Blockchain und Lebensmittel – ein Erfolgsrezept

Blockchain: Woher kommt der Fisch?

Blockchain wird zu erheblichen Veränderungen innerhalb der Supply-Chain von Unternehmen führen. Selbst im Lebensmittel-Sektor zeichnen sich konkrete Einsatzgebiete ab. Dank Blockchain können Unternehmen im Einzelhandel dem Verbraucher zukünftig eine längst überfällige Leistung anbieten: vollständige Transparenz über die Herkunft eines Produkts.

Konsumenten verbinden die Qualität eines Produkts sehr stark mit dessen Herkunft. Insbesondere bei Lebensmitteln achten Verbraucher auf die Ursprungsregion. Sei es das Obst aus lokalem Anbau, der Wein aus Bordeaux oder Rindfleisch aus Kobe – die Region definiert die Qualität und ist das ausschlagende Verkaufsargument. Das newfoodmagazine kam zu dem Ergebnis, dass 8 von 10 Einkäufern auf die Herkunft ihrer Produkte achten und bereit sind dafür mehr Geld auszugeben. Kunden wollen wissen woher ihre Lebensmittel kommen und wie diese transportiert und verarbeitet wurden.

Vertrauen ist gut – Blockchain ist besser

Bislang muss der Kunde im Einzelhandel den Angaben auf der Verpackung vertrauen. QR-Codes liefern zwar Möglichkeiten der Recherche über Herkunftsorte. Qualitätssiegel beteiligter Prüforganisationen sorgen ebenfalls für Vertrauen. Spezifische und schnell nachvollziehbare Informationen über die Herkunft und die Reise des individuellen Produkts ins Verkaufsregal existieren jedoch nicht.

Die Blockchain-Technologie ermöglicht diesen tiefen Einblick in die Produkthistorie. Bestand bisher Unsicherheit über die tatsächliche Herkunft des Thunfischs auf der Tiefkühl-Pizza, kann künftig per Blockchain der komplette Weg des Fischs von der Fangstelle bis ins Ladenregal nachverfolgt werden, inklusive Informationen über die beteiligten Lieferanten bis hin zum Fischer. Startups wie Provenance arbeiten bereits an diesem Konzept.

Blockchain Supermarktregal
Für den Kunden oft nicht durchschaubar – die Produktvielfalt im Regal (Foto: Pexels /Fancycrave).

Die Herausforderung besteht darin, die komplexe Lieferkette transparent zu machen. Lebensmittel vom Anbau auf den Tisch des Konsumenten zu bringen, erfordert viele Beteiligte. Dazu zählen unter anderem Produzenten, Lieferanten, Händler und Regulatoren. Der Austausch von Daten geschieht meist nur bilateral zwischen den jeweiligen beteiligten Unternehmen. Dadurch verfügt keiner der Beteiligten über eine einheitliche, übergreifende Sicht der kompletten Lieferkette.

Das bisherige System mag funktionieren; aber Daten sind nicht vollständig, stammen aus mehreren Quellen und existieren in verschiedenen Formaten. Durch eine Blockchain entsteht ein geregelter Zugriff auf Informationen in der Lieferkette, der Prozess wird digital, Daten werden vereinheitlicht und durch die Netzwerkteilnehmer bestätigt.

Sicher ist, dass nichts sicher ist

Das Vorgehen mit einer Blockchain schafft nicht nur Transparenz über die Herkunft, sondern fördert auch die Lebensmittelsicherheit. Internationale Unternehmen wie Nestlé, Unilever und Walmart haben dieses Potential bereits erkannt.

Eine Blockchain ermöglicht es, den Weg von Lebensmitteln von Station zu Station zu dokumentieren und dabei beispielsweise Ernte- oder Transportbedingungen aufzuzeichnen. Aufgrund der komplett digitalisierten Historie wird es einfacher, Kontaminationen zu erkennen und nach dem Befund weiterer betroffene Produkte, Händler und Hersteller schneller und zuverlässiger zu identifizieren. Während auf dem traditionellen Weg eine Rückverfolgung eines Produkts aufgrund der fehlenden Digitalisierung von Dokumenten Tage dauern kann, wird derselbe Vorgang mithilfe einer Blockchain im Idealfall nur Sekunden dauern.

Verdorbene oder fehlerhafte Ware kann somit frühzeitig erkannt und zügig aus dem Verkauf genommen werden, so dass insgesamt die Risiken für Verbraucher eingedämmt werden. Außerdem müsste nicht eine gesamte Lieferung entsorgt werden, sondern es lassen sich die wirklich betroffenen Produkte gezielt entfernen.

Food Blockchain – eine Win-Win-Situation

Die Blockchain-Technologie erhöht damit nicht nur die Sicherheit der Produkte. Es können auch kriminelle Aktivitäten wie Markenbetrug oder illegale Fischerei unterbunden werden, sollte eine umfassende Dokumentation via Blockchain von Unternehmen und Kunden eingefordert werden.

Lebensmittelskandale sind stark reputationsschädigend und gefährden das Wohl der Bevölkerung. Unternehmen wie die Fast-Food-Kette Chipotle wissen, dass selbst Jahre später das Vertrauen nicht gänzlich wiederhergestellt werden kann. Lebensmittelskandalen künftig aktiv vorzubeugen und nicht nur zu reagieren, wird ein konkreter Wettbewerbsvorteil sein.

Allein in den USA entstehen jährlich Kosten von mehr als 15 Milliarden US-Dollar aufgrund von Krankheiten, die durch den Verzehr von Nahrungsmitteln ausgelöst wurden. Die Dunkelziffer wird vermutlich um Einiges höher ausfallen. Kosten, die durch die beschriebenen Vorteile der Blockchain stark reduzierbar wären. Damit werden nicht nur Unternehmen wie Nestlé oder Walmart durch eine Lebensmittel-Blockchain profitieren, sondern die gesamte Gesellschaft.

Foto: Getty Images / Ljupco

 


Florian Keibel

Florian Keibel ist Berater im Team Digital Banking bei Sopra Steria Consulting. Sein Themenschwerpunkt ist die Anwendung der Blockchain.


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