Zwischen Angst und Hype: Wie ein Comic mit KI-Mythen aufräumt

Zwischen Angst und Hype: Wie ein Comic mit KI-Mythen aufräumt
Sven Guhr
durch

Künstliche Intelligenz (KI) schwankt zwischen zwei Extremen: Während die Technologie für die einen das Ende der Menschheit bedeutet, ist sie für die anderen die Rettung ebenjener. Doch weder das eine, noch das andere trifft heutzutage zu. Anhand von Bildern zeigt ein Netzfundstück, der Comic-Essay „We need to talk, AI“, wie es wirklich um die Zukunftstechnologie steht und welche Risiken und Chancen realistisch sind.

Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich seit einigen Jahren rasant weiter. Viele Menschen scheinen Angst vor dieser Entwicklung zu haben. Smarte Roboter aus Film und Fernsehen wie R2D2, T-800 oder Her tragen ebenfalls dazu bei, das Bild von KI zu verzerren. Um dem entgegenzuwirken, zeigt der Comic-Essay „We need to talk, AI“– ohne Angst oder Hype  – was KI wirklich ist, wo die Entwicklung steht und was die Zukunftstechnologie heute schon kann. Die 56 Seiten bieten eine illustrierte Reise durch die verschiedenen Ausprägungen der Künstlicher Intelligenz, räumen mit den Mythen auf und bauen Bedenken ab.

Die Datenwissenschaftlerin Dr. Julia Schneider und die Grafikerin Lena Kadriye Ziyal haben den Essay-Comic gemeinsam konzipiert. Er entstand aus der Überzeugung heraus, dass unsere Gesellschaft aktuell vor komplexen Problemen wie dem Klimawandel steht. Vor allem KI hat das Potenzial, uns dabei zu unterstützen, diese Krisen zu lösen.

Der Comic wurde auf der diesjährigen Republica erstmals vorgestellt. Jede Seite enthält sechs kleine Schwarz-Weiß-Comics. Es gibt fünf Kapitel, die sich mit den Grundlagen, Beispielen, Chancen, Risiken, einem Ausblick und sozialen Utopien zur Künstlichen Intelligenz beschäftigen. Für Kenner haben die beiden Autorinnen ein paar kleine Anspielungen eingebaut, die Experten zum Schmunzeln bringen dürften. Ein Beispiel: Der Text besagt, dass die Technik und die Daten neu sind, die KI-Methoden jedoch nicht. Über dem Text ist ein Bild von einer Maus und einem Labyrinth abgebildet. Dieses spielt auf die mechanische Maus von Claude Shannon an, dem Erfinder der Informationstechnologie.

Quelle: „We need to talk, AI.“ von Julia Schneider und Lena Kadriye Ziyal

Der Comic erklärt, dass KI heutzutage vor allem damit beschäftigt ist, schwierige, aber sich immer wiederholende Aufgaben durchzuführen. Dazu zählen beispielsweise Klassifizierungsaufgaben. So ist die Zukunftstechnologie beispielsweise in der Lage, Hunde von Katzen zu unterscheiden. Dafür benötigt sie nicht nur viel Energie, sondern auch sehr viele Daten. Was für die Entstehung von Künstlicher Intelligenz nötig ist, wie der heutige Stand tatsächlich aussieht, wie eine AI lernt oder der Unterschied zwischen Deep Learning und Machine Learning wird ebenfalls erläutert. Eine Botschaft vermitteln die Autorinnen ganz deutlich: Wir müssen aufhören KI zu überhypen. Das schürt nur Ängste wie Massenarbeitslosigkeit und liegt weit über dem, wozu KI heute wirklich schon in der Lage ist.

Stattdessen erklärt der Comic-Essay anhand von praktischen Beispielen, wo sie heute schon konkret eingesetzt wird. So wird zum Beispiel deutlich, wie die Maps-App die Standort-Daten von Smartphones verwendet, um in Echtzeit zu analysieren, wie schnell sich der Verkehr aktuell bewegt. Zusätzlich werden von Benutzern gemeldete Verkehrsstörungen verarbeitet. So haben die proprietären Algorithmen von Maps Zugriff auf riesige Datenmengen. Das bedeutet, dass Maps die schnellste und beste Route vorschlagen kann. Viele weitere Anwendungsszenarien werden erklärt. So kommt KI auch in sozialen Netzwerken, bei Empfehlungsvorschlägen und selbstfahrenden Autos zum Einsatz.

Die Chancen und Risiken werden im darauffolgenden Kapitel erläutert. Die Verarbeitung von großen Datenmengen und die Effizienzsteigerung sind nur zwei der Vorteile, die im Zusammenhang mit KI möglich sind. Bei den Risiken wird unter anderem vor Überwachung gewarnt, die durch den Einsatz von KI erleichtert wird. Hiermit ist nicht nur Mimik und Gestik gemeint, sondern auch unser Verbraucherverhalten oder unsere Interessen. Auch die Zukunft der Arbeit oder der hohe Energieverbrauch werden thematisiert. Zum Schluss wird ein Ausblick gegeben und soziale Utopien vorgestellt.

Fazit

Prädikat: lesenswert – und das nicht nur für KI-Experten, sondern auch für Anfänger, die die Welt von Machine Learning und Co kennen lernen wollen. Der Essay bringt die Welt der Künstlichen Intelligenz verständlich näher und lässt die Angst vor KI, Seite für Seite verpuffen. Der englische Comic steht als PDF oder als E-Book kostenlos zur Verfügung und wir bald auch auf Deutsch erscheinen.


Sven Guhr

Sven Guhr verantwortet die Themen Künstliche Intelligenz und SAP Analytics bei Sopra Steria Consulting. Gemeinsam mit seinem Team berät er Unternehmen beim Aufbau innovativer analytischer Lösungen.


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