veränderung der Art und Weise, wie Teams trotz einer völlig neuen Aufgabenverteilung miteinander erfolgreich arbeiten können.

„Miteinander und erfolgreich arbeiten?“ raunzt Peter. „Die in IT Operations sollen doch erst einmal lernen, wie Betrieb geht. Heulen bei jedem kleinen Softwarefehler gleich auf und schreien nach einen neuen Release. Können die das nicht selbst…?”. Wir stoppen die Geschichte an dieser Stelle. Peter hat hier einen wichtigen Punkt getroffen.

DevOps – Veränderung gegen den Bauch

Menschen lassen sich nur bis zu einem gewissen Grad auf Neues ein. Sie verlassen sich vielmehr auf ihre Intuition und persönliche Erfahrung, und sie neigen dazu, Dev Ops & Co. erst einmal abzulehnen. Wer aus dem Bauch heraus entscheidet, schont den Kopf und durchdenkt die neuen Situation nicht weit genug, weil es sich nicht gut „anfühlt“. In solchen Situation sind Gefühle aber nur eine Abkürzung des Denkens. Was ich nicht kenne, mache ich nicht.

DevOps funktioniert auch in Großunternehmen

DevOps einzuführen verspricht zunächst: mehr Geschwindigkeit, mehr Stabilität, mehr Geschäft und somit auch mehr Engagement der Mitarbeiter. Besonders große Unternehmen stoßen jedoch häufig auf Hindernisse bei der praktischen Anwendung, da die Denkweise der Mitspieler auf verschiedenen Ebenen nicht ausgiebig auf diese neue Arbeitsweise eingeschwungen ist. Und das braucht Zeit. Daher gilt es, die Meinungsbildner in den Fach- und Führungsebenen und die Technologieevangelisten zu ermutigen, die DevOps-Transformation in ihrem Unternehmen als möglich und erstrebenswert zu sehen.

Essenzielle Erfolgsmuster für die Integration von Entwicklung und Betrieb

1. Die Integration des Entwicklungsteams in die Abläufe des IT-Betriebes (oder: „die Produktion“), zum Beispiel durch die Ausweitung der Rufbereitschaft am Wochenende oder in der Nacht. Bei Entwicklern, die ein Teil der betrieblichen Eskalationskette der IT-Produktion sind, steigt die Motivation, für einen qualitativ hochwertigen und robusten Software-Code zu sorgen.

2. Regelmäßige Rückmeldungen zur Stabilität im IT-Betrieb an die Entwicklung, beispielsweise durch ein Incident-Team. Die gemeinsame Lösung von Incidents in der IT-Produktion sorgt für deutlich mehr Aufmerksamkeit und Verständnis für die Nöte der jeweils „anderen Seite“.

3. Den Entwicklern über die Schulter schauen: IT-Operations-Kollegen können durch Colocation wertvolle Erfahrung für den Betrieb sammeln, wenn sie in einem kollegialen Umfeld begreifen lernen, wie komplex die Bereitstellung, Verwaltung des Codes in der Produktion sein kann.

Die größte Herausforderung für das Management

Mit der Konvergenz von Entwicklungs- und Betriebsteams ist es längst nicht getan. DevOps erwartet vom Management eine ganz wesentliche Änderung im Denken und bei der Akzeptanz neuer Arbeitsweisen. Kontrollfreaks haben ausgedient. Das präzise Planen jedes einzelnen Vorgangs und konkrete Ergebnisse zu konkreten Zeitpunkten sind mit DevOps nicht zu machen. Nun heißt es: Iteratives Arbeiten in kleinen Schritten führt zum Erfolg, wobei der Weg zum Ziel auch einmal einem Schlingerkurs ähnlich sehen kann. Fehler zu machen heißt nicht, etwas falsch gemacht zu haben, Fehler gehören zur Kultur, und sie werden in Entdeckermanier beseitigt.

Zusammenarbeit ist Macht! Bollwerk DevOps

Erfolgreiche DevOps-Teams haben die Fähigkeit, sich an der Mission eines Projekts anzupassen. Sie dürfen iterieren und experimentieren, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Die Arbeit von Anfang bis Ende im Team, und das schweißt zusammen. DevOps-Teams organisieren sich selbst, um die zu liefernden Produkten oder Dienstleistungen herzustellen. Sie agieren ergebnisorientiert, weil sie stets nach besseren Wegen zur Erreichung der gewünschten Ziele fragen. DevOps-Teams sehen schlechte Nachrichten als Gelegenheit zu lernen und Dinge zu verbessern. Getreu dem Motto: „Zusammenarbeit ist Macht!“

Peter, der Programmierer, hat sich etwas beruhigt. Er hat verstanden: DevOps ist nichts Schlimmes, nur krasser.

Foto: Getty Images / LewisTsePuiLung


Torsten Sämann

Torsten Sämann ist seit 2012 bei Sopra Steria Consulting und Experte für IT-Infrastrukturen und IT-Service-Management. Der studierte Wirtschaftsinformatiker hat sich auf das Zusammenspiel von Cloud Computing mit IT-Trendthemen spezialisiert.


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