Mainframe und Cloud: Warum modernisieren besser ist als ablösen

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Tina Gold
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Cloud Computing ist für immer mehr Unternehmen das Maß aller Dinge –  Mainframe-Systeme hingegen werden dagegen oftmals als veraltet abgeschrieben. Ein recht pauschales Urteil: Tatsächlich ist die vollständige Ablösung des Mainframes durch Cloud-Lösungen nicht per se der beste Weg; und schon gar nicht der einzige. Ein Blick auf die Zukunft eines IT-Dinosauriers, der sich beharrlich weigert, auszusterben.  

Schon 1992 legte sich die Computerwoche fest: „Die alte Mainframe-Dominanz geht unwiderruflich zu Ende“. Fast 30 Jahre später wird das Ende des Mainframes zwar noch immer prophezeit, tatsächlich haben die Großrechner im Alltagsgeschehen jedoch nach wie vor eine überragende Bedeutung. Banken, Versicherungen, Energieversorger, auch Regierungsbehörden setzen auf Mainframe-Rechner. Sie haben über Jahrzehnte gute Dienste geleistet, sind zuverlässig und sicher. Die auf ihnen ausgeführten Programme sind meist Eigenentwicklungen, genau an die Arbeitsabläufe angepasst, aber eben auch sehr schwerfällig, nicht so leicht skalierbar und deshalb Gift für die IT-Betriebskostenrechnung.

Bestechende Argumente für die Cloud

Aus diesem Grund gehört Cloud Computing die Zukunft, zumal Regulierungshürden beseitigt wurden und die großen Hyperscaler sich an die Bedürfnisse der Europäer in puncto Datenschutz anpassen. Zu den wichtigsten Argumenten, die für die Cloud sprechen, zählt die große Flexibilität bei der Nutzung. 69 Prozent der für unsere Potenzialanalyse „Cloud in Europa“ befragten Entscheider nennen die Skalierbarkeit als wichtigsten Grund. Die Cloud ermöglicht, Speicher- und Rechenkapazitäten kurzfristig dem jeweiligen Bedarf anzupassen.

Aber es geht um mehr: Es geht um Innovationsfähigkeit, um die Umstellung auf Software as a Service oder noch besser: Platform as a Service. Digitale Ökosysteme brauchen eine Cloud-Infrastruktur, ebenso Unternehmen, die neue Arbeits- und Organisationsformen durch den mobilen Zugriff auf IT-Ressourcen einführen – wie wir gerade erleben.

Nicht immer ist flexible Skalierbarkeit Trumpf

Aus der Skalierbarkeit ergibt sich zu einem guten Stück der Kostenvorteil der Cloud. Doch dort, wo konstante oder zumindest stetig zunehmende Rechenkapazitäten gefragt sind, verfangen diese Argumente nicht so recht. Ein Beispiel bei den Banken ist die Abwicklung der bargeldlosen Transaktionen, für die vielfach noch Mainframes im Einsatz sind. 2016 wurden nach Zahlen von Statista rund 481 Milliarden bargeldlose Transaktionen abgewickelt, 2022 werden es voraussichtlich mehr als eine Billion sein. Mainframes wickeln einen Großteil der weltweiten Kreditkartenzahlungen und Bankautomatenbuchungen ab, große Schwankungen sind da jedoch nicht zu erwarten. Für den Mainframe sind das die idealen Voraussetzungen.

Mainframe-Systeme sind immer dort stark, wo es gilt, einfache Aufgaben zuverlässig in großer Zahl zu erledigen, also eben beispielsweise beim Verarbeiten massenhafter Transaktion – und das mit einem hohen Maß an Sicherheit. Dabei ist nicht nur die Zahl der Transaktionen groß, um die es geht. Sie müssen auch die sogenannten ACID-Eigenschaften erfüllen – also Atomicity, Consistency, Isolation und Durability.

Mainframe fit für das Cloud-Zeitalter machen

Während oft die Mainframe-Ablösung durch die Cloud diskutiert wird, machen viele Unternehmen die Erfahrung, dass etwas anderes oftmals praktikabler ist: eine IT-Architektur, die Cloud und Mainframe miteinander verbindet und dabei Mainframe-Entwicklungen mit modernen Werkzeugen auf ein neues Level hebt. Mainframe-Rechnern fällt in diesem Falle die Rolle zu, datenintensive Unternehmensanwendungen zu verarbeiten. Agile Ansätze wie Scrum sowie DevOps unterstützen dabei, den Mainframe-Code stetig zu verändern und schnell anzupassen. Das zahlt zugleich auf das im Zusammenhang mit dem Mainframe besonders wichtige Thema der schwindenden Fachkräfte ein. Je stärker junge Fachkräfte ihre modernen Ansätze in Mainframe-Architekturen anwenden können, desto spannender und attraktiver wird es für sie, sich mit der Materie auseinanderzusetzen.

Die Möglichkeiten des modernen Mainframes

Moderne Mainframe-Architekturen können mit Java umgehen, und es ist möglich, Web Services zu hosten. Beim Einsatz von Robotic Process Automation (RPA) ist es zum Beispiel möglich, Mainframe-Systeme an die Cloud anzubinden und einen flexiblen Austausch zwischen diesen beiden Welten zu organisieren.  Auf diese Weise wird etwa die Grundlage für einen besonders robusten Einsatz von Blockchain, IoT und Künstlicher Intelligenz geschaffen. Schließlich sind all diese Technologien sowohl auf eine große Rechenleistung angewiesen als auch auf die zuverlässige Durchführung einer Vielzahl von Transaktionen.

Besonders deutlich wird die mögliche Rolle der Mainframes beim Internet of Things (IoT): Wo in Zukunft Millionen von Geräten miteinander kommunizieren und Informationen austauschen, ist eine schnelle, sichere und verlässliche Verarbeitung der Daten und Durchführung von Transaktionen unerlässlich, die die ACID-Eigenschaften erfüllen.

Der Schlüssel liegt somit nicht im „entweder oder“, sondern in der optimalen Verbindung der Großrechner zur Cloud. Für Mainframe-Anhänger und Cloud-Enthusiasten sind das beste Zukunftsaussichten – sie spielen im selben Team.

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Foto: Getty Images / John Fedele


Tina Gold

Tina Gold ist Business Unit Director bei Sopra Steria. Sie unterstützt Unternehmen bei der Konzeption und Umsetzung großer und komplexer Transformationsvorhaben. Zwei ihrer Spezialthemen sind Business Intelligence und Analytics sowie Service and Delivery Management in internationalen Projekten, inkl. Near- und Offsoring.


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