Künstliche Intelligenz: HR-Bots gehen auf Fachkräftesuche

Roboter Blogparade Künstliche Intelligenz
Katja Frey
durch

Personalabteilungen werden für die geschäftskritische Suche nach neuen Talenten und rar gesäten Spezialisten künftig stärker auf künstliche Intelligenz (KI) setzen. Dieser abschließende Beitrag unserer Blogparade (#KIParade) gibt einen Überblick, was KI-Systeme und HR-Bots leisten können.

Personalabteilungen müssen sie sich heute aktiv auf einer großen Zahl von Kanälen nach potenziellen Mitarbeitern umschauen. Das Schalten von Anzeigen genügt nicht mehr. Gute Recruiter werden zunehmend zu einer Art Profiler, die vorausschauend analysieren, welche konkreten Fachkräfte künftig auf dem Arbeitsmarkt zu haben sein könnten. Künstliche Intelligenz in Form von Bots eignet sich hervorragend für dieses Active Sourcing.

KI-Systeme können mit ihren analytischen Fähigkeiten bei der Vorauswahl von passenden Bewerbern auf eine spezielle Stelle unterstützen. Eine datenbasierte Analysesoftware sucht beispielsweise per Textanalyse nach Schlüsselbegriffen sowie Daten in Lebensläufen und überprüft diese auf Basis vorab festgelegter Kriterien. Sie durchsuchen die vielen sozialen Netzwerke deutlich schneller nach potenziellen Kandidaten als menschliche Recruiter.

Dabei werden nicht nur aktiv suchende Bewerber gefunden, sondern indirekt auch potenzielle Jobinteressenten. Bots erkennen Nutzer mit hoher Wechselwilligkeit oder Eigenschaften, die einen hohen Cultural Fit versprechen. So kann die Personalansprache durch den Einsatz von Bots und herkömmlichen Matching-Verfahren in ihrer Effizienz deutlich gesteigert werden.

Ein weiteres Beispiel für den Einsatz selbstlernender KI-Systeme sind die Analyse und Planung von Recruiting-Kampagnen und die Auswahl passender Kanäle, über die Stellenangebote geschaltet werden sollten. Basierend auf den konkreten Stellenanforderungen, den Erfolgsquoten vergangener Ausschreibungen, kombiniert mit externen Daten hinsichtlich Nutzer- und Kommunikationsverhalten, können gezielt Recruiting-Maßnahmen getroffen werden.

Der Mehrwert einer KI liegt hier darin, dass die Lösungen aus einer sehr großen Menge von Daten neues Wissen generiert und Muster erkennen. Dabei lernen sie mithilfe der gesammelten Erfahrungen – auch „efficiency by experience“ genannt: Je mehr Daten ein Algorithmus über einen längeren Zeitraum ausgesetzt ist, desto genauer erkennt er Muster, analysiert sie und sagt sie voraus. Die KI-Funktionen zur Analyse und Mustererkennung für komplexe und verschieden strukturierte Daten sind mittlerweile auch im Personalwesen unablässig.

Darüber hinaus kann ein HR-spezifischer Chatbot – auch HR-Bot genannt – FAQs von Mitarbeitern und Bewerbern beantworten. Der Vorteil: Bots können rund um die Uhr und auch am Wochenende Auskunft geben. Dies entlastet nicht nur die Personalabteilung, sondern ist aufgrund des steigenden Fachkräftemangels ein echter Mehrwert. Das Kommunikationsverhalten künftiger Talente – der „umworbenen Kandidaten“ – mit den technologischen Möglichkeiten ändert sich signifikant. HR-Abteilungen müssen heute neueste Kommunikationskanäle und -medien einsetzen, insbesondere im Recruiting-Prozess, um als attraktives Unternehmen wahrgenommen zu werden.

Der Personalmanager von morgen bleibt ein Mensch

Rund zehn Prozent der Personalabteilungen nutzen bereits eine Form von künstlicher Intelligenz, 45 Prozent planen den Einsatz. Das ergibt unsere Potenzialanalyse Künstliche Intelligenz vom April. Die genannten Anwendungsmöglichkeiten zeigen allerdings, dass künstliche Intelligenz künftig eine deutlich größere Rolle in Personalabteilungen spielen wird als heute.

Der Einsatz dieser Technologien schafft allerdings auch neue Arbeitsrealitäten und hat gravierende Auswirkungen auf alle Unternehmensbereiche. Somit ist es Aufgabe und Verantwortung des Personalbereichs, das Unternehmen bei diesem technologischen Fortschritt zu unterstützen. Ziel sollte es aus der HR-Perspektive sein, diese Entwicklungen als Change Manager zu begleiten und mögliche Ängste und Skepsis abzubauen.

Sobald Unternehmen diese Herausforderungen meistern, wird KI zahlreiche Tätigkeiten wie selbstverständlich übernehmen, auch im HR-Bereich. Die Führungskräfte sollten allerdings im Unternehmen immer wieder klarstellen: Es wird auch zukünftig Themen und Fragestellungen geben, die höhere kognitive Fähigkeiten sowie Kreativität und menschliches Einfühlungsvermögen erfordern. Personalabteilungen werden nicht umsonst auch Human Resources genannt.

* Vielen Dank Harriet Florence Werther, die als Co-Autorin an diesem Blogbeitrag mitgewirkt hat.


Anmerkung der Redaktion:

Wir beenden mit diesem Beitrag unsere Blogparade Künstliche Intelligenz. In der kommenden Woche bringen wir eine Zusammenfassung aller Beiträge. Vielen Dank an alle Teilnehmer!


Katja Frey

Katja Frey ist Expertin für Prozessoptimierung im Personalwesen im Team Human Capital Management Solutions von Sopra Steria Consulting . Ihre Spezialgebiete sind die Durchführung von IT-Einführungsprojekten sowie die HR-Datenanalyse und das Datencontrolling.

Kommentare

  1. Schöner Artikel und das sehe ich auch so, dass der Personalmanager von morgen (erstmal weiterhin) ein Mensch bleibt. :-) Wann findet denn die nächste Blogparade zu “künstlicher Intelligenz” statt? Ich würde gerne daran teilnehmen.

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