Digitale Firmenkredite: wie Banken 2020 konkurrenzfähig bleiben

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Das Geschäft mit Firmenkrediten ist hart umkämpft. 2020 werden Banken ihr Dienstleistungsangebot differenzieren müssen, um im Wettbewerb zu bestehen. Patrick Stäuble, CEO vom Fintech Teylor, zeigt, warum und wie digitale Kreditangebote für Unternehmen in der Bankenbranche einen entscheidenden Unterschied ausmachen. 

Digitalisierung – jede Bank redet davon und unternimmt auch etwas – die Mehrheit stellt allerdings die Privatperson in den Fokus. Die wenigsten forcieren digitale Angebote für Firmen. Bankchefs reden zwar gerne von automatisierten Prozessen, weniger Bürokratie und schnellen Bearbeitungszeiten. In der Bankfiliale müssen die Unternehmer dann aber trotzdem warten. 

Das gilt vor allem für mittelständische Firmenkunden, die bei Kreditanträgen zum Teil sechs bis acht Wochen auf die Antwort ihrer Hausbank warten müssen. Das ist deutlich zu lange. Dabei ist die Kreditvergabe einer der Bereiche, der heute fast komplett digital und automatisiert ablaufen könnte. Das zeigen Beispiele aus dem Konsumentenkreditgeschäft wie, Instant Lending der Direktbank ING sowie das Angebot vom Vorreiter Creditplus.

Die Realität bei Firmenkredit sieht aber anders aus. Laut einer Studie hinken deutsche Banken im internationalen Vergleich bei der Digitalisierung hinterher. Für Unternehmer in Deutschland heißt es also weiterhin Schlange stehen – oder im Internet nach Alternativen suchen.

Fintechs: zu klein, um Banken den Rang abzulaufen 

Hinter diesen Online-Alternativen stehen häufig Fintechs – Technologie-Startups, die sich auf die Digitalisierung einzelner Bankprozesse spezialisiert haben. Bei der Kreditvergabe an Unternehmen liegt der Marktanteil von Fintechs heute bei weniger als einem Prozent. Und auch bei den Fintech-Anbietern werden die Kredite letztendlich trotzdem oft von einer Bank finanziert. Das Fintech agiert dabei meistens als Kreditvermittler, die Bank vergibt die Kredite und führt sie in ihrer Bilanz.

An der dominanten Marktposition der Banken wird sich auf absehbare Zeit auch nichts ändern. Fintechs werden zwar weiter Marktanteile gewinnen, trotzdem werden Banken den überwiegenden Anteil der Firmenkredite deutscher Unternehmen finanzieren. Die entscheidende Frage bei der Digitalisierung ist also nicht, ob Fintechs Banken den Rang ablaufen, sondern welche Banken das Digitalisierungsrennen gewinnen.

Harte Konkurrenz im Firmenkundengeschäft 

Firmenkredite sind für Banken nach wie vor ein lukratives Geschäft. 2020 wollen viele Finanzinstitute ihre Erträge in diesem Geschäftsfeld steigern. Der Markt wird allerdings kaum zulegen, zeigt eine Studie. Das heißt vor allem eines: Die Konkurrenz wird härter werden. 

Beim Preis ist die Luft nach unten aber begrenzt. Die Margen lassen nicht viel Spielraum und Banken stehen im derzeitigen Niedrigzinsumfeld ohnehin unter Kostendruck. Abgesehen von den Kreditkonditionen müssen Banken sich also vor allem in Bezug auf die Qualität ihrer Angebote differenzieren. Damit sind wir wieder bei der Digitalisierung, langen Wartezeiten und unnötigem Papierkram. 

Digitale Prozesse ersetzen die Kreditabteilung

Die Kreditprozesse der meisten Banken laufen heute noch immer weitgehend manuell ab. Antragsteller reichen einen Antrag ein – oft in Papierform – welcher anschließend von einem Bankmitarbeiter bearbeitet wird. Er zieht für das Kredit-Scoring externe Datenquellen hinzu, zum Beispiel den Creditreform-Bonitätsindex oder den Schufa-Score, wertet die Jahresabschlusskennzahlen aus und erstellt ein internes Kredit-Rating und ein Konditionenblatt. 

