Wer macht den Chief Digital Officer?

Chief Digital Officer
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Zu Beginn gleich meine Antwort auf diese Frage. Nein, den einzig wahren Chief Digital Officer gibt es nicht und wird es auch, von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen, wahrscheinlich nicht geben. Und das ist auch gut so. Auch wenn derzeit viel vom Chief Digital Officer die Rede ist, wenn es um Erfolgskriterien für die Digitalisierung geht, ist es ratsam, die Zuständigkeiten für die digitale Transformation unbedingt auf mehrere Schultern zu verteilen. Eine zentrale Rolle muss dabei der CIO spielen, der bedauerlicherweise in der öffentlichen Wahrnehmung immer stärker hinter dem nebulösen Chief Digital Officer geschoben wird.

Fakt ist, dass für die enormen Umwälzungen, wie sie derzeit im Zuge der vierten industriellen Revolution passieren, alle Fachbereiche und Führungskräfte für Digitalisierungsinitiativen in ihrem Bereich verantwortlich sind. Digitalisierung ist nicht bloß ein temporäres Projekt, das von einer zentralen Stelle umgesetzt werden muss. Die derzeit stattfindende Phase der Digitalisierung ist die langfristig angelegte Transformation des gesamten Unternehmens und bildet die Grundlage künftiger Wertschöpfung. Digitalisierung betrifft daher alle Führungskräfte und Mitarbeiter gleichermaßen, weshalb es pro Unternehmensbereich einen Chief Digital Officer geben sollte. Dies wäre für die Beantwortung der Eingangsfrage der kleinste gemeinsame Nenner. Immerhin wurde im ersten industriellen Zeitalter des 19. Jahrhunderts ja auch nicht die Stelle des Chief Electricity Officers geschaffen, bloß weil auf einmal vieles auf Elektrotechnik basiert.

Von der IT-Integration hängt vieles ab

Abstimmung und Koordination zwischen allen Unternehmensbereichen und Führungskräften bei Digitalisierungsprojekten ist aufgrund der zunehmenden Vernetzung sämtlicher Unternehmensbereiche absolut zwingend. Allen Fachbereichen und dem Top Management muss bei der Planung ihrer Maßnahmen zur Einführung digitaler Technologien bewusst sein, dass diese Projekte massive Anpassung an den IT-Prozessen und einen enormen Integrationsaufwand nach sich ziehen. Dies gilt aber auch umgekehrt für den CIO, der die Fachbereiche bei ihren Digitalisierungsvorhaben unterstützen muss, damit Wettbewerbsvorteile für das Gesamtunternehmen geschaffen werden können. Je nach Reifegrad bei der Digitalisierung müssen Unternehmen ihr Application-Management so umbauen, dass digitale Lösungen in das IT-Backend (ERP, CRM etc.) nahtlos integriert werden können. Dabei kommt den CIOs die Aufgabe zu, die Prozesse und IT-Strukturen auf die Nutzung digitaler Technologien wie Big Data Analytics, Mobile, Omnichannel und Software as a Service hin zu modernisieren. Daher investieren CIOs sehr stark in Themen wie Virtualisierung, Standardisierung und Konsolidierung der IT-Strukturen oder auch in die Modernisierung der Alt-Softwarebestände.

In vielen Unternehmen interpretieren daher auch die CIOs ihre Rolle als Chief Digital Officer, häufig auch als Chief Transformation Officer. Aus CIO-Perspektive muss das auch der Anspruch sein – jedoch gilt dies nur für die Transformationsphase einer Digitalisierungsstrategie. An dieser Stelle soll auch eine Lanze für den CIO gebrochen werden, dem viel zu oft die Kompetenz bei der Digitalisierung abgesprochen wird. Soweit die Technologieperspektive.

IT-Kompetenz gehört auch in die Chefetagen

Die Neuausrichtung von Unternehmen und Organisationen auf den digitalen Wandel sowie die Nutzung von digitalen Technologien zur Verbesserung der Unternehmensperformance sowie des Markterfolgs ist Aufgabe der Fachbereiche beziehungsweise des Top Managements. Von ihnen wird erwartet, dass sie neue digitale Geschäftsmodelle entwickeln, neue Produkt- und Service-Innovationen planen und die Kundenkommunikation durch den integrierten Einsatz von mobilen Endgeräten, Webseiten und klassischen Vertriebswegen verbessern. Dazu müssen sie die aktuellen Technologienentwicklungen inhaltlich nachvollziehen können, um bestehende Strategien anzupassen. Analog zur Transformation in der IT, muss sich also auch das Business einem Veränderungs- und Anpassungsprozess unterziehen und auf neue Kundenanforderungen zügig reagieren.

Beide Transformations-Perspektiven, Business und IT, können unterschiedlich nicht sein und erfordern verschiedene Ansätze. Diese Gesamt-Transformation durch einen zentralen Chief Digital Officer verantworten zu lassen, wäre verantwortungslos und nicht umsetzbar. Richtig ist, dass es eine zentrale Koordinierungsfunktion benötigt, die alle Digitalisierungsstrategien und -projekte steuert und inhaltlich sowie zeitlich aufeinander abstimmt. Richtig ist aber auch, dass einige Unternehmen sich ein Alibi suchen, indem sie einen Chief Digital Officer benennen, um zumindest irgendetwas getan zu haben und von notwendigen strategischen und organisatorischen Veränderungen abzulenken.

Fazit

Der digitale Wandel kann einem Unternehmen nur gelingen, wenn die fachbereichs- und technologieübergreifende Integration gelingt. Dafür ist vollständige Transparenz über alle laufenden und geplanten Digitalisierungsprojekte und die Steuerung diese Maßnahmen der wichtigere Erfolgsbaustein als ein bloßer Titel. Aber wenn es unbedingt einen Titel und eines zentralen Verantwortlichen bedarf, dann sollte dieser entweder Chief Information Officer oder Chief Transformation Officer heißen.

Über den Autor

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Mario Zillmann ist Leiter Professional Services bei Lünendonk. Er ist verantwortlich für die Marktsegmente IT-Beratung und Systemintegration, IT-Service, IT-Sourcing-Beratung, Business Innovation/Transformation Partner sowie Business Intelligence. Inhaltlich beschäftigt er sich mit der strategischen und organisatorischen Neuausrichtung der IT auf den digitalen Wandel sowie mit neuen Sourcing-Konzepten für Digitalisierungsstrategien.

Foto: istockphoto/StockFinland


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