Startup Code entschlüsselt: Analoge Prozesse digital gedacht

Startup
Gastautor
durch

Ein FinTech Startup ist ein interessantes Beispiel dafür, wie schnell die digitale Transformation einen ganzen Wirtschaftszweig, wie hier die Bankenbranche, überrollen kann. Als wir mit Seedmatch 2011 an den Markt gingen, glaubten wenige an das Modell Crowdfunding für Startups: digitales Investieren, völlig ohne Bank und Finanzberater und ohne postalischen Briefverkehr. Fast fünf Jahre später stehen wir an einem völlig anderen Punkt: Die Bundesregierung hat im vergangenen Jahr mit dem Kleinanlegerschutzgesetz für eine Regulierung des Crowdfunding- und Crowdinvesting-Marktes gesorgt – und immer mehr Banken zeigen enormes Interesse daran, Crowdinvesting in ihr Produktportfolio aufzunehmen.

Für andere FinTech-Dienstleistungen sieht es ähnlich aus: Viele klassische Dienstleistungen der Banken sind mittlerweile obsolet. Direktbanken konkurrieren mit Filialbanken um Kunden, die neben Online Banking die Möglichkeit haben wollen, ihre Monatsausgaben per App zu kategorisieren und auszuwerten oder beispielsweise unkompliziert Geld digital an Freunde zu verleihen. Der Weg in die Filiale ist im Grunde nicht mehr nötig. Wir bewegen uns weg vom Bankberater, der einem sagt, wo man sein Geld anlegen soll, hin zu Verbrauchern, Nutzern, Anlegern, die autonom entscheiden, wie und wo sie ihr Kapital investieren.

Aus analog wird digital – drei Beispiele

Warum geht digitaler Wandel oftmals von jungen Unternehmen aus? Startups haben in der Regel kleine Teams und sehr agile Unternehmensstrukturen. Dadurch können sie aktuelle Trends um einiges schneller aufgreifen und auf Veränderungen schneller reagieren als etablierte Konzerne mit tausenden Mitarbeitern. Bei Seedmatch wurden in den letzten Jahren immer wieder Startups von der Crowd finanziert, die es geschafft haben, bislang analoge Prozesse digital zu übersetzen.

Das Startup OakLabs beispielsweise hat aufwendige und teure analoge Kettenreaktionen im Labor, wie sie im Grunde für sämtliche Testverfahren benötigt werden, mittels Grafikkarten aus dem Bereich der Videospiele digitalisiert. Dank eines komplexen Algorithmus werden Wirkmechanismen am Rechner simuliert. Den Laboren spart das enorm viel Zeit und natürlich am Ende auch Geld – eine solche Idee kann eine Branche nachhaltig verändern.

Bei Smartview360 ist es ähnlich. Das Startup hat eine B2B-Lösung für einen Markt entwickelt, der bislang noch sehr weit weg war vom digitalen Wandel. In der Modebranche ist es üblich, den Vertrieb mit teuren Warenmustern auszustatten, noch bevor Kollektionen überhaupt produziert werden. Die Warenmuster werden darüber hinaus meist in einer Ausfertigung präsentiert – Farb- oder Größenvariationen kann sich der Kunde demnach nicht anschauen. Smartview360 hat für diesen Prozess ein digitales Orderbuch erstellt. Mittels aufwendiger 3D-Technologie kann der Designer dem Einkäufer so seine komplette Kollektion präsentieren, ohne vorab teure Unikate herstellen und mit dem Vertriebler auf Reisen schicken zu müssen.

Ein weiteres Beispiel, wie weit man digital denken kann, ist das Startup flowkey. Das Team hat eine Software entwickelt, die es jedem erlaubt, innerhalb kürzester Zeit das Klavier spielen zu erlernen. Die Software kann dabei das individuelle Lerntempo des Spielenden berücksichtigen und passt sich ihm an. Das soll den analogen Lehrer nicht zwingend ersetzen. Vielmehr soll es eine Alternative für den Fall sein, dass beispielsweise kein Lehrer erreichbar ist, oder wo schlichtweg aus Zeit- oder Kostengründen auf einen Lehrer verzichtet werden muss.

Innovationen sind wichtig

Kritisch wird es an den Stellen, wo Branchenpartner ineinander greifen müssen, die nicht die gleiche Form der digitalen Transformation durchlaufen haben – wenn digitale Prozesse an bestimmten Stellen doch an ihre Grenzen kommen, weil gesetzliche Vorgaben oder Regulierungen vorsehen, dass Dinge analog abzulaufen haben. Wir stellen darüber hinaus fest, dass es bisweilen für viele Prozesse aus der Regulatorik des Finanzmarktes heraus noch wenig Akzeptanz für eine digitale Umsetzung gibt – wie beispielsweise die digitale Form der Identifizierung von Nutzern, wie es bei unserer Plattform Mezzany nötig ist. Hier gehen viele Nutzer doch lieber den längeren und analogen postalischen Weg.

Die Realisierung von innovativen Ideen braucht also zwei Dinge: Einen gesetzlichen Rahmen, um bei der Umsetzung nicht ins Stolpern zu kommen und natürlich Akzeptanz der Nutzer. Gerade die digitale Agenda, wie sie 2014 von der Bundesregierung vorgestellt wurde, braucht noch mehr Zugkraft, um für tiefgreifende digitale Innovationen „Made in Germany“ zu sorgen:

„Unsere Welt ist zunehmend digital vernetzt. Das verändert unseren Alltag und das Zusammenleben: wie und wo wir arbeiten oder wie wir uns gesellschaftlich einbringen können. In diesen Veränderungen liegen große Chancen für den Wohlstand, die Lebensqualität und die Zukunftsfähigkeit in Deutschland. Die Bundesregierung fördert und gestaltet den digitalen Wandel aktiv.“

Über den Autor:

tobias_koerner-seedmatch_150x150

Tobias Körner ist bei der Crowdfunding-Plattform Seedmatch verantwortlich für den Bereich Corporate Communications. Dort betreut er alle relevanten Kommunikationskanäle und berät die Startups, die sich über Seedmatch finanzieren wollen, bei der Erstellung ihrer Kampagnen.

Foto: Getty Images / pixdeluxe


Gastautor

Schreiben Sie einen Gastbeitrag für den Blog Digitale Exzellenz. Wir freuen uns auf Ihren spannenden Themenvorschlag.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.