Digitale Kultur auf den Punkt gebracht: Design Thinking

Design Thinking
Simon Oberle
durch

Die fortschreitende Digitalisierung beruht auf verschiedenen kulturellen Prinzipien, die aufzeigen, was in einer digitalen Unternehmenskultur von Bedeutung ist. Neben Kollaboration und Kreativität zählen die User-Zentrierung und der Fail-Fast-Gedanke zu den Maximen.

Digitalisierung ist mehr als Technologie. Die digitale Transformation kann nur gelingen, wenn die Mitarbeiter die Prinzipien der Digitalisierung leben und verinnerlichen. Der digitale Wandel in traditionellen Unternehmen ist somit vor allem auch ein großes Change-Management-Programm.

Nicht umsonst ist die Methodik Design Thinking gerade ein probates oft genutztes Instrument vieler aktueller Veränderungsprozesse. Sie verkörpert viele Facetten, die digitale Unternehmenskultur ausmachen. In dieser Denk- und Vorgehensweise lassen sich vier entscheidende Prinzipien der Digitalisierung wiedererkennen:

1. Kollaboration als Schlüssel der Kreativität

Kreativität entsteht primär in der Interaktion zwischen Menschen. Gerade die interdisziplinäre Zusammenstellung von Teams aus verschiedenen Unternehmensbereichen bringt verschiedene Blickwinkel zusammen und lässt neue Ideen entstehen.

Das Ablegen von Silodenken und die Kooperation zur Lösungsentwicklung über Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg spielt in der Transformation eine entscheidende Rolle, um neue Services zu entwickeln und die Entwicklungsgeschwindigkeit aufzunehmen.

2. Der User steht im Mittelpunkt

Der User steht bei der Definition der Problemstellung und der Lösungsfindung bei Design Thinking im Mittelpunkt. Ein Unternehmen mit einer digitalen Unternehmenskultur hinterfragt dessen Wünsche, Bedürfnisse und Verhaltensweisen. Dieser Punkt scheint selbstverständlich in der Entwicklung von Lösungen. Nichtsdestotrotz ist die Interaktion mit Endkunden eine ungewohnte Disziplin in Projekten. Gerade bei versammelten Expertengruppen aus Fachbereichen, der IT und externen Beratern ist ein verändertes Selbstverständnis notwendig, um die Entscheidung für eine Lösung vom Feedback des Kunden abhängig zu machen.

Prinzipien Design Thinking
   Quelle: Sopra Steria Consulting

3. Aus Fehlern lernen – der Fail-Fast-Gedanke

Die steigende Veränderungsgeschwindigkeit im Zuge der Digitalisierung bringt Unsicherheit mit sich. Diese bewältigen Unternehmen, indem sie experimentieren. In Workshops, ob Design Thinking oder andere Formate, werden schnelle und einfache Prototypen gebaut, getestet und gegebenenfalls wieder verworfen. Das Scheitern ist dabei bewusst gewollt, um daraus zu lernen.

Im Projektalltag werden diese Erkenntnisse, ob Erfolg oder Misserfolg, häufig erst nach langen Konzeptions-, Entwicklungs- und Markteinführungsphasen erreicht. Mittels Prototyping kann das Investitionsrisiko bei Innovationen jedoch deutlich reduziert werden. Das frühzeitige Scheitern ist somit ein entscheidender Mehrwert, um optimale Lösungen zu entwickeln. Dies sollte in der Kultur der erfolgsorientierten Unternehmenswelt verankert werden.

4. Digitalisierung macht Spaß!

Wer die Zukunft gestaltet, braucht keine Angst vor ihr zu haben. Mit der Digitalisierung werden viele neuen Technologien, Methoden und Kooperationen geschaffen, die zu neuen und innovativen Lösungen führen können. Genauso wie in Design-Thinking-Formaten sollten Unternehmen bewusst den Spaß an der Veränderung in den Vordergrund stellen und dies auch fördern. Die Veränderung als Chance und die Digitalisierung als positiven Aspekt zu begreifen, um Unternehmen zu optimieren, ist der zentrale Erfolgsfaktor digitaler Transformation.

Design Thinking in Corporate Design Thinking verwandeln

Ein solch enormer kultureller Wandel erfordert neue Denkansätze, aber nicht nur: Damit aus Design Thinking ein Corporate Design Thinking entsteht, müssen Unternehmen viele Fragen weitere klären: zur Zusammenstellung von Teams, zur räumlichen Gestaltung und zur Organisation, zur Leadership-Unterstützung oder zu Anreizen. Wichtig ist, mit Mut zu starten und durch Wiederholung neuer Ansätze einen Bewusstseinswandel zu erreichen. Erst wenn die skizzierten Prinzipien intuitiv und automatisiert im Denken und Handeln des gesamten Unternehmens und der handelnden Personen verankert sind, entstehen echte Innovationen und ein langfristiger Erfolg.

Foto: Getty Images /  pixelfit


Simon Oberle

Simon Oberle leitet bei Sopra Steria NEXT den Bereich Future Management Consulting für Financial Services sowie die DigiLabs. Er ist Experte für neue Geschäftsmodelle, Innovationen und Digitalisierungsstrategien in Banken.


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