Künstliche Intelligenz: Das Design bestimmt das Bewusstsein

Künstliche Intelligenz - Roboter als Hamlet
Sven Guhr
durch

Sophia war der Star der CES 2018 in Las Vegas. Der Hype um den Roboter und seine künstliche Intelligenz nimmt seit geraumer Zeit immer größere Ausmaße an. Saudi-Arabien verlieh der Assistentin sogar die Staatsbürgerschaft. Das zeigt: Angesichts der sehr menschlichen Züge – inklusive Falten und Pigmentflecken am Hals – sind Regeln wichtig, damit künstlich intelligente Wesen Maschinen und damit Hilfsmittel des Menschen bleiben. Aus Richtung der Tech-Unternehmen gibt es erste Impulse.

Sophia gehört in eine relativ junge Kategorie von, ja was, Maschinen, Wesen, Gegenständen? Nein, von humanoiden Robotern, Maschinenwesen mit menschlichem Antlitz und Verhalten. Beinahe alle Geschichten über diese Art Roboter fangen damit an, dass sich irgendjemand Maschinenwesen als treue Helfer von Menschen ausdenkt. Und fast alle diese Geschichten enden damit, dass die Roboter irgendwann die Herrschaft über uns Menschen übernehmen.

(Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=TS7zOBkkUG8 )

Es gibt gute Gründe, diesen Dystopien nicht zu folgen: Schaut man sich zum Beispiel an, was Roboter heute schon können, wird deutlich, dass wir uns keine Sorgen machen müssen. Tätigkeiten wie „auf einem Bein hüpfen“, „Tablettwagen schieben“ oder „Trompete spielen“ jedenfalls jagen einem kaum Angst ein.

Noch wichtiger aber ist, dass wir es selbst in der Hand, wie sich Humanoiden sowie Roboter mit weniger menschlichem Antlitz als Sophia uns gegenüber verhalten. Unternehmen, die intensiv in KI-Technologien investieren, sollten somit auch Regeln und Standards mitdenken.

Sechs Designprinzipien für künstliche Intelligenz

Microsoft-Chef Satya Nadella ist es beispielsweise wichtig, sich mit der Gestaltung, dem Design von künstlicher Intelligenz auseinanderzusetzen, die möglicherweise weit mehr als andere Technologien den Alltag der Zukunft prägen wird. Dafür hat Nadella sechs Designprinzipien aufgestellt:

  • “AI must assist humanity.” Roboter mit künstlicher Intelligenz können zum Beispiel gefährliche, stumpfsinnige oder schmutzige Tätigkeiten übernehmen und Menschen von genau diesen Tätigkeiten befreien.
  • “AI must be transparent.” Eine der wichtigsten, vielleicht auch eine der schwierigsten Design-Anforderungen ist die nach Transparenz von KI: Menschen sollen nachvollziehen können, was Roboter warum und nach welchen Regeln tun.
  • “AI must maximize efficiencies without destroying the dignity of people.” Künstliche Intelligenz muss die Würde und die Diversität der Menschen wahren, fordert Nadella – auch aus eigener Erfahrung: Kurz zuvor musste Microsoft den Chatbot Tay zurückziehen, nachdem der begann, rassistische Beleidigungen zu twittern.
  • “AI must guard against bias.” Voreingenommenheit wie im Beispiel von Tay entsteht, wenn Roboter und Algorithmen mit falschen Daten gefüttert werden. Zu verantwortungsvollem Design gehört es auch, diesen Missbrauch zu verhindern.
  • “AI must be designed for intelligent privacy.” Roboter müssen unbedingt die Privatsphäre von Menschen achten und bewahren, sonst werden wir ihnen nie vertrauen können.
  • “AI must have algorithmic accountability.” Verantwortung für Maschinen? Auf jeden Fall brauchen sie einen Panikknopf, der es Menschen ermöglicht, unbeabsichtigte Fehlfunktionen und Schäden rückgängig zu machen.

Aus meiner Sicht ist speziell das zweite Prinzip, die Transparenz, immens wichtig, Ängste vor KI abzubauen. Menschen wollen nachvollziehen, wie intelligente Systeme zu ihrem Ergebnis gekommen sind. Dem Beispiel selbst definierter Standards werden aller Wahrscheinlichkeit nach mehr Unternehmen folgen. Denkbar ist, dass sich das Thema Regulierung von KI künftig auf die Ebene der Verbände oder sogar auf eine Stufe höher verlagert.


Sven Guhr

Sven Guhr verantwortet die Themen Künstliche Intelligenz und SAP Analytics bei Sopra Steria Consulting. Gemeinsam mit seinem Team berät er Unternehmen beim Aufbau innovativer analytischer Lösungen.


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