Datengetriebene Agilität braucht einen Kulturwandel

Datengetriebene Agilität braucht einen Kulturwandel

Start-Ups haben es vergleichsweise leicht, agile IT-Infrastrukturen zu schaffen, denn sie müssen dafür keine Altlasten entsorgen oder gewachsene Systeme umbauen. Datengetriebene Agilität steht jedoch auch etablierten Unternehmen offen. Dafür bedarf es aber eines kulturellen Wandels: Change muss Unternehmensaufgabe werden – und bleiben.

Um es klar zu sagen: Datengetriebene Agilität ist für Unternehmen in der digitalen Transformation keine Option, sondern Conditio sine qua non. Datengetriebene Agilität ist die Antwort auf beliebige Fragen, die die riesigen Datenmengen aus Produktion und Wartung oder aus Marketing und Vertrieb aufwerfen. Dabei hängt datengetriebene Agilität nur zu einem kleinen und zudem klar umrissenen Teil an der Veränderung von Prozessen und Technik. Unternehmen, die agil und flexibel auf sich rasch verändernde Marktbedingungen reagieren wollen, brauchen dafür vor allem einen Kulturwandel. Und der muss von oben kommen.

Agilität schaffen heißt, loslassen können

„Die Schwierigkeit liegt nicht so sehr in den neuen Gedanken als in der Befreiung von den alten“, zitierte das Wirtschaftsmagazin brand eins kürzlich den Ökonomen John Maynard Keynes. In seiner August-Ausgabe beschäftigt sich das Magazin folgerichtig mit dem Thema Loslassen. Allen Traditionalisten sei ins Stammbuch geschrieben: Gewachsene Prozesse, Strukturen und IT-Architekturen lassen die direkte Einführung von Agilität nur bedingt zu und müssen dafür mindestens hinterfragt werden.

Bezeichnend dafür ist folgende Aussage eines Teilnehmers an der Studie „Datengetriebene Agilität“: „Wenn Sie Leuten sagen: Vergiss das Ganze, wir starten einfach und sehen, was daraus wird, und dann arbeiten wir weiter … – dann ist das natürlich schon ein großer, ein sehr großer Sprung für diejenigen, die bisher glaubten, über Business Cases und Excel Spreadsheets Planungssicherheit zu haben.“

Die wichtigste Bedingung für die Hinwendung zu einer agilen IT und die Transformation zu einem datengetriebenen Unternehmen ist der kulturelle Wandel: Statt einer gewissen Risikoscheu braucht es im Gegenteil die Bereitschaft, Fehler zu machen und sie auch bei den eigenen Mitarbeitern zuzulassen. „In dem Ausprobieren der agilen Zusammenarbeit werden bestimmt auch Fehler passieren, die dann vielleicht zu einer Korrektur führen“ (ebenda). Diese Bereitschaft aber kann nur von ganz oben kommen, von der Unternehmensleitung. Angst vor Veränderungen würde diese Kultur lähmen, während das Vertrauen in die Eigenverantwortung und Selbstorganisation der Mitarbeiter sie fördert.

Vom Kunden her denken ist der richtige Ansatz für datengetriebene Agilität

Das kulturelle Umschalten in den ständigen Change-Modus ist die Grundlage, um die anderen Aufgaben für datengetriebene Agilität zu meistern. Dazu zählen etwa die Anpassungen der IT-Landschaft und der BI-und Analytics-Plattformen sowie die nahezu in Echtzeit mögliche Verarbeitung von Daten. Hier spielt der Datenschutz eine zentrale Rolle – angesichts der EU-Datenschutz-Grundverordnung DSGVO, die vom 25. Mai 2018 an verbindliches Recht sein wird, entsteht hier ein unbedingter Regelungsbedarf. Das gilt umso mehr, als dass die produktive Arbeit mit Kundendaten zu den wichtigsten Komponenten datengetriebener Agilität gehört. Es kann Kunden irritieren, wenn Unternehmen durch die Verknüpfung von Daten Rückschlüsse ziehen, die der Kunde so nicht vermutet hat. Das kann dazu führen, dass Kunden das Vertrauen in digitale Dienste verlieren, wie beispielsweise bei Google in Abständen immer wieder zu beobachten ist. „Datenschutz und Informationssicherheit müssen in den Prozessen konsequent integriert und mitgedacht werden“, heißt es deshalb richtigerweise von Studienteilnehmern.

Der sensible Umgang mit persönlichen Daten ist damit ein Musterbeispiel dafür, dass es der richtige Ansatz ist, die Zukunft des datengetriebenen Unternehmens vom Kunden her zu denken. Der Blick durch die Kundenbrille schärft – auf Basis valider Daten aus dem Vertrieb – die Sicht auf ihre wahren Bedürfnisse und verhindert Nachlässigkeiten auf der Umsetzungsseite.


Stefan Seyfert

Stefan Seyfert ist Leiter des Kompetenzteams Datenmanagement bei Sopra Steria Consulting. Hier im Blog schreibt er vorrangig über datengetriebene Agilität, Data Science und Enterprise Information Management (EIM).

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