Passkontrolle: “Ihr Smartphone bitte!”

Smartphone als Reisepass
Stephan Koch
durch

Können wir uns bald mit dem Smartphone ausweisen? Reisedokumente wie Pässe und Visa sind heutzutage mit biometrischen Merkmalen ausgestattet, um Reisende eindeutig zu identifizieren. Diese Daten könnten in der Zukunft auch in anderen Medien gespeichert werden. Das Smartphone als ständiger Begleiter ist durchaus als Reisepass geeignet.

Technisch kein Problem

Um den digitalen Wandel in der Personenkontrolle durchzuführen, müssten Grenzbehörden und Polizei neben der an Flughäfen fest installierten Terminals auch mit tragbarer Technologie ausgestattet werden, die das Auslesen jeglicher Medien ermöglicht. Aktuell werden die auf RFID-Chips gespeicherten Daten mittels NFC (Near Field Communication) ausgelesen. Diese Technik kommt auch in Smartphones zur Anwendung. Sollte es zu einer Überprüfung der Dokumente kommen, wird eine aktive Verbindung zu einer so genannten PKI (Public Key Infrastructure) benötigt. Sie übernimmt die Authentifizierung der Daten mittels entsprechender Zertifikate. Den Zugang zu nationalen oder europäischen Datenbanken könnte eine Verbindung über virtuelle private Netzwerke (VPN) liefern. Sie lässt sich über UMTS und LTE herstellen.

Alle oben beschriebenen Möglichkeiten könnten behördenseitig mit Smartphones durchgeführt werden. Soll jedoch bei Überprüfungen von Personen sichergestellt werden, dass beispielsweise ein gespeicherter Fingerabdruck zu der überprüften Person gehört, erfordert das vor Ort einen Vergleich (Matching). Ab diesem Schritt wird spezielle Hardware benötigt, zum Beispiel ein BSI- oder FBI-zertifizierter Fingerabdruckscanner.

Sicherheit erfordert ausgeklügeltes IT Management

Die erforderliche Technologie ist bereits verfügbar. Jedoch müssen Spezial-Hardware und speziell dafür programmierte Software in einem abgestimmten Prozess zusammengeführt werden. Kriterien der IT-Sicherheit sind sowohl auf den mobilen Endgeräten als auch bei der serverseitigen Integration in die jeweilige Infrastruktur der Behörden zu berücksichtigen. Die Umsetzung eines Reisepasses auf dem Smartphone erfordert also von den zuständigen Stellen ein umfangreiches IT Management, um Datensicherheit und Verfügbarkeit der digitalen Passkontrolle zu gewährleisten.

Mobiler Ausweis keine Zukunftsmusik

Mobile Lösungen unterstützen die Polizei bereits bei der effizienten Personenkontrolle. Fahndungsdatenbanken wie das bundesländerübergreifende Informationssystem INPOL lassen sich heute schon an Ort und Stelle mit dem Smartphone abfragen. Am nächsten Schritt, Ausweisdaten als Bürger jederzeit per Smartphone verfügbar zu haben, wird gearbeitet. Sopra Steria Consulting ist mit seiner Lösung beispielsweise so weit, dass sowohl Dokumente als auch das Smartphone ausgelesen werden können.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass auf dem Gebiet Bewegung herrscht, liefert die Österreichische Staatsdruckerei mit der „My Identity App“ kurz „MIA“. Bei MIA werden die sensiblen Daten nicht auf dem Smartphone direkt gespeichert, sondern zentral in einer Cloud. Bei einer Ausweiskontrolle dockt das Handy über eine verschlüsselte Internetverbindung an die Cloud an. Nach einer Bestätigung des ID-Inhabers auf dem Gerät via Fingerabdruck folgt der Datenaustausch.

Am Ende hängt es von den Gesetzgebern der Länder ab, ob Ausweise künftig auch in digitaler Form erlaubt sind. Praktisch für alle Beteiligten wäre es auf jeden Fall.


Stephan Koch

Stephan Koch ist bei Sopra Steria Consulting Experte für Innere Sicherheit im Bereich Public Sector. Im Blog schreibt er u.a. über die polizeiliche Vorgangsbearbeitung, digitale Fingerabdruckverfahren sowie Einsatzleitsysteme.


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