Dieser Prozess und die damit verbundenen Kosten sind oft fast die gleichen, egal ob es sich um einen Kredit von 20.000 Euro oder 400.000 Euro handelt. Deshalb werden vor allem kleine- und mittelständische Unternehmen (KMU) bei der Kreditvergabe regelmäßig vernachlässigt. 

Was bei Banken oft mehrere Wochen dauert, nimmt bei digitalen Kreditvermittlern nur wenige Tage in Anspruch. Einige Anbieter werben mit einem Kreditangebot innerhalb von 24 Stunden. Es geht aber noch deutlich schneller. Aktuell können wir beispielsweise Kreditangebote für Firmen in wenigen Minuten erstellen.  

Damit das funktioniert, läuft der gesamte Prozess, vom Antrag über das Scoring-Verfahren bis hin zur Konditionen-Erstellung automatisiert ab. Antragsteller füllen auf der Webseite ein Online-Formular aus und laden ihren Jahresabschluss hoch. Diese Daten können mittels optischer Zeichenerkennung (OCR) maschinell eingelesen und ausgewertet werden. Die Daten der Creditreform oder der Schufa werden ebenfalls automatisiert über eine Programmierschnittstelle (API) übermittelt. Ein Scoring-Algorithmus kann diese Daten dann anhand vorgegebener Parameter analysieren und die Kreditkonditionen erstellen. Dadurch wird im Prinzip die komplette Kreditabteilung einer Bank digitalisiert und die Wartezeit bei Kreditanträgen kann von mehreren Wochen auf wenige Minuten reduziert werden.

Selbst nach der Konditionen-Erstellung ist nur minimaler manueller Aufwand nötig: Die Unterzeichnung des Kredits erfolgt online mittels eines Video-Ident Verfahrens. Der Prüfungsanteil der Bank im Hintergrund ist minimal. Das Institut prüft den Antrag nochmal gegen, um Fehler auszuschließen. Da alle Daten aber schon vorgeprüft wurden, nimmt dieser letzte Schritt kaum Zeit in Anspruch. Kredite können so bereits innerhalb von ein bis zwei Werktagen ausgezahlt werden. 

Software-as-a-Service-Angebote erleichtern die Automatisierung

Durch digitale Prozesse können Banken Kosten und Zeit sparen und die Servicequalität deutlich verbessern. Dabei müssen sie die entsprechenden Systeme nicht unbedingt bankintern entwickeln. Das Angebot digitaler Kreditantragsverfahren als lizenzierte Software-as-a-Service steigt. Dabei werden die digitalen Prozesse komplett in die Webseite und IT-Strukturen der Bank integriert, die somit nur minimalen Aufwand hat. Diese schlüsselfertigen Kreditprozesse eignen sich gerade für kleine und mittelgroße Banken, die wenig Budget für die Eigenentwicklung zur Verfügung haben. 

In der Herausforderung liegt auch eine große Chance für Banken

2020 wird der Wettbewerb um Firmenkunden weiter anziehen und Banken werden sich verstärkt über das digitale Kreditangebot differenzieren. Die Unternehmen stehen neuen Online-Angeboten zunehmend offen gegenüber, weil sie hier häufig schneller zu ihrer Liquidität kommen. Für Banken gilt es nun zu prüfen, wie sie mehr digitalen Service bieten können und beispielsweise die Antragsprüfung deutlich beschleunigen. Mehr Tempo bedeutet beispielsweise auch mehr Effizienz in Prozessen und weniger Komplexität in den Konditionen. Das alles zusammen kommt auch den Banken in Form höherer Margen zu Gute. 

Über den Autor:

Patrick Stäuble ist der Gründer und CEO der Teylor AG. Teylor ist eine digitale Kredit-Plattform, die die Kreditvergabe an deutsche Kleinunternehmen radikal vereinfacht und komplett digitalisiert hat. Neben der direkten Vermittlung des Teylor-Firmenkredits stellt Teylor Banken und anderen Kreditvermittlern eine lizenzierte Software-as-a-Service Version der Technologie und des Antragsprozesses zur Verfügung.

Fotos: Teylor, Getty Images / courtneyk


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