3 Widerstände im Innovationsmanagement und wie Unternehmen ihnen begegnen

3 Widerstände - Innovationsmanagement

Innovationen helfen Unternehmen, langfristig profitabel zu bleiben. Doch die tollste Innovation fliegt nicht, wenn sie dem Kunden nicht oder der Konkurrenz zu gut gefällt. Drei Arten von Widerständen sollten Unternehmen kennen und ihnen durch aktives Innovationsmanagement begegnen.

Widerstand der Kunden

Der Widerstand von Kunden ist deutlich messbar, da sich dieser direkt auf den Umsatz eines Unternehmens auswirkt. Werden Erwartungen nicht erfüllt, sinken Kundenzufriedenheit und schließlich auch der Absatz. Auch ein falsch gewählter Zeitpunkt für den Markteintritt kann den Widerstand hervorrufen. Wird ein Produkt „halbgar“ angeboten, werden sich Kunden aktiv gegen eine Nutzung entscheiden.

Auch das technische Umfeld sollte einen gewissen Reifegrad erreicht haben, bevor eine Innovation erfolgreich adaptiert wird. Microsoft hat beispielsweise Tablets und Smartwatches mehr als 10 Jahre vor Apple entwickelt – allerdings erfolglos. General Motors versuchte den Markteintritt in die E-Mobility bereits 1996 – ebenfalls am Kunden vorbei. Kundenbedürfnisse müssen tiefgehend verstanden sein und bereits in der Entwicklung berücksichtigt werden. Mittels innovativer Methoden, wie dem Design Thinking, kann verhindert werden, dass Produkte und Services angeboten werden, die den Bedürfnissen der Kunden nicht entsprechen.

Widerstand der Konkurrenz

Wettbewerber werden versuchen, den Erfolg einer Innovation einzudämmen oder einen Teil vom Kuchen abzubekommen. Imitationen sind ein beliebtes Mittel so genannter Second Mover. Diese Innovationsnachzügler wollen Entwicklungskosten sparen und mit niedrigeren Preisen in einen neu eröffneten Markt einsteigen. Außerdem ist bei einem späteren Eintritt meist mehr Wissen über die Bedürfnisse am Markt verfügbar. Sony, Nintendo und Microsoft nutzten den Second-Mover-Vorteil schon vor etlichen Jahren und stießen Pionier Atari vom Thron der Gaming-Branche.

Radikal denkende Unternehmen sollten sich durch derartige Beispiele allerdings nicht von der Innovationsförderung abbringen lassen. Die Anmeldung von Patenten, Gebrauchs- und Geschmacksmustern sowie ein starkes Image als Pionier schwächen die Second Mover. Ein probates Mittel ist zudem der Aufbau einer initialen Zielgruppe, um für diese Kunden Lock-in-Effekte zu schaffen und so die Abwanderungsrate zu reduzieren. Je höher die Wechselkosten für die Kunden, desto größer der Vorteil der First Mover. Werden derartige Faktoren in einem agilen Innovationsprozess berücksichtigt, lässt sich die Gefahr der Imitation durch die Konkurrenz enorm eindämmen.

Interne Widerstände

Zwischenmenschliche Konflikte hemmen nachweislich die Kreativität. Eine Angstkultur, die keine Fehler zulässt, bietet keine Grundlage, systematisch zukunftsweise Ideen zu entwickeln und zu fördern. Mitarbeiter, die Angst um ihren Status, Einfluss und ihre Ressourcen haben, werden innovative Ansätze nicht fördern, wenn diese ihre Position negativ beeinflussen können. Sie halten stattdessen am Status quo und an kurzfristigen Zielen fest, da „eigentlich alles gut läuft“. Ein vielfach gestresstes Beispiel ist Kodak. Ignoranz auf den höchsten Managementebenen führte dazu, dass der ehemalige Weltmarktführer 2012 Insolvenz anmelden musste.

Unternehmen, die nachhaltig innovativ sein wollen, benötigen deshalb eine positive Einstellung zur Veränderung und Manager die Kunst, zuversichtlich zu zweifeln. Beides muss kulturell verankert werden. Im operativen Innovationsmanagement können Kreativworkshops dabei helfen, neue Impulse in tradierten Umgebungen zu setzen.

Noch mehr Widerstand

Neben den drei genannten gibt es viele weitere Widerstände, die Innovationen den Erfolg erschweren. Beispielsweise verhindern organisatorische Widerstände wie starre Hierarchien und lange Entscheidungswege das Leben einer innovativen Unternehmenskultur. Bei der Investitionsentscheidung für radikale Innovationen, bei denen anfangs meist bewusst Verluste akzeptiert werden müssen, treten oftmals finanziell begründete Widerstände von Stakeholdern mit kurzfristigen Umsatzzielen auf. Ökologische Widerstände entstehen, wenn eine Innovation ungeahnte ökologische Folgen mit sich bringen kann, die das Image einer Unternehmung in Gefahr bringen.

Widerstände sind demnach unvermeidbare Begleiterscheinungen im Innovationsmanagement und sollten als solche akzeptiert und beobachtet werden. Ein aktiver und systematischer Umgang mit den Widerständen mittels Checklisten und agilen Prozessen hilft, Show Stopper zu erkennen, Barrieren zu umgehen und im Ergebnis Innovationsfreude aufkommen zu lassen. Wie Goethe damals bereits erkannte, kann man auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, Schönes bauen.

Foto: Getty Images / Martin Barraud


Christian Geng

Christian Geng ist Berater im Team Business Consulting Industries von Sopra Steria Consulting. Er ist Spezialist im Bereich Innovation Management.


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